Stahlbetonglocke auf dem Weg zur Ölpest

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Die Situation am Golf von Mexiko hat sich wieder verschlechtert.

Port Fourchon/USA - Versenken, abdichten und dann abpumpen. Das ist der Plan des Ölkonzerns an der Unglücksstelle am Golf von Mexiko. Eine gigantische Stahlbetonglocke soll es jetzt richten.

USA kämpfen gegen die Öl-Pest

BP-Sprecher Bill Salvin teilte mit, die 100 Tonnen schwere Glocke werde voraussichtlich gegen Donnerstagmittag (Ortszeit, ca. 18.00 MESZ) zu dem Bohrloch herabgelassen. Die Konstruktion besteht aus einem vier Stockwerke hohen Quader und einer Kuppel, durch die das Öl mit Rohren in einen Tanker an der Wasseroberfläche gesaugt werden soll. Die Stahlbetonglocke wurde von dem Schiff “Joe Griffin“ transportiert, das am Mittwochabend von Port Fouchon in Louisiana aus in See stach. “Wir sind ein bisschen besorgt“, sagte Kapitän Demi Shaffer den mitreisenden Journalisten der Nachrichtenagentur AP.

USA kämpft gegen die Öl-Pest

USA kämpfen gegen die Öl-Pest

Es war das erste Mal, dass eine Absaugglocke in eine Wassertiefe von mehr als 1.500 Metern herabgelassen werden sollte. Ein ferngesteuerter Unterseeroboter sollte sicherstellen, dass die Glocke die beiden Lecks am Meeresgrund richtig abdeckt. Ein drittes war am Dienstagabend bereits abgedichtet worden. Die Glocke sollte dann über ein Stahlrohr mit einem Tanker verbunden werden, um das Öl nach oben zu befördern. Damit das Öl bei Wassertemperaturen um fünf Grad nicht verklumpt, sollten warmes Wasser und Methanol durch das Absaugrohr gepumpt werden. Aus den Lecks am Meeresgrund sprudeln täglich rund 800.000 Liter Öl hervor, seit am 22. April die von BP genutzte Bohrplattform “Deep Water Horizon“ versank. Bei einer Explosion auf der Bohrinsel waren zuvor elf Arbeiter ums Leben gekommen. 

Behörden verlangten von BP keinen Notfallplan

Bei der Genehmigung der Tiefseebohrungen musste BP keinen Notfallplan zur Abdichtung möglicher Lecks vorlegen. Das geht aus Regierungsdokumenten und Unterlagen des Unternehmens hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen. Demnach lockerte die für die Genehmigung der Bohrungen zuständige Regierungsbehörde MMS (Minerals Management Service) im April 2008 die Regeln für die Betreiber. Bestimmte Projekte im Golf von Mexiko wurden damals von der Verpflichtung, einen Notfallplan vorzulegen, ausgenommen. BP-Sprecher Salvin erklärte dazu, der Konzern sei auf mögliche Lecks vorbereitet. “Wir haben einen Plan, der genügend Details für die Bewältigung eines Lecks enthält“, sagte er.

Umweltexperten kritisierten die Genehmigungsbehörde MMS scharf. “Wenn der MMS Unternehmen erlaubt hat, ohne Krisenszenario für ein Leck in extrem tiefen Gewässern zu bohren, dann hat die Behörde ihre Arbeit nicht gemacht“, sagte Robert Wygul, ein Experte für Umweltrecht aus Ocean Springs. Bei Tiefseebohrungen würden stets sehr große Ölreserven angezapft, weil der Aufwand sonst gar nicht lohnen würde, erklärte Wygul. Deshalb hätten die mit einem Leck verbundenen Risiken allen Beteiligten klar sein müssen.

Plattform-Betreiber erhielt von Versicherung 400 Mio. Dollar

BP-Chef Tony Hayward betonte unterdessen, für die Katastrophe sei nicht der Ölkonzern, sondern der Betreiber der Bohrplattform, Transocean, verantwortlich. “Es geht hier um Ausrüstung, die Transocean gehört und von Transocean betrieben wird“, sagte Hayward in einem BBC-Interview. Transocean gab unterdessen in einer Pflichtmitteilung an die Börse bekannt, für die untergegangene Bohrinsel “Deepwater Horizon“ eine Versicherungssumme von 401 Millionen Dollar erhalten zu haben.

dapd

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