1500 Pilger begleiten den neuen Kardinal Marx

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Reinhard Marx

München/Rom - Morgen startet eine stattliche Pilgerschar von München nach Rom: Über 1500 Gläubige aus Bayern machen sich auf den Weg in den Vatikan, um Erzbischof Reinhard Marx zu seiner Kardinalserhebung zu begleiten.

Die Hauptperson aus dem Münchner Erzbistum startet schon heute Abend Richtung Rom: Erzbischof Reinhard Marx (57) nimmt bereits morgen im Kreise der Kardinäle an einem Beratungstag teil, den Papst Benedikt XVI. dem Kardinalskonsistorium vorgeschaltet hat. Auf dem Programm stehen nicht gerade angenehme Themen: der Missbrauchsskandal, der Umgang mit übertrittswilligen Anglikanern und die Lage der Religionsfreiheit in der Welt.

Erfreulich und feierlich wird es am Samstagmorgen, wenn Reinhard Marx mit 23 anderen Bischöfen im Petersdom vom Papst seine Ernennungsurkunde und das Kardinalsbirett erhält. Und ihm eine Titelkirche zugewiesen wird.

Wobei die Marx’sche Titelkirche, die der Papst offiziell erst am Samstag bekanntgeben wird, viele Besonderheiten aufweist. Denn es soll sich dem Vernehmen nach um ein Gotteshaus handeln, das noch gar nicht fertiggestellt ist. Man hört, es handele sich um die Kirche San Corbiniano im wachsenden römischen Stadtteil Infernetto („die kleine Hölle“). Eine Korbinianskirche als Titularkirche für den Kardinal des Erzbistums München und Freising, dessen Bistumspatron der Heilige Korbinian ist – besser könnte es kaum passen.

Dass es in Rom eine Kirche mit dem bayerischen Heiligen gibt, ist Marx’ Vorgänger Friedrich Wetter zu verdanken. Er hatte aus Anlass seiner Emeritierung Anfang 2008 die Idee geäußert, dass es in der Ewigen Stadt doch eine Korbinianskirche geben sollte. Das Erzbistum gab dafür eine stattliche Spende, der Papst – als früherer Erzbischof in der Korbinians-Diözese – war begeistert. Und so wurde kurzerhand eine wachsende Gemeinde im Südwesten Roms umbenannt – von San Guglielmo (Wilhelm) in San Corbiniano.

Während die anderen neuen Kardinäle schon am Wochenende ihre Titularkirchen in Besitz nehmen können, muss Kardinal Marx nun noch warten. Die Kirche wird erst im Frühjahr 2011 fertiggestellt – aber dann wird es womöglich ein weiteres großes Fest geben, denn es gilt als nicht unwahrscheinlich, dass Benedikt XVI. die Weihe vornehmen wird.

Voller Freude sieht Marx den Ereignissen in Rom entgegen. „Aber ich verspüre keine Euphorie, denn die Kirche steht in unserer Zeit vor gewaltigen Aufgaben. Es ist eher ein verhaltener Jubel, weil ich mir auch der großen Last meiner persönlichen Verantwortung bewusst bin.“ Marx betrachtet die Reise als Pilgerfahrt. Gerade in diesem schwierigen Jahr für die Kirche sei es ihm wichtig, „am Grab des Heiligen Petrus voll Vertrauen wieder auf den Ursprung zu sehen und mich gemeinsam mit den vielen mitgereisten Pilgern neu unseres Weges zu vergewissern“. Nach dem durch die Missbrauchsfälle ausgelösten Schock gehe es nun um einen geistlichen Aufbruch.

Persönliche Geschenke zur Kardinalserhebung möchte der Erzbischof nicht. Er bittet stattdessen um Spenden für das Projekt „LernConnection“ der Katholischen Mädchensozialarbeit In Via, das Jugendliche mit Migrationshintergrund unterstützt.

Trotzdem wird sich Marx auf das ein oder andere Geschenk einrichten müssen. Aus seiner westfälischen Heimat Geseke brechen über 100 Freunde, Schützenbrüder und Angehörige auf – und die haben mindestens ein Geschenk im Gepäck: einen Schützenhut in Kardinalspurpur.

Die Westfalen gehören mit zur so genannten Kardinalsfamilie, die auf Einladung des Erzbischofs nach Rom reist. Dazu gehören unter anderem das komplette Münchner Domkapitel und die Ordinariatsräte, Reinhard Marx’ Bruder Werner, die Ordensfrauen Schwester Christin und Bernadetta, die ihm den Haushalt führen. Auch die Staatsregierung nimmt mit einem ansehnlichen Tross unter der Führung von Ministerpräsident Horst Seehofer und Frau Karin an den Feierlichkeiten in Rom teil. Mit dabei sein werden Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Kultusminister Ludwig Spaenle, Staatskanzleichef-Chef Siegfried Schneider, aber auch der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch. Brauchtumsvertreter sind sowohl aus Westfalen als auch aus Bayern dabei: Die Geseker St. Sebastianus-Schützenbrüder treffen wie bei der Amtseinführung von Marx in München auf 150 bayerischen Gebirgsschützen. Sie alle werden dem neuen Kardinal am Samstagnachmittag einen angemessenen Empfang in der vatikanischen Audienzhalle „Aula Paul VI.“ bereiten.

Am Montagmorgen wird es noch eine Sonderaudienz des Papstes für die neuen Kardinäle und ihre Pilgergruppen geben. Dienstag kehrt Reinhard Marx als Kardinal nach München zurück – und wird am Grab des Heiligen Korbinian im Freisinger Mariendom beten. Ohne Korbinian geht nun einmal nichts. Wie auch in Infernetto. Übrigens: Mit der echten Hölle hat diese Bezeichnung nichts zu tun. Das einst bewaldete Gebiet heißt so, weil es dort früher viele Köhlereien gab.

Claudia Möllers

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