Er soll seine Stieftochter getötet haben

19-jährigem Bayern droht in den USA die Todesstrafe

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Der 19-jährige Pascal K. aus Bernau am Chiemsee soll seine 3-jährige Stieftochter vergewaltigt und umgebracht haben.

Bernau/Orlando - Pascal K. wollte in Florida einen Neuanfang wagen. Doch drei Monate nach seinem Umzug wurde er festgenommen. Der Vorwurf lautet Vergewaltigung und Mord - an seiner kleinen Stieftochter.

Der Fall beginnt wie eine deutsch-amerikanische Liebesgeschichte: Der aus Oberbayern stammende Pascal K. lernt die Amerikanerin Emma Liggett schon in Kindheitstagen kennen, als er mit seinen Eltern zu Besuch in Florida ist. Die beiden sind über mehrere Ecken miteinander verwandt. Über die Jahre sehen sich die beiden immer wieder - und bleiben in Kontakt. Als K. im vergangenen August erneut zu Besuch kommt, will er bleiben. Er sei in Deutschland einfach nicht glücklich gewesen, soll er gesagt haben. Die beiden heiraten sogar. Dann stirbt ein Kind. Gewaltsam.

Jetzt sitzt der 19-Jährige im Gefängnis von Orange County und wartet auf einen Prozess, der ihm bei einer Verurteilung lebenslange Haft oder gar die Todesstrafe durch die Giftspritze einbringen könnte - für ein Gewaltverbrechen an seiner drei Jahre alten Stieftochter. Der aus Bernau am Chiemsee stammende K. soll die Tochter Liggetts Ende November vergewaltigt und dadurch getötet haben.

Wechselhaftes Verhältnis zwischen Pascal K. und seiner Stieftochter

Das Verhältnis der kleinen Charlie zum neuen Stiefvater habe fast von Tag zu Tag gewechselt, sagt Liggett der Polizei nach dessen Festnahme. Manchmal habe sie ihn umarmt, an anderen Tagen geweint, weil sie mit K. nicht habe allein gelassen werden wollen. K. habe deutsche Musik gespielt und versucht, dem Mädchen Deutsch beizubringen. „Ich fühle mich krank. Ich will, dass Du bleibst“, soll die Kleine ihrer Mutter einmal gesagt haben. Die jonglierte mit zwei Jobs und musste häufig aus dem Haus.

Leiblicher Vater: „Wenn er verdammt nochmal Hand an meine Tochter legt, werde ich ihn umbringen.“

K. bemüht sich, der Mutter mit Videos zu beweisen, dass ihre Tochter ihn gern hat. Doch schon kurz nach seiner Ankunft im August gibt es Probleme, wie Liggett später der Polizei sagt. „Pascal hat mich gehauen“, soll das Mädchen seiner Mutter eines Tages erzählt haben. Ihr leiblicher Vater, der sich das Sorgerecht für Charlie mit Liggett teilt, soll ihr in einem Telefonat im September gesagt haben: „Wenn er verdammt nochmal Hand an meine Tochter legt, werde ich ihn umbringen. Ich werde Dich umbringen.“

Was genau Ende November geschieht, als K. auf das Mädchen aufpasst, wird nun vor Gericht geklärt werden müssen. K. selbst sagt, er habe im Wohnzimmer gesessen, als Charlie zur Toilette gemusst habe, dann plötzlich vom Bett auf den Boden gefallen sei und sich verletzt habe. Diese Schilderung geht aus Dokumenten der Staatsanwaltschaft hervor.

Genau das war Liggett zufolge allerdings schon zweimal passiert - und bei beiden Stürzen aus etwa einem halben Meter Höhe auf den weichen Teppichboden sei das Mädchen unverletzt geblieben. Unter der Aufsicht von K. erleidet das Mädchen dagegen so schwere Verletzungen, dass es Stunden später im Krankenhaus stirbt. Der behandelnde Arzt erklärt später, dass sie wohl einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf bekommen haben musste.

„Ich habe Deine Tochter verletzt“

Als K. bei den Nachbarn klingelt, um mit deren Handy einen Notruf abzusetzen, ist er Zeugenaussagen zufolge ruhig und lehnt Hilfe ab. „Ich gehe ins Gefängnis“, sagt K. nach Aussagen der Mutter, als die Sanitäter an dem Haus in Orlando eintreffen. „Ich habe Deine Tochter verletzt.“

Bis das Verfahren gegen den 19-Jährigen anläuft, dürften laut Staatsanwaltschaft noch mehrere Monate vergehen. Er ist wegen Mordes sowie vierfachen sexuellen Missbrauchs und Vernachlässigung eines Kindes angeklagt und hat auf nicht schuldig plädiert. Sein Anwalt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Selbst, wenn K. vom Mordvorwurf freigesprochen wird, droht ihm wegen der anderen Punkte eine lebenslange Haftstrafe. 15 Geschworene werden im Gerichtssaal sitzen und über sein Schicksal entscheiden.

Plädiert die Staatsanwaltschaft auf Todesstrafe?

Ob die Staatsanwaltschaft wirklich die Todesstrafe anstrebt, ist noch nicht entschieden. Und selbst wenn es so kommt und einige Juroren für die Hinrichtung des Deutschen plädieren, könnte der zuständige Richter stattdessen eine lebenslange Gefängnisstrafe verhängen. Der Empfehlung der Geschworenen muss dabei große Bedeutung beigemessen werden. Bis der Oberste Gerichtshof der USA über die Hinrichtungspraxis mit Giftspritzen entscheidet, ist ohnehin offen, ob und mit welchen Mitteln Straftäter in Florida in Zukunft exekutiert werden.

dpa

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