Drogen-Durchsuchung im Rosenheimer Nachtleben:

Zwei Geschichten und eine Beschwerde

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Rosenheim - Ein Traunsteiner fühlt sich durch eine Drogen-Durchsuchung "geradezu vergewaltigt". Der 21-Jährige legte deshalb eine Dienstaufsichts-Beschwerde gegen den Zivil-Beamten ein.

Ein 21-jähriger Traunsteiner hat eine Dienstaufsichts-Beschwerde gegen einen Zivilfahnder der Rosenheimer Polizei eingereicht, weil er sich bei einer Durchsuchung nach Drogen ungerecht behandelt fühlte. Wegen eines nicht hinnehmbaren Verhaltens des Polizeibeamten, der mich in aller Öffentlichkeit nackt auszog und meinen Gesäßbereich auf Drogenbesitz untersuchte, erhebe ich Dienstaufsichtsbeschwerde, so Daniel J. in seiner Beschwerde. Doch was war passiert?

Das sagen der 21-Jährige und sein Bruder

Am Abend des 29. August fuhr der 21-jährige Daniel J. - zusammen mit seinem Bruder und einem Freund - nach Rosenheim, um dort in einem Club feiern zu gehen. Auf dem Weg in die Innenstadt sprachen die drei zwei junge Männer an, und fragten sie, wo etwas los sei in der Stadt. "Sie haben zu uns gemeint, dass sie gerade auf dem Weg zu einer Disko seien und uns dorthin mitnehmen könnten", berichtet Daniel J.. Gesagt, getan. Doch am Eingang zur Fußgängerzone, gegen 22.30 Uhr, stieß die Gruppe dann auf zwei Zivilfahnder der Rosenheimer Polizei.

Es folgte eine Personen-Kontrolle. Daniel J.: "Wir mussten unsere Ausweise vorzeigen und dann haben sie unsere Taschen durchsucht." Bei zwei der Männer - dem Freund von Daniel J. und einem der anderen beiden Männer - fanden die Beamten Cannabis. Da sie bei den übrigen drei Männern nicht auf anhieb fündig wurden, unterzogen sie diese einer näheren Untersuchung. Zuerst kam der Bruder von Daniel J. an die Reihe. "Der Beamte hat mich vor die Wahl gestellt, ob ich mich an Ort und Stelle im Intimbereich untersuchen lassen will oder dafür mit auf die Wache fahre. Ich habe dann eingewilligt und gesagt, dass ich keine Lust habe, mit auf das Revier zu fahren", so der 19-Jährige.

Auf offener Straße habe er daraufhin seine Hose, samt Unterhose, ausziehen müssen. "Der Polizist hat mir mit der Taschenlampe ins Gesäß geleuchtet und sogar gemeint, ich solle meine Pobacken auseinanderspreizen", berichtet der Bruder von Daniel J. "Die vorbeigehenden Leute konnten mich mit heruntergelassenen Hosen sehen." Bei ihm wurden dabei keine Drogen gefunden, was auch die Polizei bestätigt.

Anschließend kam Daniel J. an die Reihe. "Mir haben sie nicht gesagt, dass ich die Wahl habe, für die Durchsuchung mit auf die Wache zu fahren. Ich habe mich daher auch geweigert, meine Hose auszuziehen." Wenn, müsse er es selbst machen, habe er zu dem Beamten gesagt. In seiner Dienstaufsichts-Beschwerde schildert er das folgende Geschehen so: Daraufhin öffnete mir der Beamte den Gürtel, zog die Hose und Unterhose herunter, leuchtete mit der Taschenlampe zwischen Hodensack und Oberschenkel und auf mein Gesäß. Währenddessen gingen Passanten vorbei und jeder hat es sehen können. Mein Widerspruch nützte nichts, aber gewehrt habe ich mich nicht, gefunden wurde natürlich nichts. Durch diese Aktion bin ich zutiefst gedemütigt worden, ich fühle mich entehrt, ja geradezu vergewaltigt.

Das sagt die Polizei

Die Polizisten beschreiben die Durchsuchung hingegen etwas anders. "Da bei zwei Männern der Gruppe Stoffe gefunden wurden, die unter das Betäubungsmittel-Gesetz fallen, mussten die Kollegen die anderen drei einer Fein-Durchsuchung unterziehen", erklärt Polizeisprecher Stefan Sonntag. Die Beamten hätten dabei allen drei Männern die Wahl gelassen, diese entweder auf der Dienststelle oder gleich vor Ort durchzuführen. "Der Bruder des 21-Jährigen habe sich daraufhin bereit erklärt, es gleich an Ort und Stelle zu machen", so Sonntag. "Der Beamte ist dann mit dem 19-Jährigen in die Karstadt-Arkaden gegangen (Anmerk. d. Red.: den Innenhof beim Seiteneingang). Dort wurde die Hose geöffnet und der Polizist hat dann mit der Taschenlampe von oben in die Unterhose geleuchtet. Der junge Mann musste dabei nicht die Hosen herunterziehen." Zudem sei der Bereich im Innenhof des Geschäfts nicht von Passanten oder angrenzenden Häusern einsehbar gewesen.

Auch die Durchsuchung von Daniel J. sei gleich abgelaufen, obwohl er sich von Anfang an sehr "aufbrausend und unkooperativ" verhalten habe. Man habe auch ihm die Wahl gelassen, mit auf die Dienststelle zu fahren. "Es macht ja auch keinen Sinn, dass einer die Wahl bekommt und der andere nicht", so Sonntag. Auch bei ihm habe der Beamte lediglich mit seiner Taschenlampe von oben in die geöffnete Hose geleuchtet. Sonntag: "Nach unserer Ansicht gibt es bei dieser Durchsuchung nichts zu beanstanden."

Wie geht es weiter?

Die Dienstaufsichts-Beschwerde von Daniel J. liegt derzeit zur Prüfung bei der Rechtsabteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. "Diese prüft jetzt anhand der Stellungnahmen der beiden Zivil-Polizisten, ob an der Durchsuchung etwas zu beanstanden ist", erklärte der Polizeisprecher. Sollte die Rechtsabteilung zu dem Schluss kommen, dass die Beamten alles richtig gemacht haben, werde man den Fall auch nicht weiter verfolgen. 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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