Russe muss hinter schwedische Gardinen

Rosenheim - Ein 30-jährige Russe musste sich vor Gericht wegen Fahrens unter Drogeneinfluss, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und anderer Vergehen verantworten. Die Quittung: ein Jahr und vier Monate Gefängnis.

Bereits mit 17 Jahren habe er angefangen zu kiffen, so der 30-jährige in Russland geborene und heute in Rosenheim wohnende Angeklagte, der sich vor dem Amtsgericht wegen mehrmaligem Fahrens ohne Fahrerlaubnis und dazu noch unter Drogeneinfluss in Tateinheit mit Unterschlagung sowie wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verantworten hatte. Die Qittung: ein Jahr und vier Monate Kost und Logis auf Staatskosten.

Dem einschlägig vorbestraften Angeklagten wurde vorgeworfen, dass er sich mittels dubioser Geschäfte die finanziellen Mittel für seinen Handel mit Heroin beschafft habe. Eine Drogentherapie, so der Angeklagte auf Nachfrage, habe er zwar angefangen, aber dann abgebrochen. Aus der Vorstrafenliste geht hervor, dass der 30-Jährige bereits einmal wegen Pkw-Unterschlagung verurteilt worden war. Es stand der Vorwurf im Raume, dass er Autos angemietet habe, die dann auf seltsame Art verschwanden. Mit dem "Erlös", so war dem Anklagesatz zu entnehmen, habe er seine Drogengeschäfte finanziert.

Auch im jetzigen Verfahren wurde dem Angeklagten vorgeworfen, er habe bei einem Autovermieter in Rosenheim einen nicht ganz billigen Wagen angemietet beziehungsweise anmieten lassen, der ihm dann angeblich in Ungarn unter kuriosen Umständen "gestohlen" worden sei. Da er selbst keinen Führerschein besaß, beauftragte der 30-Jährige einen Bekannten mit der Anmietung des Fahrzeuges. Für diese "Dienste" erhielt dieser jeweils einen "freien Schuss".

Obwohl die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass der Angeklagte das Auto in Ungarn gewinnbringend veräußert hatte, konnte sie den Beweis dafür nicht erbringen. Aufgrund eigener Recherchen hatte die Rosenheimer Auto-Vermieter-Firma herausgefunden, dass sich der Angeklagte mit seiner Freundin in Heviz/Ungarn in einer Pension eingemietet hatte. Im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens erklärte der ungarische Pensionsvermieter, dass er beobachtet habe wie der Angeklagte die Rosenheimer Autokennzeichen vom Mietfahrzeug abmontiert und sich erkundigt habe wie und wo Vignetten für eine Weiterfahrt in Richtung Bulgarien oder Kroatien zu erhalten seien. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lasse das entsprechende Schlüsse zu.

Etwas anders, aber nicht weniger verwirrend, hört sich die Darstellung des Angeklagten über das seltsame Verschwinden des teuren Mietwagens an. In Ungarn habe er mit dem Wagen, weil er etwas zu tief ins Weinglas geschaut habe, einen kleinen Unfall gebaut und sei in einem Graben gelandet. Da er bekanntlich auch keinen Führerschein besitzt, habe er es unterlassen, die ungarische Polizei zu benachrichtigen. Am nächsten Tag, so die Version des Angeklagten, habe er gehofft, mit ungarischen Helfern das Fahrzeug zu bergen und eventuell reparieren zu lassen. Doch am nächsten Tag war das Fahrzeug nicht mehr da. Nach Meinung des Angeklagten hatten es vermutlich Diebe in der Nacht geklaut.

Geschickt wusste der Verteidiger, der Münchner Rechtsanwalt Bernd Gutowski, einige Zweifel am Vorwurf beziehungsweise an der Darstellung der Staatsanwaltschaft anzubringen. So sei letztlich der Tatnachweis nicht zu führen, wie das Auto tatsächlich "abhanden" gekommen ist. Allein ein abstrakter Verdacht reiche nicht aus und sollte der Angeklagte das Auto gewinnbringend veräußert haben, dann stehe das im Widerspruch zur Tatsache, dass der Angeklagte mit seiner Freundin kurz nach dem Unfall "völlig angebrannt" mit dem Flugzeug über Prag nach München zurückgekehrt sei.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber meinte zwar, dass es wahrscheinlich sei, dass der Angeklagte das Mietfahrzeug bewusst "veräußert" habe, aber da der letzte Beweis nicht geführt werden könne, sei er in diesem Punkt freizusprechen. So blieb es bei der Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten wegen der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Haftfortdauer wurde angeordnet.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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