49-Jähriger wollte Prostitutionsgesetz nutzen

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Rosenheim - Vor dem Schöffengericht in Rosenheim stand ein 49-jähriger Kaufmann, der vor neun Jahren eine Geschäftsidee hatte. Er wollte das Prostitutionsgesetz für sich zu nutzen.

Nachdem 1974 der Kuppelparagraf gestrichen wurde und das Prostitutionsgesetz im Jahre 2002 in Kraft trat, beschloss er, das für sich zu nutzen: Frauen zu finden, die auf diese Weise Geld dazuverdienen wollten und diese mit Freiern zusammenzubringen – das sollte nicht so schwierig sein! In ganz Deutschland annoncierte er und bekam bald weit über 1000 Adressen von Frauen, die zu Liebesdiensten bereit waren.

Wann und wo auch immer eine willige Frau gebraucht wurde, informierte er eine Liebesdienerin aus seiner Kartei und ließ sich 50 Prozent des Liebeslohns als Vermittlungshonorar - natürlich in bar - ausbezahlen.

Dabei hatte er zwei Dinge nicht bedacht: Es gibt in ganz Deutschland eine Vielzahl von Gebieten, in welchen die Ausübung von Prostitution verboten ist. Das sind in Bayern alle Orte, die weniger als 30.000 Einwohner haben. In ganz Südostbayern kommt also nur Rosenheim als Ort der "bezahlten Liebe" in Frage.

Zweitens - und mit empfindlichen Strafen belegt - ist das Bemühen, eine Frau unter 21 Jahren zur Prostitution zu bewegen. Zwar darf eine Frau ab 18 Jahren aus eigenem Antrieb der Prostitution nachgehen; nicht aber dazu aufgefordert werden. Dies würde im Paragraf 232 des Strafgesetzbuchs mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und 15 Jahren bedroht.

Eine anonyme Anzeige führte die Polizei schließlich auf die Spur des Angeklagten. Bei einer Hausdurchsuchung wurde die "Hurenliste" gefunden und nach Verstößen untersucht.

Eine junge Frau aus dem südlichen Landkreis hatte auf eine entsprechende Annonce geantwortet und war daraufhin vom Angeklagten mit Informationen und Freierterminen per SMS versorgt worden. Da sie damals gerade 18 geworden war, fiel ihre Anwerbung unter diesen "Menschenhandel-Paragrafen". Dasselbe traf auf eine 19-Jährige aus Ingolstadt zu, die ebenfalls vor dem Schöffengericht aussagte.

Die Zeugenaussagen ergaben, dass der Mann aus dem Badischen keinerlei Zwang oder Drohungen eingesetzt hatte. Zwar seien die Kontakt-Aufforderungen per SMS lästig gewesen, hätten aber aufgehört, als man selber nicht mehr reagierte.

Der Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab, um eine Strafaussetzung zur Bewährung zu erreichen. Er erklärte, dass er keineswegs absichtlich "unter 21-Jährige" angeworben habe. Er habe nicht gewusst, dass dies strafbar sei. Er hätte sich sonst ganz einfach auf entsprechend ältere Kundschaft beschränkt. Im Übrigen habe er dieses Gewerbe bereits seit Oktober 2010 aufgegeben. Auch sei die Vermittlung inzwischen längst nicht mehr so lukrativ gewesen wie zu Anfang.

Die Staatsanwältin erkannte das Bemühen des Angeklagten an, den Sachverhalt durch sein Geständnis und weitere Informationen aufzuklären. Sie forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren, erklärte aber, dass sie eine Bewährung durchaus für angezeigt halte.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. Margarete Gräfin von Galen, erklärte, dass die eigentliche, strafbewehrte Schuld ihres Mandanten, nämlich unerfahrene Frauen zur Prostitution zu verleiten, äußerst gering sei. Niemals habe er persönlichen Kontakt mit den beiden Frauen aufgenommen. Letztlich hätten diese ihre Entscheidung zur Prostitution völlig freiwillig und eigen bestimmt getroffen. Sie hielt eine Gefängnisstrafe von einem Jahr durchaus für hinreichend.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler befand, dass sich der Angeklagte wirklich am unteren Ende der Strafbarkeit bewegt hatte. Andererseits hatte er das über einen langen Zeitraum und durchaus gewerbsmäßig betrieben. Es verurteilte den Mann zu 20 Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Geld aus den Vermittlungsgeschäften, das man bei ihm gefunden hatte wurde zur Bezahlung einer entsprechenden Geldbuße verrechnet. Richterin Aßbichler beschloss mit ihren Schöffen, dass dieses Geld - immerhin 13.850 Euro - dem Frauenhaus in Rosenheim zugute kommen solle.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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