270-Meter-Brücke über die Wiesn

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München - Noch ein gutes halbes Jahr dauert es bis zum Wiesn-Anstich. Der Aufbau sorgt aber bereits jetzt für abenteuerliche Diskussionen und einen verrückten Vorschlag:

Anwohner fordern erneut, die Theresienwiese während des Aufbaus passierbar zu machen. Das Baureferat der Stadt präsentierte nun einen so kreativen wie kuriosen Vorschlag: Eine Brücke über die Wirtsbuden.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

Seit einigen Jahren ist ein großer Teil der Theresienwiese für den Auf- und Abbau der Bierzelte, Stände und Fahrgeschäfte gesperrt. Dass es damit fast von Juli bis November nicht möglich ist, den Festplatz zu überqueren, stört die Anwohner und den Bezirksausschuss (BA) Schwanthalerhöhe. Deshalb schlugen sie der Stadt vor, die Baustelle zum Aufbau so aufzuteilen, dass sie von Norden und Süden angefahren werden kann und dafür in der Mitte ein Durchgang von Ost nach West frei bleibt. Bisher wird die Baustelle lediglich von einer Seite angefahren und erstreckt sich über die gesamte Länge.

Im zuständigen Referat für Arbeit und Wirtschaft stieß der Vorschlag auf wenig Anklang. „Man muss die Wiesn als Gesamtbaustelle sehen. Da müssen die Fahrzeuge auch hin- und herfahren können“, sagt Referatssprecher Wolfgang Nickl. Der Sicherheit sei Vorrang einzuräumen und eine sichere Querung könne während des Auf- und Abbaus nicht gewährleistet werden.

Immerhin ließ das Referat die Kollegen vom Baureferat prüfen, ob denn eine andere Möglichkeit denkbar sei. Und die warteten mit einer abenteuerlichen Idee auf: Eine Brücke über die Wirtsbuden könnte auf einer Länge von 30 Metern Abhilfe schaffen. Da die Brücke hoch genug über die Baustelle ragen müsste, damit die Bauarbeiten ungestört weitergehen könnten, müssten an beiden Enden Zugangstürme mit Wendeltreppen stehen. Weil das aber wiederum Radfahrer, Gehbehinderte und Menschen mit Kinderwägen benachteiligen würde, wären statt der Zugangstürme auf beiden Seiten Rampen mit maximal sechs Prozent Steigung besser, was pro Rampe eine Länge von 120 Metern erforderlich machen würde. Insgesamt also ein architektonisches Meisterwerk von rund 270 Metern, das allein für die Materialkosten etwa 500 000 Euro verschlingen würde. Die Kosten für Instandhaltung, Arbeitszeit und Baustellensicherung eingerechnet wären insgesamt dann etwa 550 000 Euro nötig.

„Das ist nach unserer Einschätzung keine gangbare und technisch sinnvolle Lösung“, urteilt Nickl deshalb. Auch aus Platzgründen sei vor allem die Rampenlösung praktisch nicht umzusetzen. Aufgrund der erheblichen Kosten und der eingeschränkten Nutzbarkeit sei die Möglichkeit für eine sichere Querung also nicht gegeben, auch wenn der Wunsch der Anwohner nachvollziehbar und verständlich sei.

Beim Vorsitzenden des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe, Ludwig Wörner, sorgten die Rechenspiele des Referats für Kopfschütteln. „Ein toller Vorschlag. Am besten bauen wir noch zwei Lifte dazu und sorgen dafür, dass der Weg beheizt wird“, kommentierte er den Vorschlag süffisant. „Anscheinend hat man in diesem Referat zu viel Zeit und zu viel Geld.“

Das letzte Wort dürfte aber noch nicht gesprochen sein, denn eine Lösung fordert Wörner auf jeden Fall: „Wenn für einen Platz geregelt ist, dass er ganzjährig passierbar sein soll, dann sollte das auch möglich sein.“

Fabian Herrmann

Quelle: Oktoberfest live

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