Derweil verkündet die Firma "neuen Meilenstein"

Das sagt ein Arbeitsrechtler zu den Kathrein-Abfindungen

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Der Rosenheimer Rechtsanwalt Raphael Botor (links) kennt sich aus im Arbeitsrecht. 
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Rosenheim - Am Dienstag berichteten wir, dass die Firma Kathrein über Abfindungen zunächst auf freiwilligen Stellenabbau setzt.

Die Abfindungsmodelle wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Metall erarbeitet. Nun baten wir den Rosenheimer Anwalt Raphael Botor um eine Einschätzung. Botor ist Spezialist für das Fachgebiet Arbeitsrecht und hatte bereits bei der ersten Welle des Stellenabbaus in der Produktion im Jahr 2015 Klienten beraten. 

Höhere Abfindungen als gesetzlich vorgeschrieben

Laut Botor kann man das Angebot von einem Monatsgehalt je Jahr der Betriebszugehörigkeit, bzw. 70 Prozent bei Eintritt in die Transfergesellschaft, durchaus als ansprechend betrachten.  "Gesetzlich ist eine Quote von 0,5, also einem halben Monatsgehalt pro Jahr der Firmenzugehörigkeit, bei einer betriebsbedingten Kündigung vorgeschrieben", so Botor. 

Aus Sicht des Rechtsanwalts macht es durchaus Sinn, über den Eintritt in die Transfergesellschaft nachzudenken. "Der große Vorteil ist das Geld, denn man bekommt ein höheres Einkommen. Bei Arbeitslosengeld I liegt die Quote lediglich bei 60 Prozent des Bruttoeinkommens, hier wären es zehn Prozentpunkte mehr." 

Die privaten Vermittler der Transfergesellschaften seien zudem erfahrungsgemäß weitaus erfolgreicher als die staatlichen Arbeitsagenturen. Der Arbeitnehmer kann Fortbildungen besuchen und muss sich nicht selbst umschauen und bewerben. Je nach Abfindungsregelung bekommt der Arbeitnehmer bei einer raschen Vermittlung außerdem noch einen Bonus.  

Ob sich das Abfindungsangebot für den Arbeitnehmer lohnt, sei jedoch immer im individuellen Fall zu entscheiden, erklärt Botor. Hier spiele etwa das Alter, die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die fachliche Qualifikation eine Rolle. 

Und wie schaut es mit dem Arbeitslosengeld aus, wenn man freiwillig aus der Firma ausscheidet? "Sofern die Arbeitsstelle ersatzlos abgebaut und die Kündigungsschutzfrist eingehalten wird, kann keine Sperre durch die Arbeitsagentur erfolgen. Bei einer Aufhebung des Arbeitsvertrags durch betriebsbedingte Gründe erklärt der Arbeitnehmer lediglich seinen Verzicht auf eine Kündigungsschutzklage", so der Rechtsanwalt. 

Zu den Abfindungsmodalitäten und zum Stellenabbau möchte die Kathrein-Werke KG während der laufenden Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat öffentlich keine Stellungnahme abgeben.

Hauptgebäude in der Klepperstraße als "neuer Meilenstein" 

Derweil verkündete die Firma am Mittwoch jedoch in einer Pressemitteilung einen "neuen Meilenstein" für das Unternehmen. 

In der Pressemeldung geht es um den Standort in der Klepperstraße, der nun das neue Hauptgebäude des Unternehmens ist. Das achtgeschossige Hochhaus wurde innerhalb von rund zwei Jahren von Grund auf saniert und umgebaut.

Zwei der acht Stockwerke sind speziell für Kunden, Geschäftspartner und Delegationsbesuche vorgesehen und entsprechend mit moderner Technik ausgestattet. In ihnen finden Präsentationen, Konferenzen, Empfänge, Workshops, Trainings und Technologievorführungen statt. Im Erdgeschoss wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte ein multifunktionaler Showroom eingeweiht.

Anton Kathrein, CEO, der Kathrein-Gruppe, geht in der Pressemitteilung auf die Sky Lounge im 7. Obergeschoss ein: "Wir freuen uns sehr, eine einzigartige Umgebung für Dialoge und Interaktionen geschaffen zu haben. Vom obersten Stockwerk aus kann man nicht nur das Gebäude sehen, in dem mein Großvater 1919 die Firma gründete, sondern auch unsere laufenden Testbed-Aktivitäten erklären. Vergangenheit und Zukunft sind gewissermaßen vereint."

Quelle: rosenheim24.de

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