Wieder Ärger im Hallenbad

+
Familien bekommen eine kostengünstige Familienkarte, wenn die Kasse besetzt ist und wenn sie danach fragen. Ein Hinweis darauf fehlt. Hinten im Bild ist der Automat zu sehen, an dem die Badegäste jetzt normalerweise ihre Eintrittskarten kaufen sollen.

Rosenheim - Im Januar herrschte Aufregung wegen der angehobenen Bäderpreise. Jetzt gibt es einen Nachschlag:

Die Kasse im Hallenbad ist nur noch stundenweise besetzt, und die von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ausdrücklich zugesagte Familienkarte wird wie eine Geheimsache behandelt. Sie ist im Tarifaushang nicht zu finden.

Die Stadtwerke als Betreiber verweisen die Badegäste seit Anfang März vor allem an einen Automaten. Die kostengünstige Familienkarte, über die im Januar diskutiert wurde, lässt sich dort aber nicht ziehen, weil der Automat nicht entscheiden kann, ob die "Familieneigenschaft" der Badegäste gegeben ist. Dies war mit ein Grund, warum die Stadtwerke sie überhaupt nicht mehr anbieten wollten. In einem Rechenbeispiel hätten Familien mit Kindern über sechs Jahren zehn statt bisher fünf Euro zahlen müssen.

Nach Protesten der SPD verfügte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: Die Familienkarte bleibt. Tatsächlich ist sie nur auf Nachfrage an der Kasse zu erhalten. Wer Bescheid weiß, kann auch über den Rufknopf am Automaten Personal anfordern. Das Kassenpersonal ist weiterhin stets im Haus, übernimmt aber zusätzlich Reinigungsaufgaben.

Manche ältere Menschen sind hilflos im Umgang mit dem Automaten. Ihnen rät Franz Gerthner, bei den Stadtwerken zuständig für die Bäder, das Hallenbad dann zu besuchen, wenn die Kasse besetzt ist. So hat er es auf Nachfrage gegenüber Obürgermeisterin Gabriele Bauer vertreten. Diese zeigte sich von der Neuregelung überrascht und kündigte dem Oberbayerischen Volksblatt gegenüber an, sie werde das Thema umfassend in der nächsten Aufsichtsratssitzung aufrollen. Die Bedürfnisse der Badegäste müssten selbstverständlich an erster Stelle stehen: "Enweder wir sind ein Dienstleistungsunternehmen oder nicht."

Badegast Richard Brückner hat in einem Beschwerdebrief alle Punkte zusammengetragen, die ihn stören. Es beginnt bei der Sorge, dass ältere Menschen mit dem Automaten nicht klarkommen und reicht bis zu umständlichen Lösungen für Saunabenutzer. Diese müssen sich am Automaten einen Punkt abbuchen lassen, dann zum Schwimmmeister gehen und sich den Eintritts-Chip für die Sauna holen. Abgesehen davon, dass dies beim ersten Versuch Brückners nicht funktionierte, meint er: "Ich halte es für umständlich, dass der Saunagast nach dem Duschen mit nassem Körper und nassen Händen noch mit einer Saunakarte und einem Chip hantieren muss." Ältere Personen würden beim Drehkreuz öfter auch die Eintrittskarte falsch herum in den Scanner stecken. Normalerweise helfe dann die "gute Fee" von der Kasse. Andere Badegäste fürchten, ungebetene Besucher könnten unbemerkt über das Drehkreuz springen und die Spinde ausräumen.

Brückner sagt, er habe Verständnis dafür, dass man bei einem durch die Bäder jährlich verursachten Verlust von 1,6 Millionen Euro sparen will. Leider geschehe dies aber an der falschen Stelle. Dies gefährde die Zufriedenheit der Badegäste und damit auch die Einnahmenseite.

Die Frage, in welchem Umfang sich die Stadtwerke Einsparungen versprechen, ließ sich gestern nicht klären. Franz Gerthner war gestern dienstlich unterwegs und nicht erreichbar.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser