Zugunglück bei Bad Aibling - ein Nebenklagevertreter im Interview

"Die Angehörigen haben keine Wut, sie wollen nur Aufklärung"

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Bad Aibling/Traunstein - Am 9. Februar stießen zwei Züge auf der Bahnstrecke Holzkirchen - Rosenheim frontal zusammen. Dabei verloren zwölf Menschen ihr Leben. Ein Anwalt, der die Angehörigen von Verstorbenen vertritt, sprach nun mit mangfall24.de über die Geschehnisse.

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Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat wegen des Bahnunglücks am neunten Februar 2016 im Gemeindegebiet von Bad Aibling Anklage bei dem Landgericht Traunstein gegen den verantwortlichen Fahrdienstleiter erhoben. Ihm wird fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen zur Last gelegt.

Bei dem groß angelegten Prozess treten auch zahlreiche Nebenkläger auf. Wir haben mit Rechtsanwalt Peter Dürr von der Anwaltskanzlei Dr. Herzog Rechtsanwälte in Rosenheim, der die Angehörigen von Verstorbenen als Nebenkläger vertritt, über den Fall gesprochen und Antworten auf einige Fragen bekommen.

Rechtsanwalt Peter Dürr im Gespräch mit mangfall24.de

mangfall24.de: Vielen Dank für Ihre Bereitschaft, uns einige Auskünfte zum Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling zu geben. Wie bereitet man sich als Nebenklagevertreter auf einen solchen Fall vor?

Dürr: Als Nebenklagevertreter haben wir eine gewisse Sonderstellung. Wir können gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Dazu haben wir natürlich Akteneinsicht bekommen. Das waren einige Gigabyte an Akten in elektronischer Form. Die muss man im Vorfeld natürlich durcharbeiten.

Ein Verfahren hat eine gewisse Dynamik. Man kann im Vorfeld nicht genau sagen, wie es sich entwickelt. Spannend ist natürlich, wie sich der Angeklagte verhalten wird. Er hat es ja nicht leicht, da er auf dem Präsentierteller sitzt. Es ist abzuwarten, ob er sich selber äußern wird, ob die Verteidigung eine Erklärung für ihn abgibt oder ob er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen wird.  

mangfall24.de: Um was geht es den Nebenklägern? Welche Fragen stellen sich ihnen?

Dürr: Ich glaube die Interessenslagen sind da sehr unterschiedlich. Viele wollen einfach Aufklärung, wie es zu dem Unglück kam oder wollen sicherstellen, dass so etwas nicht mehr passieren kann. Die meisten wollen dabei nicht in die Öffentlichkeit, sie wollen eben nur Aufklärung. Viele haben keine Wut auf den Fahrdienstleiter.

mangfall24.de: Welche Fragen werden sich in dem Verfahren stellen?

Dürr: Große Bewertung wird sicherlich das Handyspiel haben. Das kann sich auf die Strafzumessung auswirken. Man weiß z.B. nicht, wann der Angeklagte in der Zeile verrutscht ist, hat er da gerade mit dem Handy gespielt. Kann der Angeklagte sich dazu äußern? Will er sich dazu äußern? Das ist eine Frage der Bewertung und Gewichtung.

mangfall24.de: Sehen die Nebenkläger auch die Schuld bei der Deutschen Bahn?

Dürr: Es gibt ja einige Zeugen von der deutschen Bahn. Es ist wirklich erstaunlich, wie rudimentär dort gearbeitet wird. Es ist dort nicht hochtechnisiert. Die Verteidigung kann diese Umstände natürlich mit rein nehmen, ein Fahrdienstleiter ist aber auch angewiesen, dass er die Technik, die ihm vorliegt beherrscht. Das größte Drama ist natürlich, dass der Fahrdienstleiter den Fehler bemerkt hat und einen Notruf abgesetzt hat, dieser aber nicht ankam. 

mangfall24.de: Was bedeutet "Nebenkläger" eigentlich?

Dürr: Die Nebenklage ist ein Recht. Man kann sich jedoch nur bei bestimmten Delikten anschließen, wie beispielsweise vorsätzlicher Körperverletzung. Die Gesetzgebung hat sich dabei gedacht, dass es nicht sein kann, dass man als Geschädigter in ein Verfahren nicht eingreifen kann. Man kann z.B. bei einem Freispruch als Nebenkläger Revision einlegen. Die Strafzumessung kann man jedoch nicht beeinflussen.

Quelle: mangfall24.de

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