Hätte eine Bewährung ausgereicht?

Haft für Fahrdienstleiter: User gespalten über das Urteil 

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Urteilsverkündung Prozess Zugunglück Bad Aibling
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Bad Aibling/Traunstein - Der Prozess gegen den Fahrdienstleiter vom Zugunglück von Bad Aibling ist beendet. Er muss in Haft.

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Das Urteil wird im Netz emotional diskutiert: Viele User halten das Strafmaß von drei Jahren und sechs Monaten Haft für zu hart

Auf der Facebook-Seite von rosenheim24.de dominieren die Stimmen, die meinen, dass der Fahrdienstleiter sowieso schon gestraft genug sei. So etwa An Gi: "Mir tut der Mann leid und auch die Hinterbliebenen. Alle sind bis an ihr Lebensende hart getroffen von diesem Unglück."

Ähnlich äußert sich Monique R.: "Er hat doch eh schon 'lebenslänglich'. Lebenslänglich damit zu leben, diese Menschen auf dem Gewissen zu haben, wegen einem Fehler. Ich denke Bewährung hätte gereicht."

Facebook-Userin An Gi meint, dass auch die Deutsche Bahn eine Mitverantwortung am Zugunglück trägt: "Es gibt so viele Sicherheitssysteme auf dieser Welt, die unabhängig vom Menschen funktionieren würden." 

Ähnlich sieht es Katja R. auf der Facebook-Seite von chiemgau24.de: "Fehler im Job können jedem passieren und es ist von der Bahn unverantwortlich alles auf eine Person zu schieben, nur weil sie zu geizig sind in die Sicherheit zu investieren!"

Ebenso dort Leslie M.: "Sorry, aber meint ihr wirklich bei dem heutigen technischen Fortschritt, dass er alleine dafür verantwortlich? (...) Ich finde es eine Zumutung, dass er als Verantwortlicher hingehängt wird!"

Doch es gibt auch andere Reaktionen im Netz. 

Dagegen argumentiert Ralph Sch.: Der Fahrdienstleiter habe um den mangelhaften Stand der Technik auf der Strecke gewusst, "trotzdem war ihm sein Smartphone wichtiger als seine Arbeit."

Das Argument, dass der Mann selbst gestraft sei, lässt Salome K. bei rosenheim24.de nicht gelten: Er müsse die Konsequenzen tragen. Außerdem: "Die Familien der Opfer sind auch ihr Leben lang gestraft!"

Hermann M. zeigt sich auf der Facebook-Seite von chiemgau24.de enttäuscht über das Urteil: "Das kann doch nicht wahr sein. Viel zu milde für 12 Tote." 

Auf rosenheim24.de verweist User mondy7 auf die Verantwortung des Mannes für die Sicherheit der Zuginsassen: "3,5 Jahre ist äußerst mild. Oder möchten Sie eines Tages in einem Flugzeug sitzen, das vom Boden aus von einem spielsüchtigen Fluglotsen nur so nebenbei geführt wird?"

Für angemessen hält Miki S. das Urteil. Er antwortete direkt auf den Kommentar von Herrmann M: "In erster Linie war das ein Unfall, der durch Fahrlässigkeit begünstigt wurde. Da war kein Vorsatz dabei. Die Haftstrafe ist absolut ausreichend. Von einer höheren Strafe hätte niemand etwas."

Auch auf Twitter wird über das Urteil kontrovers diskutiert: 

Urteilsbegründung von Richter Fuchs

In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs: "Der Angeklagte hätte nur genau hinsehen müssen." Durch das Handyspiel sei er in seiner Konzentration abgelenkt gewesen. "Jeder, der gedanklich in zwei Bereichen unterwegs ist, weiß, dass das die Leistungsfähigkeit in mindestens einem Bereich beeinträchtigt."

Der Angeklagte habe das Regelwerk der Bahn beherrscht, jedoch vorschriftswidrig gehandelt.  "Man kann von Glück sprechen, dass das Unglück an einem Faschingsdienstag war", so Fuchs. Sonst hätte es mehr Opfer geben können. 

mg

Quelle: mangfall24.de

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