Kosten für die Schule in Bad Aibling explodieren!

"Das Richtige ist nicht immer das Günstigste"

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links: So könnte die Schule künftig aussehen (Beispiel Eises anderen Projekts des Architekten) rechts: So sieht die Schule derzeit von Innen aus
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Bad Aibling - Der Stadtrat in der Mangfall-Stadt ist erschüttert: Die Sanierungskosten der St. Georg Grund- und Mittelschule verdreifachen sich. Die Gründe dafür präsentierte jetzt der neue Architekt:

Die Bestürzung im Bad Aiblinger Stadtrat am Dienstagabend war groß. Eigentlich sollte Architekt Wolfgang Obel aus Donauwörth nur einen Vorentwurf für die Sanierung und den teilweisen Neubau der St. Georg Grund- und Mittelschule im Stadtrat vorstellen. Als der Planer allerdings auf die Kosten für die Maßnahme zu sprechen kam, verschlug es so manchem Mitglied im Gremium die Sprache.

Noch vor ziemlich genau einem Jahr bewilligte der Stadtrat einstimmig den Vorentwurf des Architektenbüros Roßteuscher. In der Kostenschätzung ging man damals von 8,5 Mio. Euro aus, die die Stadt für sechs neue Klassenräume, vier Fachräume, Nebenräume, Räume für die Mittagsbetreuung und im Erdgeschoss eine Mensa und eine neue Pausenhalle in die Hand hätte nehmen müssen. Die gesamte Schule sollte barrierefrei gestaltet werden.

Auf Basis des Raumprogramms der Regierung von Oberbayern, einer Richtlinie, die sowohl als Anhaltspunkt für die sinnvolle Ausstattung einer Schule aber auch als Grundlage für die Förderfähigkeit eines Projekts herangezogen wird, überdachte und plante jetzt Wolfgang Obel die Maßnahme. In seiner Kosten-Schätzung schlägt die Sanierung und der teilweise Neubau mit jetzt rund 25 Mio. Euro zu Buche, also rund das Dreifache, wie ursprünglich angedacht. 

Die Gründe für die massive Kostensteigerung

Visualisierung des Architekten - So könnte die neue Aula aussehen

"Die beiden Vorentwürfe sind absolut nicht vergleichbar. Ich bin mir sicher, dass die Aufstellung von Herrn Obel nicht schöngerechnet ist. Eine Aktualisierung wie hier ist für einen Bürgermeister immer schlecht", so Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller am Dienstag. Aus dem Gremium häuften sich jedoch die Stimmen, die den Grund für die immens gestiegenen Kosten erklärt haben wollten. Fragen, denen sich Architekt Wolfgang Obel bereitwillig stellte. In einer Gegenüberstellung mit den Planungen seines Vorgängers stellte er die wichtigsten Unterschiede heraus.

Einzig beim Umbau des Bestandsgebäudes blieb Obel dabei unter den Kostenansätzen des Architektenbüros Roßteuscher. 4,3 Mio. Euro veranschlagt der Planer in diesem Bereich. In allen anderen Punkten liegt die Neuplanung über dem Entwurf des vergangenen Jahres.

  • Erweiterung mit Neubau: 7 Mio. Euro
  • Technische Anlagen/Gebäudeausstattung: 2,3 Mio. Euro
  • Außenanlagen: 1,6 Mio. Euro
  • Ausstattung: 780.000 Euro
Der zweistöckige Mehrzweckraum könnte als Bühne für Aufführungen genutzt werden

Für die Baunebenkosten veranschlagt der Planer rund 20 Prozent der genannten Beträge. Der Neubau einer Turnhalle sei in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt. Somit belaufen sich die Kosten bis hier hin auf 19,8 Mio. Euro.

"Sie tun der Schule aber einen Bärendienst, wenn sie die Sporthalle in der Planung gleich berücksichtigen. Sie hat gravierende Auswirkungen für die Schulhausplanung", so Wolfgang Obel in seiner Betrachtung.

Rechne man abschließend eine 2-Fach-Halle und die Kosten für die Miete von Containern, in die der Unterricht während der Arbeiten ausgelagert werden soll, mit ein, erhalte man eine Gesamtsumme von rund 25 Mio. Euro. Laut Obel beliefen sich die Fördersätze in diesem Fall auf 35 bis 50 Prozent.

"Viele Dinge wurden in der Planung früher nicht enthalten. Betrachtet man alleine die Kosten für die technischen Anlagen, die Baukonstruktion oder beispielsweise die Nebenkosten, dann komme ich schnell auf einen Unterschied von 7,7 Mio. Euro. (...) So ist die Schule für die nächsten 50 Jahre gerüstet. Das Richtige ist nicht immer das Günstigste", so Wolfgang Obel in seiner Betrachtung.

Wie geht es jetzt weiter mit der Grund- und Mittelschule St. Georg in Bad Aibling?

Insgesamt zeigte sich das Gremium mit den Entwürfen des Planers einverstanden. Am Ende stimmten 14 Mitglieder des Stadtrats zu, die Planungen weiterlaufen zu lassen, trotz der knappen Kassen in Bad Aibling. Sieben Stimmen verweigerten die Zustimmung.

Auf Basis des Raumprogramms der Regierung von Oberbayern weise die aktuelle Planung rund 1.000 Quadratmeter mehr nutzbare Fläche in der Schule selbst auf, so Wolfgang Obel abschließend. Zudem sei auch die Aufteilung, im Vergleich zur ursprünglichen Planung, sehr viel transparenter und offener. Die Restflächen auf dem Gelände, die nicht mehr genutzt werden können, habe man minimiert. Statt wie bisher für 17, biete das neue Haus Platz für 24 Klassen.

Visualisierung des Architekten - So könnte die neue Aula aussehen

"Das Schlimmste, was sie machen können, ist über Jahre zu basteln. Wenn sie jetzt die Kosten drücken, wird es sie später einholen", entgegnete Obel auf Nachfragen aus dem Gremium.

Ein kleiner Trost: Laut Wilhelm Bothar, Stadtrat der ÖDP, sei es unwahrscheinlich, dass die Kosten für die Baumaßnahme weiter steigen könnten: "Schließlich ist Herr Obel dafür bekannt, dass die Kosten in 96 Prozent der Fälle eingehalten werden."

Quelle: mangfall24.de

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