Zugunglück bei Bad Aibling

Doch keine Sturmwarnung am Unglückstag?

+
  • schließen

Bad Aibling - Am 9. Februar stießen zwei Züge auf der Bahnstrecke Holzkirchen - Rosenheim frontal zusammen. Dabei verloren zwölf Menschen ihr Leben. Eine angebliche Sturmwarnung für die Region wirft nun immer mehr Fragen auf.

Themenseite:

Am 9. Februar kam es bei Bad Aibling zum folgenschweren Zusammenstoß zweier Meridian-Züge, bei dem zwölf Menschen getötet und mindestens 89 verletzt wurden. Mitte Juli erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fahrdienstleiter, der angeblich durch ein Handyspiel abgelenkt gewesen war. Daraus resultierten wohl die folgenschweren Fehlentscheidungen, die zu dem schrecklichen Unglück geführt haben. Am 10. November beginnt der Prozess

Immer mehr Ungereimtheiten

Dieser dürfte nun mit Spannung erwartet werden, da sich immer mehr Ungereimtheiten auftun. Wie kürzlich aus einer kleinen Anfrage einiger Abgeordneter vom 8. April bezüglich der Leit- und Sicherungstechnik zwischen Bad Aibling und Kolbermoor an den deutschen Bundestag bekannt wurde, soll es am Unglückstag eine Sturmwarnung gegeben haben. Diese Warnung sei der Grund für die außerplanmäßige Kreuzung der Züge in Bad Aibling gewesen, heißt es in der Antwort des deutschen Bundestages: "Bekannt ist, dass im Zusammenhang mit einer Sturmwarnung am Unfalltag eine ursprünglich in Kolbermoor vorgesehene Zugkreuzung in Bad Aibling stattfinden sollte."

Keine Sturmwarnung laut Deutschem Wetterdienst

Wie ein Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes auf Anfrage von mangfall24.de mitteilte, habe es am 9. Februar, dem Unglückstag, für die Region Rosenheim keine Sturmwarnung gegeben. Lediglich für die Hochlagen der Alpen oberhalb von 1.000 Metern habe eine Unwetterwarnung vorgelegen. "Auch am 8. Februar gab es nur in den Bergen eine Unwetterwarnung", so der Sprecher. 

Er verwies in dieser Sache jedoch auf seine Kollegen der Niederlassung München, da diese detailliertere Wettermeldungen für die Region Rosenheim hätten. Auf erneute Nachfrage bei der Niederlassung München erhielten wir folgende Antwort: "Mit Hinweis auf das laufende Verfahren gibt der Deutsche Wetterdienst in dieser Angelegenheit keine Auskünfte."

Das sagt die Fliegerstaffel der Bundespolizei 

Nach dem Zugunglück wurden sämtliche Rettungshubschrauber der Region und dem benachbarten Österreich nach Bad Aibling beordert. Wurden diese Rettungseinsätze aufgrund einer Sturmwarnung beeinträchtigt? 

Ein Sprecher der Bundespolizei-Fliegerstaffel erklärte auf Nachfrage von mangfall24.de, es gebe bei Hubschraubereinsätzen bestimmte Regularien, die vorgeben, welche Wetterbedingungen bei einem Einsatz vorherrschen müssen. "In der Regel ruft jeder Pilot über das Internetvor einem Einsatz die Wetterbedingungen über ihrem Einsatzgebiet ab. Die Piloten bekommen vom Deutschen Wetterdienst immer ein Wetter-Briefing vor ihrem Flug. Sollte die Zeit dafür nicht reichen, funkt der Pilot den Tower an, der dann die Wetterinformationen beim Deutschen Wetterdienst für ihn einholt. Letztendlich hat der Pilot aber selber die Entscheidungsgewalt, ob er den Einsatz durchführt oder abbricht." 

Auf die Frage hin, ob am Tag des Zugunglücks eine Sturmwarnung vorlag, konnte der Sprecher nichts sagen, da er die Wettermeldungen für diesen Tag nicht im Kopf habe. Er konnte jedoch bestätigen, dass seines Wissens nach alle Einsätze am 9. Februar geflogen wurden und dass er sich nicht erinnern könne, dass es an diesem Tag sturmartige Witterungsverhältnisse gegeben habe.

Bringt der Gerichtsprozess Klarheit?

Der Prozess, der am 10. November gegen den Fahrdienstleiter beginnt, wird mit Spannung erwartet. Nicht nur, um die Schuldfrage zu klären, sondern eben auch, was es mit der Aussage des deutschen Bundestages auf sich hat. Gab es diese Sturmwarnung tatsächlich? Und hatte diese Einfluss auf das Geschehene

Der Sonnenaufgang am 9. Februar über dem Chiemsee. Der Zeitstempel der digitalen Aufnahme beweist, dass das Bild nur wenige Minuten nach dem Zugunglück aufgenommen wurde.

Auch ein Bild unseres Chefredakteurs Martin Vodermair, der am 9. Februar noch unwissend ob der schrecklichen Tragödie in Bad Aibling den Sonnenaufgang am Chiemsee festhielt, lässt an der Aussage des Bundestags zweifeln... 

Quelle: mangfall24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser