Mehr als die Hälfte hält Bahn-Service für schlecht

+
Bahnfahren ist kein günstiges Vergnügen. Und speziell mit Schwarzfahrern geht das Unternehmen hart ins Gericht. Aber wehe, wenn man als - noch dazu langjähriger - Kunde einmal ein Entgegenkommen erwartet.
  • schließen

Bad Aibling - Mehr als die Hälfte unserer User hält den Service der Bahn für schlecht (Stand: 18.30 Uhr). Wie sind ihre Erfahrungen - diskutieren Sie mit!

Seit zehn Jahren pendelt Brigitte M. (Name geändert) von Bad Aibling nach München. Geärgert hat sie sich in dieser Zeit schon oft über die Bahn. Was sie aber in dieser Woche erlebt hat, übertrifft alles Bisherige.

Früher hatte die Angestellte ihre Tickets jeweils vor Fahrtantritt gegen 6 Uhr morgens am Automaten gelöst. Als dieser einmal ausgefallen war und der Schalter in der Bahnhofshalle noch geschlossen hatte, musste sie ohne Karte in den Zug steigen - und wurde prompt des Schwarzfahrens bezichtigt.

Auch das Barbezahlen hat seinen guten Grund. Einmal war Brigitte M. erkrankt und konnte nicht zur Arbeit nach München fahren. Als sie um Rückerstattung ihres nicht genutzten Tickets bat, hieß es am Schalter: Das gehe nicht. Eine Erstattung der Kosten sei nach einer EC-Karten-Zahlung nicht möglich. Brigitte M. blieb auf ihren Kosten sitzen.

"Ich dachte, mich kann nach diesen Erlebnissen eigentlich nichts mehr aus der Ruhe bringen", sagt Brigitte M. Doch sie sollte sich irren. Am vergangenen Dienstag erlebte die Regierungsangestellte eine neue Steigerung an Kundenunfreundlichkeit. In der Nacht von Montag auf Dienstag hatte die Aiblingerin Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen bekommen und nicht schlafen können. Am Morgen fühlte sie sich hundeelend und fuhr statt zur Arbeit zum Arzt.

Auf dem Weg zu dessen Praxis machte Brigitte M. gegen 8.15 Uhr auch am Bad Aiblinger Bahnhof Halt. Sie wollte am Schalter ihr für diesen Tag nicht genutztes Ticket zurückgeben und ihre bereits gezahlten 20 Euro erstattet bekommen.

Aber Fehlanzeige. Sie sei für eine Rückgabe viel zu spät dran, erklärte ihr die Dame am Bahnhof. Schließlich hätte die Pendlerin ihr Ticket ja seit Mitternacht nutzen können! Dass der erste Zug in Richtung München erst kurz vor 6 Uhr morgens abfährt, dass Brigitte M. am Montagabend noch nicht einschätzen konnte, ob sie am folgenden Morgen arbeitsfähig sein würde - diese Einwände ließ die Schalter-Mitarbeiterin nicht gelten.

Zumal die Sache, so stellte sich mit der Dauer des Gesprächs heraus, noch weitaus komplizierter war. Die 20 Euro, so die Aussage der Service-Mitarbeiterin am Schalter, würden Brigitte M. ohnehin nicht ausbezahlt, weil davon ja die für eine Rückerstattung nötige Verwaltungsgebühr von 15 Euro abgezogen werden müsse. Maximal könnte M. also noch fünf Euro bekommen - aber auch nur, falls die Bahn sich kulant zeige.

Diese Kulanz aber wiederum gelte es erst zu beantragen. Brigitte M. bekam dafür ein Formular ausgehändigt, das sie ausgefüllt an die Abteilung "Kundendialog" der DB Fernverkehr AG in Bamberg schicken solle. Darin anzugeben waren unter anderem Adresse, Telefonnummer, Bankverbindung und Kreditkartennummer. "Warum müssen Sie das alles wissen?", fragte M., Schulterzucken bei ihrem Gegenüber. Eine Antwort erhielt sie nicht.

Eine Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen bei der Pressestelle der DB Mobility Logistics AG ergab, dass Brigitte M. in Bad Aibling - zumindest teilweise - falsch informiert wurde. Der Fahrpreis abzüglich der Verwaltungsgebühr von 15 Euro - also fünf Euro - würden ihr in jedem Fall zustehen, Kulanz hin oder her.

Aber der Weg zu diesen fünf Euro ist bei der Bahn kein einfacher. Die in diesem Fall entscheidende Bestimmung liest sich als "Unterpunkt 4.1.1" in den Beförderungsbedingungen der Bahn folgendermaßen: "Ab dem ersten Geltungstag einer Fahrkarte wird, wenn diese nicht oder nur teilweise zur Fahrt benutzt wurde, der Preis bzw. der Unterschiedsbetrag zwischen dem gezahlten Preis und dem Normalpreis für die in der jeweils benutzten Produkt- und Wagenklasse zurückgelegte Strecke unter Abzug eines Bearbeitungsentgelts in Höhe von 15 Euro erstattet."

Dazu muss Brigitte M., so steht es unter Punkt 4.3.2, ihre Fahrkarte und das korrekt ausgefüllte Antragsformular an den Schalter zurückbringen. Selbstverständlich gibt es auch hier noch einen Pferdefuß: "In dem Antragsformular ist die Nichtbenutzung oder nur teilweise Benutzung der Fahrkarte durch geeignete Nachweise glaubhaft zu machen."

Brigitte M. ist das Ganze jetzt zu dumm geworden. Sie gibt den Kampf um ihre fünf Euro auf. Zumal sie mit dem Schalterpersonal in Bad Aibling immer ein gutes Verhältnis gehabt habe, berichtet sie. Allerdings wird die Bahn in Zukunft nun auch nicht mehr auf ihre Kulanz hoffen dürfen. Zum Beispiel, wenn im Regionalzug mal wieder kein Erster-Klasse-Wagen angehängt ist und die Bad Aiblingerin somit mal wieder zu viel für ihre Fahrkarte bezahlt hat.

Stefanie Zipfer (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser