Pilot mit Laserpointer von Bad Aibling aus geblendet

Pilot: "Es wird kurz hell, dann sieht man nichts mehr"

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Bad Aibling - Am 5. Oktober meldete der Pilot eines südafrikanischen Flugzeugs, er wurde von einem Laserpointer aus dem westlichen Stadtbereich von Bad Aibling aus geblendet. 

Wie die Piloten einer südafrikanischen Maschine mitteilten, waren sie am Abend des 5. Oktober um genau 21.48 Uhr vom Boden aus durch einen Lichtstrahl - vermutlich eines Laserpointers - auf ihrem Flug von München nach Johannisburg geblendet und dabei zumindest irritiert worden. Die Ermittlungen in diesem Fall übernahm die Kriminalpolizei. Als "Tatort" wurde das westliche Stadtgebiet von Bad Aibling errechnet.

Nun hat ein Pilot einer großen Fluggesellschaft mit uns über die Vorfälle gesprochen:

"Ich habe das selber schon mehrfach erlebt"

"Am gefährlichsten ist es, im Start- oder Landeanflug geblendet zu werden", so der Pilot im Gespräch mit mangfall24.de. "Beim Start und der Landung fliegt man manuell, weswegen es gerade dann auch so gefährlich ist, wenn man einfach kurze Zeit nichts mehr sieht. Ich habe auch persönlich noch nie davon gehört, dass ein Flugzeug im Reiseflug geblendet wurde. Hierzu müsste man ein hochpräzises Stativ aufstellen und die Lichtbrechung etc. berechnen, um dann wirklich zu treffen. Das von Bad Aibling aus geblendete Flugzeug dürfte sich in etwa in drei Kilometern Höhe befunden haben."

Er selbst sei schon mehrmals geblendet worden. "Geblendet wird man nur nachts. Die Augen haben sich dann an die Dunkelheit gewöhnt, dann wird es auf einmal kurz hell. Ein Blenden kann dann zu kurzer Erblindung führen. Ich habe auch schon von Kollegen gehört, die nach einem solchen Vorfall einige Wochen krank geschrieben waren.

Besteht Gefahr für die Passagiere?

"Da man meist von der Seite und nicht von vorne geblendet wird, ist die Gefahr, dass Pilot und erster Offizier gleichzeitig geblendet werden, relativ gering. Der andere kann jederzeit eingreifen und gegebenenfalls den Start oder die Landung übernehmen", so der Pilot. Er habe selber noch nie davon gehört, dass etwas gravierenderes passiert sei.

Blenden muss unverzüglich gemeldet werden

"Wird man geblendet, muss man den Vorfall unverzüglich dem Fluglotsen melden. Am besten mit Angaben, wo der Laserstrahl herkam, so sind die Chancen, den Täter zu finden größer. Der Fluglotse gibt das dann an die Polizei weiter" 

Warum blendet man ein Flugzeug?

Zu den Beweggründen der Täter äußerte sich der Pilot dahingehend, dass er der Meinung sei, dass nur ein ganz geringer Teil bewusst Schaden anrichten wolle. "Dem Großteil ist meines Erachtens nicht bewusst, dass das als schwerer Eingriff in die Luftfahrt gewertet werde. Mir ist das z.B. schon in Griechenland auf einer Ferieninsel passiert. Das sind dann oftmals betrunkene Jungs. Was aber auch schon vorkam ist, dass Leute, die in einem Flughafengebiet wohnen, mit einem Laservermessungsgerät den Abstand des Flugzeugs zum Boden messen, um zu überprüfen, ob das Flugzeug in der zugelassenen Höhe fliegt." 

Stellungnahme des Luftfahrt-Bundesamtes

Laut eigener Aussage besteht seit Ende Oktober 2009 für deutsche Luftfahrtunternehmen eine Meldepflicht von Laser-Attacken an das Luftfahrt-Bundesamt. Für ausländische Luftfahrtunternehmen besteht bei Attacken im deutschen Luftraum derzeit noch keine Meldepflicht. Das Luftfahrt-Bundesamt hat zu dem Thema bereits entsprechende Rundschreiben an die Luftfahrtunternehmen herausgegeben.

Weiter sei auf die bereits bestehenden Gesetze zu verweisen, wonach unter anderem in einem Ring von 1,5 Kilometern um Flugplätze herum die Nutzung von Scheinwerfern oder „optischen Lichtsignalgeräten, insbesondere Lasergeräte“ verboten sind.

Die Gefahr liegt darin, dass die Piloten 

a) geblendet werden, nichts mehr sehen und die Instrumente im Cockpit nicht mehr bedienen können (was besonders gefährlich bei Start oder Landung ist) 

b) schwere gesundheitliche Schäden auftreten können.

Zahlen

Dem Luftfahrt-Bundesamt wurden im Jahr 2015 insgesamt 234 Laser-Attacken auf Luftfahrzeuge deutscher Luftfahrtunternehmen gemeldet. Davon ereigneten sich 156 in Deutschland. Davon waren wiederum in 19 Fällen Hubschrauber betroffen. Zum Vergleich: im Jahr 2014 wurden insgesamt 303 Laser-Attacken auf Luftfahrzeuge deutscher Luftfahrtunternehmen gemeldet. 186 davon ereigneten sich in Deutschland. Davon waren wiederum in 27 Fällen Hubschrauber betroffen.

Keine neuen Erkenntnisse im Fall von Bad Aibling

Wie Pressesprecher Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, gebe es in dem Fall von Bad Aibling derzeit keine neuen Erkenntnisse. Die Ermittler hoffen weiterhin auf Informationen aus der Bevölkerung. "Wenn jemand in der Vergangenheit etwas auffälliges beobachtet hat, soll er sich bitte mit der Polizei in Verbindung setzen. Wir gehen davon aus, dass der Täter nicht zum ersten Mal mit einem Laserpointer hantierte", so Sonntag.

Zeugen werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim unter der Telefonnummer (08031) 2000 zu melden.

Quelle: mangfall24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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