Prozessbeginn um das Zugunglück bei Bad Aibling

Hätte die Kollision vermieden werden können?

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Bad Aibling/Traunstein - Am 10. November beginnt der Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling. Der Fahrdienstleiter ist wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt.

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Beim Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge auf eingleisiger Strecke waren am 9. Februar in Bad Aibling zwölf Menschen ums Leben gekommen. 89 Insassen wurden verletzt. Mitte Juli erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fahrdienstleiter. Ihm wird fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vorgeworfen.

Handyspiel über längere Zeit gespielt

Der Fahrdienstleiter, der am Unglückstag den Zugverkehr auf der eingleisigen Strecke zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Heufeld zu regeln hatte, dabei insbesondere den Kreuzungsverkehr von sich begegnenden Zügen, soll über längere Zeit durch ein Online-Computerspiel von dessen Arbeit abgelenkt gewesen sein. Das spielen von Handyspielen ist laut Dienstanweisung verboten.

Falsche Annahme, die Züge sollten sich in Bad Aibling kreuzen

Der Fahrdienstleiter soll nach Überzeugung der Anklagebehörde der Meinung gewesen sein, dass beide Züge in Bad Aibling kreuzen sollten. Laut Fahrplan jedoch in Kolbermoor. In Folge dessen soll er dem aus Rosenheim kommenden Zug das Signal für freie Einfahrt in den Bahnhof Kolbermoor und gleichzeitig freie Ausfahrt in Richtung Bad Aibling gegeben haben. Dem Gegenzug aus Richtung Holzkirchen soll er durch zweimalige Betätigung des Sondersignals Zs 1 freie Fahrt für die Ausfahrt aus den Bahnhöfen Bad Aibling und Bad Aibling Kurpark gegeben haben. Technische Schutzvorrichtungen soll er dadurch außer Funktion gesetzt haben

Falsche Taste für den Notruf

Nachdem der Angeklagte bemerkt hatte, dass er beiden Zügen auf eingleisiger Strecke freie Fahrt gegeben hatte, soll er zwei Notrufe über das Mobilfunknetz der Bahn abgegeben haben. Die Notrufe konnten die Triebfahrzeugführer jedoch nicht erreichen, da der Angeschuldigte eine fasche Taste drückte. Die Notrufe waren nur für das Streckenpersonal zu hören. Die Kollision hätte nach Überzeugung der Saatsanwaltschaft vermieden werden können, wenn der erste Notruf richtig abgesetzt worden wäre. Der zweite Notruf wurde abgesetzt, nachdem die Züge bereits kollidiert waren.

Da sich die beiden Züge in einer Kurve befanden, bestand erst im letzten Moment Sichtkontakt der beiden Lockführer. Eine eingeleitete Schnellbremsung beider Triebwerkführer konnte die Kollision jedoch nicht mehr verhindern.

Folgender Ablauf für die Verhandlung ist geplant

  • Donnerstag, 10. November: Einlassung des Angeklagten; zwei Polizeibeamten als Zeugen.
  • Montag, 14. November: 10 Zeugen, überwiegend Personen, die bei der Bahn tätig sind. Zudem: Ein Zeuge der Handyspielefirma.
  • Montag, 14. und Montag, 21. November: Ein Sachverständiger zur Funksituation auf dem Streckenabschnitt, an dem es zum Unfall kam.
  • Montag, 21. November: Rechtsmedizin und technischer Sachverständiger.
  • Montag, 28. November: IT- und neuropsychologischer Sachverständiger.

Wir berichten für Sie live aus dem Gerichtssaal

Quelle: mangfall24.de

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