Zugunglück Bad Aibling - Fahrdienstleiter festgenommen

U-Haft das falsche Mittel? Das sagt ein Experte 

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Bad Aibling - Der Fahrdienstleiter hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft bis kurz vor dem Zugunglück ein Handyspiel gespielt. Wir haben mit einem Experten für Strafrecht über die möglichen Folgen für den Fahrdienstleiter gesprochen.

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Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein hat das Amtsgericht Rosenheim am Montag Untersuchungshaft gegen den beschuldigten Fahrdienstleiter wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr angeordnet

Wie am Mittwoch bekannt wurde, gibt es nun ein zwölftes Todesopfer

Der Fahrdienstleiter soll während seiner Schicht abgelenkt gewesen sein - von einem Online-Computerspiel auf seinem Handy. 

Das sagt der Strafrechtsexperte

Wir haben mit Rechtsanwalt und Strafrechtsexperten Dr. jur. Marc Herzog von der Rosenheimer Kanzlei Dr. Herzog Rechtsanwälte über die möglichen juristischen Folgen für den Fahrdienstleiter auf Grund dieser neuen Erkenntnis gesprochen: 

Allgemein, ohne die Akten zu kennen, äußerte sich Dr. Herzog zu der Sachlage dahingehend, dass hier zwar eine neue Erkenntnis vorläge, diese juristisch jedoch nichts verändere. "Die Delikte haben sich nicht geändert. Es war fahrlässiges Handeln. Der Strafrahmen bei fahrlässiger Körperverletzung liegt bei bis zu zwei Jahren Haft, bei fahrlässiger Tötung bei bis zu fünf Jahren Haft. Das Spielen eines Computerspiels führt hier zu einer erhöhten Pflichtwidrigkeit, die bei der Strafzumessung eine Rolle spielen könnte." Das Gericht müsse die Strafe im Rahmen der Schuld beurteilen. "Bei der Strafzumessung könnte die Schuld nun höher bewertet werden", so Dr. Herzog weiter.

U-Haft das falsche Mittel?

Der Rechtsanwalt sagt zur Anordnung der Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten: "Ich kenne die Akten nicht, aber bei allgemeiner Betrachtung des Falles verstehe ich nicht, warum er in U-Haft genommen wurde. Man braucht dazu einen Haftgrund, wie z.B. Flucht- oder Verdunklungsgefahr, die hier höchstwahrscheinlich nicht besteht. Meines Erachtens ist die Untersuchungshaft schlichtweg falsch. Der Mann und dessen Familie sind schon gestraft genug."

Auf unsere Frage hin, wie es bei Suizidgefahr aussieht, erklärte Dr. Herzog, dass eine Untersuchungshaft in diesem Falle das falsche Mittel und juristisch nicht haltbar sei. Der Fahrdienstleiter müsse in diesem Fall in einer Klinik unter ärztlicher Aufsicht untergebracht werden.

Beschuldigter wohl bis zum Prozess in U-Haft

Nach Einschätzung des Strafrechtsexperten wird der Fahrdienstleiter aber wohl bis zum Prozess in Haft bleiben müssen. "Als Anwalt kann man eine Haftprüfung versuchen, diese würde aber wahrscheinlich nichts ändern", so Dr. Herzog abschließend.

Quelle: mangfall24.de

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