"Der Zirkus hat es hier schwer"

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Löst immer wieder Begeisterung aus: Die bezaubernde Pferdeschau im Zirkus Kaiser. Fotos

Rosenheim - "Der Zirkus hat es in Deutschland besonders schwer", ist sich Alex Kaiser sicher. Der Zirkusdirektor gastiert derzeit mit seinem Familienunternehmen in Rosenheim

Überwiegend stellt er sein Zelt mittlerweile im Ausland auf, in diesem Jahr macht er erst zum zweiten Mal Station in Deutschland. Mit gutem Grund, wie Kaiser meint: "Normalerweise bilden sich vor meiner Kasse lange Warteschlangen. Hierzulande bleibt das Zelt oftmals fast leer." Schuld daran seien die Stadtverwaltungen: "Immer mehr lehnen uns ab oder weisen uns schlechte Plätze zu." Rosenheim sei da keine Ausnahme.

Jetzt hat der Familienzirkus Kaiser seine Zelte gleich hinter dem Citydome neben dem Parkhaus aufgeschlagen. Die Wohnwagen stehen auf einem ungeteerten und unebenen Platz. Der Weg durch große Wasserpfützen ist derzeit für die Mitglieder des Familienzirkus an der Tagesordnung.

Ein herber Gegensatz zu den Bedingungen der vergangenen Zirkusstation. Die befand sich mitten in Innsbruck. Alex Kaiser hat Fotos gemacht, die zeigen, wie sich dort das Zirkusleben gestaltet. "Wir bekamen eine viel größere Fläche zum Aufbauen. Alles wirkte eindrucksvoller und wesentlich sauberer. Es ist wie in vielen anderen Dingen des Lebens auch: Das Auge isst mit", meint der 33-Jährige und zeigt ein Foto aus Innsbruck. Es zeigt eine dichtgedrängte Menschenmenge, die sich vor den Eingang seines Zeltes drängt.

Akrobatik de luxe...

Ganz anders die Situation in Rosenheim. Bei den ersten Auftritten blieb das Zelt fast leer. "Darum komme ich schon fast gar nicht mehr nach Deutschland", so der Zirkusdirektor. Er würde sich eine bessere Zusammenarbeit mit den deutschen Stadtverwaltungen wünschen: "Viele haben Angst vor den schwarze Schafen in unserem Gewerbe. Die gibt es tatsächlich. Aber die finden sich auch in anderen Berufen."

Der Zirkus Kaiser kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon vor fast 300 Jahren reisten Mitglieder der Familie durch die Lande und traten als Gaukler auf Jahrmärkten auf. Vieles habe sich mit den Jahren geändert, erzählt Kaiser. "Ich bemerke seit drei Jahren wieder einen deutlichen Aufschwung."

Er setzt bei seinem Programm auf "alte Zirkusschule". Artisten und Domteure sind ausschließlich Familienmitglieder. Alle werden in die Vorführung miteinbezogen, auch die vier Kinder des Zirkusdirektors. Die siebenjährige Alica verzaubert die Zuschauer als liebreizende Zirkusprinzessin und tritt als gelenkiges "Schlangenmädchen" auf. Die Buben sorgen mit Clownerie für humorvolle Beiträge.

...und Clownerien.

Für einen eher kleinen Zirkus staunen die Besucher aber über sehr hohe akrobatische Leistungen. Einige Nummern hätten durchaus beim Zirkusfestival in Monaco Chancen, eine Auszeichnung zu bekommen. Darauf ist Alex Kaiser besonders stolz: "Wir waren auch schon öfter in Monaco dabei. Wir wollen unseren Zuschauern gute Unterhaltung bieten."

Nicht verzichten will Kaiser auf seine 40 Tiere, darunter Kamele, Pferde, Ziegen und Hunde. Auch wenn er weiß, das Tierhaltung in Zirkusunternehmen immer wieder zu Diskussionen führt. Für ihn ist ein Programm ohne Tiervorführungen undenkbar. "Einige Zirkusse haben das ja schon probiert und hatten ein böses Erwachen. Die Zuschauer blieben ganz weg." Wichtig sei es, die Tiere gut zu halten. Sein Zirkus sei in dieser Hinsicht schon mehrmals ausgezeichnet worden.

Urlaub oder Wochenende kennen Zirkusleute nicht. "Auch wenn wir einmal nicht auftreten, die Tiere müssen immer versorgt werden", erklärt Kaiser. Leicht sei diese Art zu leben nicht. Doch ein anderes Leben könnten sich er und seine Familie nicht vorstellen: "In wenigen Wochen fahren wir in unser Winterquartier nach München. Es dauert dann nicht lange und wir werden alle ganz kribbelig. Wir brauchen eben den Applaus des Publikums."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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