Drogenprozess: Das Urteil ist gefallen

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Der frühere THW-Funktionär wurde vom Altöttinger Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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Altötting - Ein ehemaliger THW-Funktionär ist am Montag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Warum es keine höhere Strafe gab: **NEU: Fotos**

Wegen Drogenhandel, nicht aber wegen der Einfuhr von Drogen hat das Schöffengericht Altötting am Montag, 1. Juli, einen früheren Ortsgruppenleiter des THW zu einer Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt. Außerdem muss der Angeklagte 2000 Euro an die Fachabteilung für Suchtkranke in Altötting zahlen.

Wer war der Drogenlieferant?

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Der Vorwurf der Einfuhr, der letztlich nicht bewiesen werden konnte, hätte dem Angeklagten zum Verhängnis werden können. Falls sich der Vorwurf bestätigt hätte, wäre "der Spielraum für eine Bewährungsstrafe bei Null gewesen", wie Richter Dieter Wüst in seiner Urteilsbegründung erklärte. Dabei hätte der Ex-THW-Funktionär sogar mit einer noch niedrigeren Strafe davonkommen können. Dann nämlich, wenn er seinen Drogenlieferanten genannt hätte.

Die Anklage war davon ausgegangen, der frühere Ortsgruppenleiter habe in einem Fall Marihuana in nicht geringer Menge und in zehn Fällen Amphetamine in geringer Menge von einem befreundeten Österreicher erworben. Die Amphetamine soll er an seinen damaligen stellvertreter beim Altöttinger THW weitergegeben und das Marihuana gemeinsam mit diesem an eine dritte Person verkauft haben.

Angeklagter nennt seinen Lieferanten nicht

Während der Angeklagte den Drogenhandel in sechs der elf Fälle einräumte, bestritt er die Einfuhr der Suchtmittel. Dies hatte der Ex-Ortsgruppenleiter bereits als Zeuge bei einem früheren Prozess in Österreich ausgesagt. Seiner Ankündigung von damals, vor dem Amtsgericht Altötting seinen tatsächlichen, seiner Aussage nach deutschen Lieferanten zu nennen, ließ er jedoch keine Taten folgen. Dabei wäre genau das nicht nur "die spannende Frage" gewesen, wie Richter Wüst es ausdrückte. Es hätte die Strafe auch "in den Jahresbereich" drücken können, wie Wüst erklärte.

Da aber der vermeintliche Lieferant aus Österreich die Aussage des Angeklagten bestätigte, wurde der Vorwurf der Einfuhr - ebenso wie der Vorwurf des Drogenhandels in fünf Fällen - aus der Anklage gestrichen.

Angeklagter benutzte THW-Mannschaftsbus

Schon im letzten Jahr standen der frühere Ortsgruppenleiter und sein Stellvertreter vor Gericht. Während der Stellvertreter damals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, war das Verfahren gegen den früheren Ortschef vertagt worden, weil sein Anwalt das Mandat niedergelegt hatte.

Der Prozess hatte damals aufgrund des Ehrenamts der beiden hohe Wellen geschlagen. Wie jetzt deutlich wurde haben die früheren THW-Funktionäre auf dem Weg zu ihren Marihuana-Deal über wenige Kilometer einen Mannschaftsbus des THW als Transportfahrzeug benutzt. THW-Uniformen oder -Anzüge haben sie allerdings nicht getragen. Der frühere stellvertretende Ortsvorsitzende räumte im Zeugenstand lediglich ein, an seinem Anzug eine Anstecknadel des THW getragen zu haben.

Nichtsdestotrotz habe der Angeklagte das THW "in Misskredit gebracht" und den Mitgliedern des Hilfswerks "pauschal geschadet", wie Richter Wüst erklärte.

THW-Geschäftsführer verlangt Entschuldigung

Klaus Labitzke, als Geschäftsführer der THW-Geschäftsstelle Mühldorf auch für die Altöttinger Ortsgruppe zuständig, hatte den Prozess am Montagvormittag verfolgt. Von dem derzeit suspendierten früheren Altöttinger Ortsgruppenleiter verlangt Labitzke nicht nur eine Entschuldigung. "Ich bitte ihn, dass er selber seinen Dienst quittiert. Wenn nichts kommt, werde ich beantragen, dass er entlassen wird - unehrenhaft."

Für die Ortsgruppe Altötting bedeutete der Verlust des Leiters und seines Stellvertreters auch einen Kompetenzverlust. Die gute Kameradschaft, insbesondere der Ortsgruppen Simbach, Mühldorf und Eggenfelden, sei für die Altöttinger eine große Unterstützung gewesen, erklärte Labitzke.

Für den Geschäftsführer ist es nun aber auch an der Zeit, nach vorne zu blicken. Am Samstag, 14. September, findet in Altötting ein Tag der offenen Tür des THW statt. Dabei werde der Ortsverband zeigen, "dass er stark ist".

Ehemaliger THW-Funktionär verurteilt

Quelle: innsalzach24.de

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