Prozess am Amtsgericht Altötting

Missbrauch an Vierjähriger: Vater macht DNA-Test

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Altötting - Ein 39-Jähriger musste sich vor Gericht wegen sexuellen Missbrauchs an einem Mädchen verantworten. Seine Schwägerin nahm ihn in Schutz und klagte die Eltern an.

UPDATE 16.50 Uhr: Schwägerin des Angeklagten teilt gegen Eltern aus

Ein kleines Rätsel ist gegenwärtig noch, dass an der Kleidung des Mädchens Spuren gefunden wurden, die nicht dem Angeklagten zugeordnet werden konnten. Der Vater des Mädchens sagte soeben vor Gericht aus und erklärte sich dazu bereit, eine DNA-Probe abzugeben. Zuvor hatte der Vater im Zeugenstand ähnliche Angaben gemacht wie die Mutter des Mädchens. So hatte er den Vorwurf zurückgewiesen, auf die Tochter Einfluss genommen zu haben. "Wie hätte ich meine Tochter beeinflussen sollen?", hatte der Zeuge gefragt.

Dem Bruder des Angeklagten zufolge soll der Vater gesagt haben, er habe den Angeklagten angezeigt, weil er ihn nicht möge. Ein Vorwurf, den der Zeuge ebenfalls entschieden von sich gewiesen hatte.

Als letzte Zeugin wurde die Schwägerin des Angeklagten gehört. Diese erklärte, sie könne sich nicht vorstellen, dass der Angeklagte das Mädchen angefasst habe. So habe er 16 Jahre lang seine Stieftochter großgezogen. Die Eltern des Mädchen ließ die Zeugin hingegen in einem schlechten Licht erscheinen. So berichtete die Frau von Streitereien und häuslicher Gewalt.

Am Ende des Verhandlungstags traf der Vater wieder bei Gericht ein. Zuvor hatte er bei der Polizei eine DNA-Probe abgegeben, die nun am Institut für Rechtsmedizin untersucht werden soll. Es ist denkbar, dass der Vater mit der Kleidung des Mädchens in Berührung gekommen war und so Spuren hinterlassen hatte. Die Expertin am Institut für Rechtsmedizin braucht laut Richter Wüst rund zwei Wochen für die Erstellung des Gutachtens. Es ist also ein weiterer Verhandlungstag erforderlich. Dieser wurde auf Mittwoch, den 17. Dezember, gelegt. Auf Antrag der Verteidigung soll dann auch der Bruder des Angeklagten gehört werden.

Die Hauptverhandlung ist nun wieder unterbrochen und wird am 17. Dezember fortgesetzt.

Update 15.40 Uhr: Die Mutter äußert sich

Am Montagnachmittag wurde die Verhandlung gegen den 39-Jährigen fortgesetzt. Zuerst wurde die Mutter der heute Fünfjährigen als Zeugin gehört. Die Mutter war nach eigener aussage am Tag der mutmaßlichen Tat mit ihren beiden Kindern im Garten. Als der Angeklagte sein Werkzeug, mit dem er die Schaukel zu reparieren versucht hatte, in seine Garage zurückgebracht habe, sei ihre Tochter ihm gefolgt. "Ich habe meiner Tochter mindestens fünf mal hinterhergerufen, dass sie nicht dorthin gehen soll", so die Mutter. Sie habe sie aber nicht aufhalten können, weil sie auch noch auf ihren Sohn habe aufpassen musste. Nach ein paar Minuten sei ihre Tochter zurückgekehrt. "Sie hat mein rechtes Bein umklammert und gesagt, sie möchte nicht mehr spielen, sie möchte ins Haus gehen."

Insgesamt will die Mutter in den darauffolgenden Stunden eine deutliche Veränderung der Stimmung ihrer Tochter bemerkt haben. Sie sei verärgert gewesen, habe geweint und habe beim Abendessen kaum etwas angerührt. Der Angeklagte ist der Mutter nach eigener Aussage begegnet, als sie mit ihren Kindern ins Haus gehen wollte. Dabei sollen die Hände des Angeklagten gezittert haben. Mehrere Stunden später, vor dem Zubettgehen, hat die Mutter ihre Tochter gewaschen und wollte sie wickeln. Dabei sei ihr aufgefallen, dass der Intimbereich gerötet und entzündet gewesen sei, so die Zeugin.

Mittag nach dem Kindergarten hatte sie ihre Tochter umgezogen und dabei sei ihr noch nichts aufgefallen, erklärte die Mutter. Sie habe ihre Tochter gefragt, was los sei, und - nach mehrfachem Nachfragen - habe ihre Tochter gesagt, dass der Angeklagte ihr den Finger in die Unterhose gesteckt, sie an den Haaren gezogen und gesagt habe, sie sei ein böses Mädchen.

Nach Angaben der Zeugin, die im Zeugenstand immer wieder mit den Tränen zu kämpfen hatte, hat das Mädchen noch heute mit dem Vorfall zu kämpfen. Sie habe Angst, wenn sie die Stimme des Angeklagten höre, und sei in psychologischer Behandlung. Einige Zeit habe das Mädchen außerdem ins Bett gemacht.

Richter Dieter Wüst hakte mehrfach nach, inwieweit die Mutter ihre Tochter in deren Aussage beeinflusst haben konnte. Auf Nachfrage erklärte die Zeugin, sie habe, als ihre Tochter den Angeklagten beschuldigt habe, gefragt, ob das wirklich passiert sei. Zum Abschluss der Aussage der Frau fragte Wüst: "Das, was sie gesagt haben, ist die Wahrheit?" Eine Frage, die die Zeugin entschieden bejahte.

Vorbericht:

Ein 39-Jähriger aus dem Landkreis Altötting muss sich am Montag vor dem Schöffengericht des Altöttinger Amtsgerichts wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Der Angeklagte soll ein heute fünfjähriges Mädchen in seiner Garage missbraucht haben. Vor über einem Jahr wollte der heute 39-Jährige bei seinen Nachbarn eine Schaukel reparieren. Als er in seiner Garage Werkzeug holen wollte, soll ihm die damals erst vier Jahre alte Tochter seiner Nachbarn gefolgt sein. Laut Anklage soll der Mann das Mädchen am Kopf festgehalten und heftig an der Scheide berührt haben.

Angeklagter schweigt vor Gericht

Vor Gericht schwieg der 39-Jährige bislang zu den Vorwürfen. Gegen den Angeklagten sprechen gleich zwei Gutachten, die die Verletzungen des Mädchens - Hämatome und Rötungen im Genitalbereich - auf massive Gewalteinwirkung zurückführen. Zudem soll die heute Fünfjährige am Abend nach dem Vorfall ihrer Mutter gesagt haben, dass der 39-Jährige für ihre Verletzungen verantwortlich sei.

Das Schöffengericht um Richter Dieter Wüst muss sich im Prozess auch mit der Frage beschäftigen, wie glaubhaft die Aussage des Mädchens ist. So gilt es zu prüfen, ob die Eltern ihr Kind beeinflusst haben. Vater und Mutter sollen deshalb am Montag vor Gericht als Zeugen gehört werden. Auch das Urteil könnte bereits am Montag fallen.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © Picture Alliance / dpa

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