Karibik-Tragödie: "So ein schönes Paar"

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Sosua/Altötting - Tatort Karibik: Er tötete sein Kind, seine Frau, seine Tiere, sich selbst. Wie konnte es zur Tragödie um eine Burghauser Familie kommen? Nachbarn erinnern sich.

Video-Berichte zum Fall:

Youtube-Video örtliches Medium "Al Maximo"

Youtube-Video Sosuaonline

Hinweis der Redaktion: Beide Videos aus den Lokalnachrichten der Dom. Rep. enthalten Bilder von Gewalt.

Am Dienstag (27. September 2011) hat ein Service-Mitarbeiter des Hotels Casa Linda in Sosúa (Dominikanische Republik) die Leichen der Familie in deren Hotelzimmer entdeckt: eine Frau und ein Mädchen, die tot im Bett liegen, und einen Mann, der sich im Badezimmer erhängt hat. Laut der örtlichen Polizei handelt es sich bei dem Toten um Roman B. (31), die Tote ist seine venezolanische Frau Rosmery (29), das Mädchen die gemeinsame Tochter Nathalie (9).  Neben dem Mädchen im Bett lagen die Haustiere der Familie, ebenfalls tot.

Dominikanischen Medienberichten zufolge hat ein medizinischer Gutachter bestätigt, dass Frau, Kind und Tiere bereits am Sonntag verstorben sein sollen, Roman B. aber erst in der Nacht auf Dienstag. Zusammen mit der Information, er habe am Montag im Baumarkt ein Seil gekauft, und seinen hinterlassenen Zeilen muss laut Polizei davon ausgegangen werden, dass der 30-Jährige erst seine Familie und dann sich selbst getötet hat. In einem Brief soll er sich zu finanziellen Problemen geäußert und die Großmutter seiner Frau um Verzeihung gebeten haben. Angeblich soll das Paar eine Villa mit 60.000 Dollar angezahlt, dann aber die Restzahlung von 390.000 Dollar nicht geleistet haben.

Nachbarn aus Sosua erzählen außerdem, dass es zwischen Roman B. und der venezolanischen Familie seiner Frau auch heftigen Streit gegeben habe. Der Zwist sei das beherrschende Gesprächsthema der letzten Tage gewesen.

Der Tote hat einen goldenen Chopard-Ring im Wert von rund 4000 US-Dollar sowie eine Cartier-Uhr und Bargeld im Wert von rund 2.000 Euro hinterlassen. Roman B. verfügte, dass mit dem Erlös der Wertgegenstände die Beerdigung der Familie bezahlt werden solle.

"Ständig kamen Mahnungen"

Familie B. lebte seit etwa zwei Monaten in Sosúa (Dominikanische Republik). Roman B. ist gebürtiger Altöttinger, seine Familie stammt aber eigentlich aus Burghausen. Bis Ende 2010 wohnte der Netzwerk-Manager mit Frau und Tochter in einer Doppelhaushälfte in Mühldorf am Inn. Nach Informationen des Mühldorfer Anzeigers meldete sich die Familie im Einwohnermeldeamt ab ohne Angabe einer neuen Wohnadresse. Bis zum Sommer galt die Familie zeitweise als verschollen. Sie lebte möglicherweise in Venezuela bei der Familie von Roman B.s Frau.

Die Nachbarin aus dem Mühldorfer Doppelhaus beschreibt die Familie gegenüber innsalzach24.de als sehr zurückhaltend: "Man hat sie kaum mitbekommen." Die Mühldorferin äußerte die Vermutung, dass die Familie schon in Deutschland finanzielle Probleme gehabt haben könnte: "Ich habe mitbekommen, dass sie ihr Auto verkauft haben, obwohl es noch nicht abbezahlt war. Und als sie dann ausgezogen waren, kamen ständig bestellte Sachen, einmal sogar ein Fernseher. Und Mahnungen kamen auch sehr viele."

Tragödie in der Jugend - immer Geldprobleme

In Burghausen erinnert sich eine Nachbarin von Roman B.s Vater an die Familie: "Roman und seine Frau waren so ein schönes Paar. Sie war eine sehr hübsche Frau und so nett." Freundlich und fröhlich sei auch Roman B. gewesen. Doch habe er schon immer dazu geneigt, über seine Verhältnisse zu leben. Der Netzwerkmanager stammt von einem Burghauser Bauernhof, der vor rund 20 Jahren zwei Mal von Bränden heimgesucht worde. Ein Erlebnis mit einigen unangenehmen Begleitumständen, an denen der junge Mann zu leiden hatte und die seine Familie auseinanderbrechen ließen. Zu seiner Mutter habe er, so die Nachbarin, kaum Kontakt gehabt. Zum Vater habe er hingegen eine sehr enge Bindung. Sie sollen sogar zusammen gearbeitet haben.

Das Auswärtige Amt informiert

Auf Anfrage von Innsalzach24 erklärt das Auswärtige Amt in Berlin die Vorgehensweise bei einem Todesfall im Ausland: Die Behörden am Ort des Geschehens informieren das Auswärtige Amt, das wiederum setzt sich mit der Polizei bei der Familie in Verbindung und die Beamten informieren die Angehörigen. "In besonders spektakulären Fällen kommt es auch vor, dass die Familie durch die Medien vom Todesfall erfahren", so Theresa Schönfeld vom Auswärtigen Amt. Ob der Leichnam dann ins Heimatland überführt oder vor Ort bestattet wird, obliegt den Angehörigen. Wenn ein Verbrechen vorliegt, wie im Falle von Roman B., muss die örtliche Polizei den Leichnam dafür erstmal freigeben. Zum konkreten Fall konnte die Behörde aber keine Auskunft geben.

re/ds/hon

Quelle: innsalzach24.de

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