Ihr Gewerbe steht auf der Kippe

Natalie Hot: So lief die Demo vor dem Rathaus

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Ampfing - Pornosternchen Natalie Hot demonstrierte gemeinsam mit Freunden vor dem Ampfinger Rathaus für mehr Freizügigkeit. Warum ihr Gewerbe dennoch auf der Kippe steht: **MIT VIDEO**

Am Anfang stand ein Ausraster: Eine wütende Nachbarin verlor am Freitagabend kurzzeitig offenbar völlig die Beherrschung, durchschlug das Glas in der Haustüre von Natalie Hot und verletzte sich dabei selbst. Grund für den Ärger der Nachbarin: Natalie Hot, die lange in Waldkraiburg lebte und erst seit ein paar Monaten in Ampfing wohnt, ist ein Pornosternchen und zeigt sich unter anderem daheim vor der Webcam. Als die Nachbarin ein Stöhnen aus dem Haus vernahm, sind ihr "die Sicherungen durchgebrannt", wie sie selbst sagte.

"Pornodarsteller sind keine Verbrecher"

Natalie Hot im Interview mit innsalzach24.de (zum Vergrößern Bild anklicken)

Die 22-jährige Pornodarstellerin ging daraufhin am Dienstagabend in die Offensive. Gegen 18.15 Uhr marschierte Natalie gemeinsam mit etwa einem Dutzend Freunden, darunter mehrere Darsteller-Kolleginnen, vor dem Ampfinger Rathaus auf. Die Demonstranten hielten Transparente hoch mit Sprüchen wie "Pornodarsteller sind keine Verbrecher", "Wir sind nicht anders wie ihr" oder "Pornostars haben auch Kinder". Im Interview mit innsalzach24.de sagte Natalie: "Man muss die Leute ja irgendwann mal aufmerksam machen, dass wir keine Unmenschen sind. Viele von uns haben auch Kinder. Und wir tun ja keinem was Böses."

Neben einigen Medienvertretern hatten sich vor Ort auch ein paar Dutzend Schaulustige versammelt - alt wie jung. Vereinzelt gab es Gelächter, manch einer machte mit seinem Smartphone ein Foto von der Szenerie.

Nachbar demonstriert mit Natalie

Die Stimmung in der Nachbarschaft von Natalie Hot, die im Ampfing zur Miete wohnt, ist offenbar gemischt. Die Nachbarin, die den Anschlag auf sie verübt habe, sei nicht als einzige gegen sie. "Andere Nachbarn sammeln ja Unterschriften gegen mich. Die wollen mir mein Gewerbe verbieten", so Natalie.

Andere sind allerdings auf der Seite der 22-Jährigen. Nachbar Fabrice, der selbst mit der Pornobranche nichts zu tun hat, hat am Dienstagabend sogar gemeinsam mit der 22-Jährigen und deren Freunden demonstriert. "Ich sehe das nicht als Problem", so Fabrice gegenüber innsalzach24.de. Der Nachbar fühlt sich von Natalie nicht gestört. "Ich habe drei Meter bis zu meinem Nachbarn, oder vier Meter. Mehr ist es wirklich nicht. Und ich habe noch nie was gehört, habe noch nie was gesehen." Dass man Gestöhne oder ähnliches hört, ist für Fabrice "Humbug". "Wenn die da wirklich, wie andere Nachbarn das gesagt haben, dass die da im Garten angeblich Pornos drehen, dann wäre ich natürlich dagegen."

Die Demo von Natalie Hot im Ampfing

Bürgermeister ist sichtlich amüsiert

Die Heimarbeit von Natalie steht dennoch auf der Kippe. Am Dienstag war die 22-Jährige Thema im Gemeinderat. Für ihre Arbeit als Webcam-Girl müsste sie aus einem ihrer Zimmer ein "Darstellungs- und Schaustellereizimmer" machen. Dafür ist die Zustimmung des Gemeinderats erforderlich.

In die Sitzung um 19 Uhr waren Natalie und ihre Freunde sowie zahlreiche Ampfinger Bürger gekommen. Bürgermeister Ottmar Wimmer musste angesichts des Andrangs schmunzeln, machte mit seinem Handy sogar ein Foto vom Sitzungssaal. "So eine große Zahl haben wir, glaube ich, vor 20 Jahren das letzte Mal gehabt", sagte Wimmer.

Gemeinderat sagt einstimmig Nein

In der anschließenden Sitzung hatte der Bürgermeister schlechte Nachrichten für Natalie Hot. Sie wohnt in einem allgemeinen Wohngebiet und der Bebauungsplan schließt Gewerbe jeglicher Art dort ausdrücklich aus. Eine Ausnahme müsste der Gemeinderat billigen - darf dies aber nur dann, wenn dem die Interessen der Nachbarn nicht entgegenstehen. Wie Wimmer erläuterte, sind offenbar nicht alle direkten Anwohner mit dem Gewerbe der 22-Jährigen einverstanden. Zudem wurden in der weitläufigeren Nachbarschaft Unterschriften gegen Natalies Tätigkeit gesammelt. Dem Vorschlag der Verwaltung, der Nutzungsänderung das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen, stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Natalie Hot gibt nicht auf

Gleich nach dem Votum verließen Natalie und ihre Begleiter - genau wie die meisten anderen Zuhörer - den Sitzungssaal. Aufgeben will Natalie noch nicht. "Ich lasse mich so nicht abspeisen", sagte die 22-Jährige gegenüber innsalzach24.de. Gegen das Votum des Gemeinderats wolle sie Einspruch einlegen.

Text und Video: bla; Fotos: timebreak21

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © timebreak21

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