Lebensbedrohliche Verletzungen

Angeklagter Einbrecher gesteht Angriff mit Messer

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Der Angeklagte (v.) gestand den Messerangriff.

Memmingen - Bei einem Wohnungseinbruch bei Günzburg verletzte der Einbrecher den Bewohner lebensbedrohlich. Der Angeklagte legte vor Gericht zumindest ein Teilgeständnis ab.

Es war sein erster Einbruchsversuch - und der endete mit einer Bluttat. Vor etwas mehr als einem Jahr stieg in Schwaben der junge Mann in ein Einfamilienhaus ein und stach den Hausbewohner nieder, als ihn dieser auf frischer Tat überrascht hatte. Das Opfer wurde lebensbedrohlich verletzt. Nun muss sich der 21 Jahre alte Täter wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Memmingen verantworten.

Nachdem der Angeklagte bei der Kripo noch zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, sagte er am Donnerstag vor Gericht umfassend aus. Den Einbruch und die Stiche gab er zu, allerdings machte er quasi das Opfer für dessen schwere Verletzungen selbst verantwortlich. Der Familienvater sei auf ihn losgegangen, habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen und festhalten wollen, rechtfertigte sich der 21-Jährige. „Ich habe mich eben gewehrt.“ Dabei habe er nur mit der Beute abhauen wollen.

Informationen aus dem Darknet

Ansonsten bestätigte der junge Mann weitgehend die Ermittlungen der Kripo. Demnach war der 21-Jährige Mitte Dezember 2015 in Kötz (Landkreis Günzburg) nachts in das Haus in der Nähe seiner Wohnung eingestiegen. Grund dafür seien Geldprobleme gewesen. Er sei depressiv und drogensüchtig gewesen und habe Schulden gehabt, führte der Angeklagte aus.

Deswegen hatte er sich in den Wochen vor der Tat im sogenannten Darknet - dem anonymen Bereich des Internets, in dem sich oft Kriminelle austauschen - über Einbrüche informiert. Zudem kaufte er Einbruchswerkzeug und unternahm Erkundungsfahrten. Der Mann suchte in einem größeren Bereich, der bis Friedrichshafen am Bodensee reichte, nach lohnenden Einbruchsobjekten.

Angeklagter: „Ich wollte den Mann nicht töten“

Schließlich hebelte der Mann ein Fenster auf und stieg ins Büro des Hauses im Erdgeschoss ein. Die fünf Familienmitglieder waren schon im Bett. Doch die Großmutter, die direkt im Zimmer daneben schlief, hörte den Täter und weckte ihren Schwiegersohn im ersten Stock. Der 58-Jährige sagte als Zeuge aus, dass er kurz in das Büro gegangen sei und den maskierten Einbrecher angebrüllt habe: „Hau ab!“

Der Familienvater schaute kurz, ob ein zweiter Täter im Haus ist. Dann ging er ins Büro zurück. Es kam zum Kampf in dem etwa zehn Quadratmeter großen Raum. „Ich wollte ihn so schnell wie möglich vertreiben“, sagte der Hausbesitzer. Er habe Angst um seinen jugendlichen Sohn gehabt, der ebenfalls im Erdgeschoss schlief. Die Wunde habe er erst später entdeckt, als der Einbrecher weg war.

Der Mann kam damals ins Krankenhaus und wurde sofort notoperiert. Erst am nächsten Tag sei ihm klar geworden, wie knapp er dem Tode entronnen sei, sagte er. Der 58-Jährige leidet bis heute an der Tat und musste wegen seiner seelischen Probleme den Beruf als Finanzberater aufgeben.

Der 21-Jährige sagte, er könne sich nicht mehr daran erinnern, wie es zu den Stichen mit seinem Dolch mit etwa 15 Zentimeter langer Klinge kam. „Es ging alles so schnell.“ Die Auseinandersetzung habe nur zwei, drei Sekunden gedauert. Er betonte: „Ich wollte den Mann nicht töten.“ Der Vorsitzende Richter Jürgen Hasler äußerte allerdings Zweifel an dieser Darstellung. Ein Stich, der die schweren inneren Verletzungen des Opfers verursachte, sei ziemlich heftig gewesen. Der 21-Jährige beteuerte dennoch, er habe gar nicht gemerkt, dass der Mann verletzt gewesen sei.

Die Polizei fand den Täter in Düsseldorf

Der 21-Jährige flüchtete unterdessen mit einem praktisch wertlosen Handy als Beute und mit einem älteren Laptop im Wert von etwa 100 Euro. Die Kripo bildete eine Sonderkommission und hatte bald den jungen Mann aus der Nachbarschaft im Visier. Dieser war aber untergetaucht und hatte sich eine Wohnung in Düsseldorf gemietet. Drei Monate nach der Tat wurde der Verdächtige in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt von einer Sondereinheit der Polizei schließlich festgenommen.

Da der Angeklagte bei der Tat erst 20 Jahre alt und somit heranwachsend war, findet der Prozess vor der Jugendkammer statt. Die Richter müssen entscheiden, ob der junge Mann nach Erwachsenenrecht oder Jugendrecht zu betrafen ist. Die Kammer hat drei Verhandlungstage eingeplant, das Urteil ist für den 9. Februar geplant.

Die 24 Jahre alte Freundin des Mannes ist in dem Prozess mitangeklagt. Ihr wird Beihilfe zum Wohnungseinbruch vorgeworfen, weil sie mit zum Tatort gefahren sei. Die Frau äußerte sich zu Beginn des Prozesses zu den Vorwürfen nicht.

dpa/lby

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