Vom Schulabbrecher zum Auszubildenden

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Sergen (Zweiter von rechts), hier mit Verkaufsleiter Gerhard Stelzl (links) und Marktleiter Guido Möller, beginnt im August seine Verkäufer-Ausbildung im Netto-Markt am Salinplatz. Der Discounter gibt schon seit Jahren immer wieder Praktikanten aus dem Berufsintegrationsjahr eine Chance. Alexander Luthner (rechts), Sozialpädagoge vom Verein „Pro Arbeit“, freut sich mit seinem Schützling über dessen Start ins Berufsleben.

Rosenheim - Betül und Sergen haben es geschafft: Durch die Unterstützung von "Pro Arbeit" haben beide einen Ausbildungsplatz in der Tasche! Ihr Weg zum Erfolg:

„Alleine hätte ich das nicht geschafft.“ soviel steht sowohl für Betül Korkmaz (15) als auch für Sergen Cengiz (16) fest.

 Gemeinsam mit rund 40 Jugendlichen haben die beiden Schüler ein Berufsintegrationsjahr in kooperativer Form (BIJ/k) an der Berufsschule I in Rosenheim absolviert. Und dank der intensiven sozialpädagogischen Begleitung durch den Verein „Pro Arbeit“ haben beide nun einen Ausbildungsvertrag in der Tasche: Betül zur Kauffrau im Einzelhandel beim Handelskonzern Rewe, Sergen lernt beim Discounter Netto zunächst Verkäufer. Der 16-jährige peilt aber ebenfalls den Abschluss als Einzelhandelskaufmann an: „Ich will unbedingt ins dritte Ausbildungsjahr.“

Durch Fachrichtungen zum Traumberuf

Seit 2009 werden Jugendliche, die ihre Regelschulzeit zwar erfüllt haben aber ohne Ausbildungsplatz dastehen, im BIJ/k an den Berufsschulen im Landkreis an die Arbeitswelt herangeführt und können dort außerdem den Hauptschulabschluss nachholen. „Pro Arbeit“ betreut dabei als Kooperationspartner in Bad Aibling sowie an den Rosenheimer Berufsschulen derzeit insgesamt fünf Klassen mit verschiedenen Fachrichtungen wie Nahrungsmittel/ Gastronomie/ Verkauf, Friseur/ Handwerk , Metalltechnik und Wirtschaft.

Ein Konzept mit Erfolgsgarantie

Diese Vollzeitmaßnahme, die vom Landkreis Rosenheim und dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird, eröffnet den jungen Menschen neue Perspektiven. Darüber hinaus können die Jugendlichen, oftmals mit ausländischen Wurzeln, mit gezielter Förderung ihre Deutschkenntnisse verbessern und an ihrer Ausbildungsreife „arbeiten“.

Mit deutlichem Erfolg: Am Ende des BIJ/k haben erfahrungsgemäß weit mehr als die Hälfte der Teilnehmer eine Ausbildungsstelle gefunden, wie Stephanie Thullen erklärt. Sie und ihr Kollege Alexander Luthner kümmern sich in enger Zusammenarbeit mit den Lehrern um die BIJ/k-Schüler an der Berufsschule 1. - Und stoßen dabei auf so manche Defizite, etwa was Pünktlichkeit, tägliches Erscheinen im Unterricht oder beim Praktikum, oder Selbstständigkeit anbelangt.

Sergen hat die Chance genutzt: Er war nach der achten Klasse ohne Abschluss von der Hauptschule abgegangen. Seinen ursprünglichen Berufswunsch Lagerist hatte er noch während der Schulzeit verworfen; denn bei diversen Praktika hatte er festgestellt, dass ihm der Umgang mit Kunden mehr liege. Ohne Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsplatz und dem Zusammenstellen von Bewerbungen wäre er aber sicherlich gescheitert. „Meinen Ausbildungsplatz habe ich ,Pro Arbeit' zu verdanken.“, ist er fest überzeugt.

Betül startet bei Rewe durch:

Und auch für Betül - sie und Sergen sind zwei der ganz wenigen, die den Praktikumsplatz seit Schuljahresbeginn nicht gewechselt haben – waren die Tipps und die Rückendeckung seitens der „Pro Arbeit“- Mitarbeiter Gold wert. Die Hauptschülerin war mit dem Quali ins BIJ/k gestartet, ohne konkrete Pläne in punkto Berufswahl zu haben. Irgendetwas im Einzelhandel schwebte ihr vor. Inzwischen arbeitet sie im Rewe-Markt in der Hofmillerstraße und hat sichtlich Freude am Umgang mit den Kunden. „Betül ist bei uns schon voll integriert.“, ist Marktmanager Klaus Michalke ganz angetan von seiner angehenden Auszubildenden. Er hat in der Vergangenheit immer wieder gute Erfahrungen mit Jugendlichen aus dem BIJ/k gemacht. Denn dank des Langzeitpraktikums – einer langen Probezeit sozusagen - lasse sich auf beiden Seiten ein böses Erwachen vermeiden. Die Jugendlichen können den angepeilten Beruf ausprobieren und erste Erfahrungen sammeln. Den Betrieben bietet sich die Möglichkeit, potenzielle Auszubildende über einen längeren Zeitraum hinweg kennenzulernen. „In einem Jahr sieht man mehr als in vier Wochen.“, verdeutlicht Michalke, was sich letztlich auch für die Jugendlichen auszahle: Rund 80 Prozent der Auszubildenden würden dort übernommen.

Sergen ist nun stolzer Mitarbeiter bei Netto:

Ganz ähnlich geht es Netto Marken-Discount: So unterstützt der Discounter junge Menschen bereits seit vielen Jahren erfolgreich dabei, sich beruflich zu orientieren. „Wir geben Jugendlichen mit diesen Orientierungsphasen die Chance, verschiedene Berufsbilder kennen zu lernen. Sergen Cengiz hat dank intensiver Betreuung seitens Pro Arbeit und unserer Filial-Mitarbeiter diese Chance genutzt. Aus diesem Grund haben wir ihm gerne einen Ausbildungsplatz angeboten und somit eine Basis für seine berufliche Zukunft gelegt“, so Christina Stylianou, Pressesprecherin des Unternehmens.

Weitere Informationen zum Berufsintegrationsjahr sowie das Anmeldeformular gibt es im Internet unter www.berufsschulen-landkreis-rosenheim.de.

PRO ARBEIT ROSENHEIM

Quelle: rosenheim24.de

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