Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahl: Stärkster Rückgang seit drei Jahren

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Mai weiter gesunken, und zwar so deutlich wie seit Jahren nicht mehr. Doch die Wirtschaft warnt vor zu viel Euphorie.

Die Frühjahrsbelebung hat die Zahl der Arbeitslosen in Bayern im Mai erneut sinken lassen. Mit 246 300 Jobsuchern waren es fast 13 300 oder 5,1 Prozent weniger als im April, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 3,5 Prozent zurück. Arbeitsministerin Emilia Müller und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (beide CSU) sehen das Land „auf Kurs in Richtung Vollbeschäftigung“.

Hauptgrund für den Rückgang war der Frühjahrsaufschwung. Mit Ende des Winters stellen Betriebe etwa auf dem Bau, in der Landwirtschaft und Gastronomie verstärkt Mitarbeiter ein. „Das milde Wetter hat sich bereits in den vorherigen Monaten positiv auf die Entwicklung des bayerischen Arbeitsmarktes ausgewirkt“, sagte Klaus Beier, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion.

"Das Frühjahr war überdurchschnittlich gut"

Auch der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung vbw, Bertram Brossardt, sagte: „Das Frühjahr war überdurchschnittlich gut.“ Viele Unternehmen hätten aufgrund der guten Auftragslage geplante Einstellungen vorgezogen. Die Arbeitslosigkeit sei in den ersten Monaten des Jahres deutlicher zurückgegangen als sonst.

Ebbt der wirtschaftliche Aufschwung schon bald wieder ab?

Nach Angaben Beiers blicken die Firmen auch optimistisch auf das nächste halbe Jahr. Brossardt warnte dennoch vor Euphorie: „Wie lange der exportorientierten bayerischen Wirtschaft der schwache Eurokurs, die niedrigen Zinsen und der gesunkene Ölpreis noch helfen werden, ist schwer abzuschätzen.“

Im Mai 2014 waren in Bayern noch fast 8800 Menschen oder 3,4 Prozent mehr ohne Beschäftigung als jetzt. „Einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Vorjahr hatte es zuletzt vor drei Jahren im Mai 2012 gegeben“, sagte Beier. Damals gab es 235 500 Arbeitslose.

Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm weiter zu. Sie lag nach den jüngsten Daten vom März auf dem Rekordwert von 5,12 Millionen und stieg binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent.

„Jetzt gilt es, die gute Ausgangslage zu nutzen und vor allem Langzeitarbeitslose noch besser und nachhaltiger zu unterstützen“, sagte Arbeitsministerin Müller. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Weikert, forderte den Freistaat auf, das Konzept von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zu unterstützen: „Beispielsweise indem der Freistaat Bayern durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit bei den Unternehmen für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen wirbt.“

Der monatelange Aufwärtstrend bei den freien Stellen in Bayern scheint dagegen gestoppt. Im Mai wurden den Arbeitsagenturen 27 200 Stellen neu zur Vermittlung gemeldet - 6,8 Prozent weniger als im April. „Hier dürfte ein Vorzieh-Effekt ursächlich sein, da viele Stellen in witterungsabhängigen Branchen aufgrund des milden Wetters schon in den vorherigen Monaten gemeldet worden sind“, sagte Beier. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der offenen Stellen jedoch um mehr als elf Prozent gewachsen - vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, dem verarbeitenden Gewerbe und der Zeitarbeit.

dpa

Neuer Service: Die wichtigsten Nachrichten der tz direkt per WhatsApp aufs Handy - so funktioniert's.

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser