Haft- und Bewährungsstrafen nach Diebestour für rumänisches Trio

Per SMS Auftrag für Diebe

Rosenheim - Ein Diebestrio im Alter von 19, 23 und 27 Jahren musste sich jetzt vor dem Rosenheimer Jugendschöffengericht verantworten. Sie hatten ihre "Aufträge" per SMS bekommen.

Weil die junge Frau aus Rumänien bei ihrer Festnahme erst 19 Jahre alt war, wurde das Diebestrio vor dem Jugendschöffengericht unter der Leitung von Richterin Irene Köstner angeklagt. Die 19-Jährige und ihr 23-jähriger rumänischer Freund waren umfassend geständig. Der dritte Angeklagte, ein 27-jähriger Rumäne, gab zwar zu, ebenfalls gestohlen zu haben, bestritt aber aufs Heftigste, zu den beiden Anderen zu gehören. Rein zufällig sei man zur selben Zeit am selben Ort und im selben Geschäft beim Stehlen gewesen.

Dem dritten Angeklagten ging es vor allem darum, zu vermeiden, wegen "Bandendiebstahl" verurteilt zu werden. Er wusste, dass er bei diesem Delikt, im Gegensatz zu einem "einfachen Diebstahl", eine wesentlich höhere Strafe zu erwarten hatte. Der 27-Jährige wusste das, weil er nicht zum ersten Mal vor dem Richter stand. Seine Vorstrafenliste umfasste acht einschlägige Einträge in Rumänien, Italien und Deutschland. In Rumänien hatte er bereits vier Jahre deshalb im Gefängnis verbracht. Allerdings war seine Erklärung, warum er nicht zu den anderen beiden Angeklagten gehören wollte, derart wirr und so voller Widersprüche, dass selbst die Dolmetscherin beim Übersetzen unweigerlich den Kopf schütteln musste.

Die junge Komplizin und ihr Partner hingegen waren, was die Vorstrafenliste anbelangt, völlig unbeschriebene Blätter und hatten sich dem "Profi" wohl angeschlossen. Sie berichteten auch darüber, dass sie eine Anforderungsliste per SMS aus Rumänien bekamen, die sie stehlend abzuarbeiten hatten. "Die Nassrasierer in Rumänien taugen nichts. Deshalb sind die deutschen Produkte dort sehr begehrt", berichtete der 23-Jährige. "Ebenso wie Cremes und ordentliche Parfums."

Aufgeflogen war das Trio, weil zunächst das Mädchen im Geschäft festgenommen worden war und die beiden Männer sich anschließend einander suchend rings um den Laden aufhielten und dabei der Polizeistreife aufgefallen waren.

Mit Verteidigern auf Handel geeinigt

Das Gericht hatte sich mit den Verteidigern des Pärchens auf einen Handel geeinigt. Weil die beiden jüngeren Mittäter nicht vorbestraft und geständig waren, sollten sie mit 18 Monaten Gefängnis, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind, davonkommen.

Der dritte Angeklagte war zu einem umfassenden Geständnis nicht zu bewegen. Die Staatsanwältin forderte deshalb für den unbelehrbaren Gewohnheitstäter eine Haftstrafe von drei Jahren. Die Anwälte Gabriele Sachse und Dr. Markus Frank plädierten entsprechend dem Vorab-Gespräch. Rechtsanwalt Walter Holderle bemühte sich, für seinen Mandanten ebenfalls eine Bewährungsstrafe zu erreichen.

Das Gericht entsprach den Anträgen der Staatsanwaltschaft. 18 Monate mit Bewährung für das Pärchen. Allerdings wurde der jungen Frau kein Jugendstrafrecht mehr zugebilligt. Der Profidieb hingegen hatte sich für drei Jahre ins Gefängnis hineingelogen, um zu lernen, dass mit faulen Ausreden bayerische Gerichte nicht zu überzeugen sind.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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