Aus für Mehrgenerationenhaus

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Der 80-jährige Peter Pertl (rechts) bewohnt mit seiner Frau als Letzter ein Reihenhaus im Tulpenweg (hinten). Gunther Well (links) wohnt gegenüber im Asternweg.

Rosenheim - Das Mehrgenerationenhaus sorgte für viel Diskussion im letzten Jahr. Jetzt kam das Aus für das geplante Vorhaben am Tulpenweg.

Das Vorhaben hatte im letzten Jahr ein ganzes Stadtviertel in Aufruhr versetzt. Jetzt verkündet die Rosenheimer Wohnbaugesellschaft (GRWS) das Aus für das geplante Mehrgenerationenhaus am Tulpenweg. Es sei in der letztendlich genehmigten Größe nicht wirtschaftlich. Die Betroffenen sind tief enttäuscht und werfen der Gesellschaft Fehler vor.

Bereits vor sechs Jahren hatte sich eine Gruppe gegründet, um eine von der Europäischen Union geförderte Wohnform in Rosenheim zu etablieren. Mehr als 30 junge Leute, Senioren, Alleinerziehende und Alleinstehende wollten nicht nur in einem Haus zusammenwohnen, sondern sich auch umeinander kümmern, einen Pflegedienst einrichten, für Kinderbetreuung sorgen und füreinander einkaufen.

2008 legte die GRWS dafür ein städtebauliches Konzept mit 33 Wohnungen vor. Dagegen liefen die Bewohner des Stadtviertels Weinlände Sturm. Sie wollten den gartenstadtartigen Charakter der Siedlung bewahren und erreichten schrittweise eine Reduzierung auf 20 Wohnungen. "Das wäre nicht mehr wirtschaftlich gewesen", bedauert der neue GRWS-Geschäftsführer Stefan Ludwig. Stand am Anfang eine Miete von rund 7,50 Euro pro Quadratmeter zur Debatte, rechnete die GRWS bei reduzierter Größe nun eine Kaltmiete von 11 Euro aus. Zudem erwies sich als problematisch, dass nicht alle Bewerber in den Kreis derjenigen gehörten, die von ihrem Einkommen her von einer öffentlichen Förderung hätten partizipieren dürfen. "Das geht nicht. Wir haben eine soziale Aufgabe", betont Ludwig.

Das Scheitern des Projekts führt er zum einen auf die aus Sicht der GRWS nicht mehr wirtschaftliche Größe zurück. Zum anderen vermisst er beim Rückblick in die Planungsphase auch eine realistische Auseinandersetzung mit den "harten" Fakten Kosten, Fördermittel und Wohnungsgrößen. Bei der Planung eines solchen Vorhabens dürften nicht nur die "weichen" Faktoren wie Fürsorge und harmonisches Zusammenleben im Vordergrund stehen. Den Gedanken, als neuer Mann an der Spitze der GRWS trete er nur noch als kühler Rechner auf und habe damit die Träume am Tulpenweg welken lassen, weist er zurück. Der Abschied von dem Projekt sei bei seinem Eintritt in die Gesellschaft schon eingeleitet gewesen. Die GRWS bedauere die Entwicklung, vor allem mit Blick auf die Menschen der Hausgemeinschaft, die von einer zügigen Realisierung der Baumaßnahme ausgegangen waren. Die Gesellschaft suche nach wie vor nach geeigneten Grundstücken für diese spezielle Wohnform.

Häuser werden jetzt verkauft

Betroffene werfen der GRWS vor, sie habe sich aus unerklärlichen Gründen nicht oder nicht ausreichend um die zur Verfügung stehenden EU-Fördergelder bemüht und mit den bei der Umplanung festgelegten Wohnungsgrößen eine Förderung aus diesem Topf sogar unmöglich gemacht. Diese hätten zum Teil nicht mehr den Richtlinien entsprochen. Da müsse man sich nicht wundern, wenn kein Geld fließe und die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei.

Als "nicht mehr zeitgemäß" hatte die GRWS die bestehenden Häuser am Tulpenweg bezeichnet und sie über Jahre hinweg allmählich nicht mehr vermietet. Sie sollen jetzt erhalten bleiben. Es hätten sich, so Ludwig, schon während der Auseinandersetzung viele Rosenheimer gemeldet, auch ehemalige Mieter, die bereit wären, die Häuser im derzeitigen Zustand zu übernehmen und selbst zu sanieren.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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