Angriff mit Glas: Ausraster kommt teuer

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Buchstäblich "ins Auge" ging ein Aussetzer eines Facharbeiters nach einem Besuch des Herbstfestes im September 2009.

Rosenheim - Buchstäblich "ins Auge" ging ein Aussetzer eines Facharbeiters nach einem Besuch des Herbstfestes im September 2009. Zunächst hatte er alles richtig gemacht:

Er war mit der Bahn gefahren. Gut angetrunken kam er in seinem Heimatort im Umland an, wollte aber noch etwas nachfeiern und ging in eine Disco. Rappelvoll war es da - und er bestellte sich vernünftigerweise eine Johannisbeerschorle.

Als ihn aber dann gegen 23.30 Uhr ein anderer Gast anrempelte - ob absichtlich oder unabsichtlich war nicht mehr aufzuklären - und auf den Fuß trat, rastete der damals knapp 20-Jährige aus: Er drehte sich mit dem vollen Glas zu dem damals knapp 18-jährigen Kontrahenten um und schlug ihm das Glas gegen das Gesicht.

Unglücklicherweise zerbrach das Glas und Splitter gingen dem Opfer ins Auge. Der musste daraufhin stationär in der Münchener Augenklinik behandelt werden. Zwar muss der Geschädigte nun eine Brille tragen, glücklicherweise konnte aber das Auge in seiner Funktion erhalten werden; Spätfolgen sind allerdings nicht ausgeschlossen.

Vor einem Jahr kam die Sache erstmals vor den Jugendrichter, wo sich der Angeklagte aber darauf versteifte, er sei gestoßen worden, und nur deshalb wäre das Glas dem Opfer in das Gesicht geschleudert worden. Es habe sich also um einen Unfall gehandelt.

Gefährlich oder fahrlässig

Die Anklage warf damals dem Mechaniker lediglich gefährliche Körperverletzung vor, was keinesfalls eine Gefängnisstrafe bedeutet hätte. Verteidiger Christoph Michel sprach hingegen von "fahrlässiger Körperverletzung". Der Angeklagte hoffte, damit straffrei - und vor allen Dingen kostengünstig - davonzukommen.

Der Richter Herbert Schäfer wollte das aber genau wissen und beschloss, ein biomechanisches Gutachten anzufordern. Das sollte beweisen, ob das Geschehen tatsächlich auf einen Unfall zurückzuführen sei.

Das Ergebnis des Gutachtens belegte jedoch, dass das Glas damals mit so großer Wucht geführt worden sein musste, dass ein Unfall nicht in Frage käme. Deswegen wurde die Anklage zusätzlich auf den tateinheitlichen Vorwurf versuchter schwerer Körperverletzung erweitert.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und vier Monate Jugendstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Immerhin sei der Angeklagte nicht vorbestraft und habe bereits Wiedergutmachung geleistet.

Rechtsanwalt Michel verwies darauf, dass sein Mandant erheblich betrunken gewesen wäre, nun auch gestanden habe und zu keiner Zeit den anderen so habe verletzen wollen. Er beantragte, seinen Mandanten wohl schuldig zu sprechen, aber die Strafe in Gänze zur Bewährung auszusetzen.

Das Gericht befand, dass der Angeklagte wohl kein Schläger sei. Die Schwere der Verletzung, bei der das Opfer ohne Weiteres auch hätte erblinden können, mache aber eine Strafe zwingend erforderlich. Ein Jahr Jugendstrafe, die es zur Bewährung aussetzte, sollten den nunmehr 22-Jährigen hinreichend beeindrucken, zumal auch noch hohe Gerichtskosten, Forderungen der Krankenkassen und Schmerzensgeld-Zahlungen auf ihn warten.

Der unbedachte Augenblick im Alkoholrausch wird ihn wohl Jahrzehnte finanzieller Mühen kosten.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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