Sepp: So lebt es sich in Rosenheim mit HIV

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Rosenheim - Im Gesundheitsamt wurde nun eine Ausstellung zum Thema HIV und Aids eröffnet. Der Betroffene Sepp erzählt, wie er mit der Infektion lebt.

"Ich bekam die Diagnose HIV im Jahr 2003", berichtet Sepp. Zu der Zeit lebte der heute 71-Jährige in einer festen Beziehung mit seinem Partner. Bei diesem war Aids ein Jahr zuvor ausgebrochen. Dass sein Partner Sepp angesteckt hat oder, ob es umgekehrt gewesen ist, lässt sich aber nicht mehr nachvollziehen. Der 71-Jährige vermutet, dass er sich schon Ende der 1990er infiziert und den Erreger so lange in sich getragen hat. "Die Frage, wer wen infiziert hat, ist letztlich auch müßig", sagt er.

Heute lebt er in einer Art "Betreutem Wohnen", aber in seiner eigenen vier Wänden. Neben ihm leben noch sieben Frauen in dem Gebäudekomplex, in dem sich im Erdgeschoss eine Apotheke und ein Arzt befinden. In seinem sozialen Umfeld ist Sepp weitgehend geoutet. Nahezu jeder weiß von seiner Erkrankung. Großen Rückhalt findet er nicht nur bei seinen zwei erwachsenen Töchtern, sondern auch bei der Aids-Hilfe, bei der er ehrenamtlich tätig ist, und dem Betroffenen-Stammtisch, den er regelmäßig besucht. "Ich bin vollständig ins soziale Leben integriert und besuche mit Freunden und Bekannten unter anderem Kino- und Theatervorstellungen." Sepps Beispiel zeigt, dass man den Weg zurück ins Leben finden und  lebenswert gestalten kann.

Die HIV/Aids-Ausstellung im Gesundheitsamt

Eröffnung HIV-Ausstellung

Ähnliches geht auch aus der Aussage von Dr. Irmgard Wölfl, Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim hervor. "Unsere Arbeit ist von einer Arbeit der Sterbebegleitung zu einer Arbeit der Begleitung zurück ins Leben geworden." In Zusammenarbeit mit den Münchener Aids-Beratungsstellen wurde unter dem Motto "Der lange Weg" eine Ausstellung konzipiert. Sie soll nicht nur sachlich informieren und aufklären, sondern auch ganz konkret Einblicke in das Leben HIV-Infizierter geben - mit all den erlebten Ängsten, Nöten, Rückschlägen, aber auch Lichtblicken.

Symbolisch für den langen Weg von der schockierenden Diagnose der HIV-Infektion bis zum Zurückfinden in ein "normales" Leben werden insgesamt elf Installationen in Form lebensgroßer Figuren gezeigt, die dem Besucher die einzelnen Stationen näherbringen. Auf verständliche Weise soll dieser auf die Bedeutung des Themas "HIV und Aids", das heutzutage wieder weitgehend aus den Köpfen der Menschen verschwunden ist, aufmerksam gemacht werden. Besonders bei jungen Menschen sei deshalb frühe Aufklärung notwendig, betont Wölfl.

Das Gesundheitsamt bietet deshalb mit Experten der Münchener Aids-Beratungsstellen nach vorheriger Anmeldung gezielt Führungen für Schulklassen an. Die Ausstellung im Rosenheimer Gesundheitsamt, Prinzregentenstraße 19, kann Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 15.45 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr besucht werden.

yt

Quelle: rosenheim24.de

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