"Autokrabbler" vor Gericht

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Rosenheim – Eigentlich nur zum Steckerlfisch-Essen war der 43-jährige Kameramann am Nachmittag aufs Herbstfest gegangen. Aber dann entwickelte sich eine zünftige Tischgesellschaft. Es wurde spät – und es wurde feucht.

Nach Wiesnschluss beschloss man den Abend fortzusetzen. Auf dem Weg zu einer Bar in der Frühlingsstraße überquerte die Gesellschaft die Straße, als der Angeklagte neben sich die Fronthaube eines VW Touran gewahr wurde.

Was dann geschah, schilderte der wegen Sachbeschädigung Angeklagte vor Gericht so: "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Ich war auch ganz sicher nicht mehr nüchtern. Jedenfalls bin ich dem Fahrzeug auf die Motorhaube geklettert. Bitte fragen sie mich nicht, warum - ich weiß es nicht."

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Steinberger, wies darauf hin, dass sein Mandant sich nicht nur bei allen Geschädigten noch am nächsten Tag entschuldigt hatte - da war er dann auch wieder nüchtern - sondern auch die Beschädigungen an dem Fahrzeug längst bezahlt hat. Es handelte sich dabei um kleine Dellen und Kratzer, deren Reparatur bei einem Neufahrzeug aber eben schnell 1400 Euro betragen.

Der Kletterer hatte 1,6 Promille

Ausweislich der polizeilichen Feststellungen wies der übermütige Kletterer einen Alkoholwert von 1,6 Promille auf. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wies allerdings darauf hin, dass der Angeklagte sich wegen einer anderen Sache unter offener Bewährung befand. Damals ging es um Insolvenzbetrug. Anderenfalls hätte man dieses Vergehen womöglich nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung wegen Geringfügigkeit mit einer Bußauflage einstellen können. So sei aber zumindest eine Geldstrafe unumgänglich. Er beantragte, eine Strafe von 1750 Euro zu verhängen.

Der Verteidiger gab zu bedenken, dass es sich hier lediglich um eine grobe Fahrlässigkeit gehandelt habe. Weil eine solche aber strafrechtlich nicht relevant sei, müsse hier Freispruch ergehen. Sollte das Gericht seiner Argumentation nicht folgen, beantragte er hilfsweise eine Strafe von höchstens 750 Euro zu verhängen.

Das Gericht war der Meinung, dass man hier nicht mehr von Fahrlässigkeit sprechen könne. Der Angeklagte habe - wenn auch betrunken - billigend in Kauf genommen, dass durch sein Handeln ein Schaden entstehen könne. Damit sei der Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt. Angesichts des Geständnisses, der erfolgten Schadenswiedergutmachung und der Trunkenheit sei aber eine Strafe von 1000 Euro hinreichend. Der Angeklagte versprach im Schlusswort, "kein Auto mehr besteigen zu wollen".

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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