Autos und Frauen

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Wie sich der Pkw-Bestand in Rosenheim und der Frauenanteil beim Besitz entwickelt haben

Rosenheim - Seit die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main am Donnerstag ihre Tore fürs Publikum geöffnet hat, spielen Frauen eine Schlüsselrolle.

In den Autos, auf den Autos und um die Autos herum: als Augenweide, welche die "Männchen" anlocken soll.

Im Publikum sind sie auch, aber die Frage, wie viele Frauen an den Publikumstagen unter den Autofans sind, musste die IAA-Pressestelle unbeantwortet lassen. Dabei müsste die Zielgruppe eigentlich gewaltig sein: In Rosenheim besitzen Frauen im Moment 9768 der zugelassenen Autos. Damit ist die Zahl der weiblichen Halter gegenüber 2010 um 224 gestiegen.

Es ist allerdings nicht so, dass der Mann am Steuer zu einer bedrohten Art gehört. Insgesamt gehören Männern hier 52,3 Prozent der Autos.

Männer, Frauen, Firmen - in diese drei Bereiche teilt sich der Pkw-Markt. Bei den Firmenwagen gibt es keine Unterschiede nach Geschlecht. Deswegen gilt derzeit folgenden Verteilung: Männliche Halter gab es am Jahresanfang 15990 (52,3 Prozent). Auf Firmen waren 4823 Autos zugelassen; das sind 15,8 Prozent. 31,9 Prozent der in Rosenheim zugelassenen Autos sind in Frauenhand.

Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Zahl der Frauen mit eigenem Auto um 224. Das entspricht einem Plus von 2,3 Prozent. Bei den Männern stieg die Zahl der Fahrzeughalter von 2010 auf 2011 um 110. Das entspricht einem Plus von 0,7 Prozent. Bei den Firmen kletterte die Zahl der Firmen-Pkw um elf. Das entspricht einem Plus von 0,2 Prozent.

Diese Zahlen sind mit ein Grund dafür, dass die Hoffnungen der Autohersteller und -händler auf den Frauen ruhen, sagt Klaus Heschke, Pressesprecher des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern. "Viele Frauen haben den Führerschein, aber im Moment noch kein eigenes Auto, weil sie das des Partners mitbenutzen." Damit sind sie potenzielle Kundinnen: "Es gibt die Prognose, dass der Autobesitz bei Männern und Frauen langfristig gleich sein wird." Wenn tatsächlich einmal so viele Frauen wie Männer ein Fahrzeug halten, müsste die Zahl der weiblichen Halter in Rosenheim um 6000 wachsen.

Welche Autos werden von Frauen geliebt? Auf diesem Feld werden noch gerne Klischees gepflegt: "Kleinwagen lieben Frauen offenbar mehr als die großen, PS-starken und technisch hochgerüsteten Wagen der deutschen Premiumhersteller", sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer und schließt aus seinen Zahlen: "Deutsche Autos kommen bei Frauen schlecht an." Beleg dieser Annahme sind die Zahlen, die sein CAR-Center ermittelt hat.

Demnach seien die klassischen deutschen, technikorientierten Marken bei den Frauen weniger begehrt als die anderer Hersteller. Der Frauenanteil bei VW (33,1 Prozent), Opel (32,6 Prozent), Audi (30,5 Prozent), BMW (25,7 Prozent), Porsche (18,7 Prozent) und Mercedes (16,9 Prozent) liege deutlich unter dem durchschnittlichen Frauenanteil von 33,3 Prozent. "Aber Frauen sind durchaus bereit, für ein hochwertiges Automobil etwas springen zu lassen. Das beliebteste Frauenauto ist der ,Mini'. 49,6 Prozent aller in Deutschland neu zugelassenen Minis gingen in den ersten sieben Monaten des Jahres an Frauen", so Dudenhöfer.

Allerdings macht eine andere wissenschaftliche Erkenntnis stutzig: "Einer Umfrage zufolge beeinflussen Frauen heute schon 75 Prozent aller Autokauf-Entscheidungen", sagte Marion Johl-Roesing, Generalbevollmächtigte und Kfz-Vertriebsleiterin der Santander Consumer Bank AG. Wenn aber 75 Prozent alle Autokäufe von Frauen mit entschieden werden, dann fallen auch die angeblich von Frauen ungeliebten deutschen Premium-Autos darunter.

Wird eine Frau gefragt, wie das Verhältnis von Frauen und Autos aussieht, ist Professor Dr. Doris Kortus-Schultes, Leiterin des "Kompetenzzentrums Frau und Auto" der Hochschule Niederrhein, die erste Adresse. Sie forscht seit 2003 an diesem Thema. Erkenntnis der jüngsten Studie vom Juli 2011: "Es ist ein Vorurteil, das längst überholt ist, Frauen hätten kein Interesse an großen, schnellen Autos. Technik und Ausstattung seien ihnen gleichgültig, ebenso die Marke. Frauen sind immer häufiger Halter eines Wagens der Ober- oder Luxusklasse. Und sie interessieren sich sehr wohl für Leistung, Komfort und Ausstattung ihrer Wagen."

Befragt wurden dazu 94 Frauen und 64 Männer, die Wagen der Ober- und Luxusklasse fahren beziehungsweise besitzen. Dass ein Mann mit dem Auto sozusagen die Ersatzmuskeln spielen lässt, passt ja zum richtigen Leben. Aber die Models in den figurbetont geschnittenen Kleidern und die Frauen in den schnittigen Autos haben doch etwas gemeinsam, sagt Susanne Bitzer, die als Studentin an der Studie mitgearbeitet hat: "Sie wollen, dass sie mit ihrem Wagen auffallen. Frauen möchten 'Blicke auf sich ziehen' und zu einer 'exklusiven Minderheit' gehören. Außerdem zeigen viele Frauen, besonders Geschäftsfrauen und Selbstständige, mit ihrem Wagen, was sie erreicht haben. Sie kaufen sich ein ihrem Status angemessenes Fahrzeug."

Das macht die Zielgruppe "Autokäuferin" auch mit Blick auf die 4823 Firmenautos in Rosenheim interessant. Es ist auch nicht so, dass es auf der IAA für Frauen nur Autos gibt: Ein Frauen-Eckchen, neudeutsch "Ladies-Corner", ist auch da. Mit dem ist die "Hallo Frau GmbH" aus Krefeld dieses Mal zum zweiten Mal auf der IAA vertreten. Im Informationsangebot: "Oldtimer - Bewertung, Kindersicherheit und Fahrzeugbeleuchtung".

zs/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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