Immer wieder Fälle wie in Kolbermoor

Arzt: Bei Diagnose Schütteltrauma "ist es eigentlich schon zu spät"

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Ein 40-jähriger (r.) musste sich am Dienstag wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Traunstein verantworten
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Kolbermoor - Der schreckliche Fall des durch Schütteln schwerst behindert und so gut wie blind gewordenen Babys ist leider kein seltener. Immer wieder kommt es zu vergleichbaren Fällen.

Am Dienstag fiel das Urteil gegen einen 40-jährigen Kolbermoorer. Er muss für acht Jahre ins Gefängnis, weil er im August 2015 seinen damals sechs Monate alten Sohn fast zu Tode geschüttelt hat."Sie haben ihrem Kind ein ganz normales Leben genommen", konfrontierte der vorsitzende Richter ihn mit dem ganzen Ausmaß seiner Tat. Das Kind ist seither schwerst behindert und so gut wie blind.

Leider handelt es sich hierbei keinesfalls um eine seltene Art der Misshandlung von Kindern. Immer wieder schrecken vergleichbare Fälle auf. Mitte Dezember 2016 musste der Stiefvater des in Hamburg zu Tode geschüttelten Babys Tayler muss für elf Jahre ins Gefängnis. Ende Januar fiel das Urteil gegen einen 25-Jährigen vor dem Landgericht Potsdam, der seinen zwei Monate alten Sohn zu Tode geschüttelt hatte. 

Schwere Schäden in 70 Prozent der Fälle

CT-Bild einer durch Schütteln verursachten Hirnblutung (Pfeil) zwischen Hirnhaut und Gehirn.

"Jedes fünfte Kind mit einem schweren Schütteltrauma stirbt", erläuterte Markus Blankenberg, Direktor der Neuropädiatrie am Stuttgarter Klinikum kürzlich der dpa. Das Schütteltrauma sei die häufigste nichtnatürliche Todesursache im ersten Lebensjahr. Und von denen, die überleben, trügen gut 70 Prozent schwere neurologische Schäden davon, die sich ein Leben lang nicht beheben ließen, so der Arzt gegenüber der Nachrichtenagentur. Nervenfasern könnten einreißen, Blutgefäße ebenso. "Wenn wir die Diagnose Schütteltrauma haben, ist es eigentlich schon zu spät."

"Bei etwa 30 von 100 000 Babys kommt es Studien zufolge wegen heftigen Schüttelns zur Krankenhauseinlieferung", erklärte bereits Anfang April der Psychologe Dieter Wolke von der Universität Warwick Anfang April der Agentur. Immer wieder seien Eltern schreiender Babys so überfordert, dass sie schwere Fehler machten.  "In über 85 Prozent der Fälle eines Schüttelsyndroms ist exzessives Schreien der Auslöser für das Schütteln", so Wolke.

Diagnose seit den 70ern

Seit den 70er-Jahren ist das Schütteltrauma als eine Folge einer Kindesmisshandlung ein rechtsmedizinischer Fachbegriff. Unter der Bezeichnung "Shaken baby syndrome" (SBS), gilt es in den USA als die häufigste Todesursache bei körperlicher Kindesmisshandlung und als Grund für die meisten bleibenden Behinderungen bei Kindern.

Quelle: mangfall24.de

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