Bankraub mit Kamera und Kleber

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Alfons Leitner, Leiter des Fachkommissariats Grenze, zeigt am Mittertor eine sichergestellte manipulierte Blende. Im Buchstaben "G" des Schriftzugs "Geldautomat" ist die Öffnung für die versteckte Kamera zu erkennen.

Rosenheim - Wieso funktioniert das "Skimming" so "gut"? Wie stellen die Täter das eigentlich an? Das wollten die OVB Heimatzeitungen von der Polizei wissen:

Die modernen Bankräuber von heute: Sie kommen nicht mehr spektakulär mit Pistole und Maske daher. Sie arbeiten mit winzigen Kameras, Klebstoff und falschen Plastikschächten. Damit manipulieren sie Geldautomaten, kopieren Daten und räumen die Konten ahnungsloser Bankkunden ab. In der Fachsprache nennt man das "Skimming" (englisch für "Abschöpfen"). Die Rosenheimer Polizei hat jetzt vier rumänische "Abschöpfer" gefasst. Wie gerissen die "Skimmer"sind und wie der bemerkenswerte Fang gelang - das wollte unsere Zeitung von den Fahndern wissen.

Wie einfach es Kriminelle heute haben, an das Geld von Bankkunden zu kommen, beunruhigt viele Menschen.

Was passiert beim Skimming in der Bank?

In der Regel reichen drei Kurzbesuche in den Schaltervorräumen: Erst schauen die Betrüger, um welchen Geldautomatentyp es sich handelt, welches "Innenleben" er hat und wie groß er ist. Beim zweiten Besuch kleben sie die passenden Tastatur- und Geldschacht-Attrappen auf die Originalteile. Oder sie bringen eine Blende mit eingebauter Mini-Kamera an, um die PIN-Nummern zu filmen. Stunden später bauen sie die falschen Automatenteile wieder ab.

Was passiert dann mit den ausgespähten Daten?

Sobald die Betrüger die aufgezeichneten Daten mit einer Spezial-Software ausgelesen haben, schicken sie das Material einem Komplizen, der sich im Ausland befindet, per SMS oder E-Mail auf den Laptop oder das Handy. Die Daten kopiert der Empfänger auf den Magnetstreifen eines Kartenrohlings, schreibt die PIN-Nummer mit einem wasserfesten Stift auf die Hülle und hebt in aller Seelenruhe Geld ab.

Lief es so auch im aktuellen Rosenheimer Fall?

Ja. Mehrere Stunden lang, von 7 bis 12.30 Uhr, befanden sich die Attrappen am Samstag, 2. Juni, auf einem Automaten am Ludwigsplatz. 55 Konten wurden dabei ausgespäht, von 28 mit den Raubkopien Geld abgehoben - zum Teil schon drei Stunden später in Cancn in Mexiko. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf 33 000 Euro. Die betroffenen Kunden bekommen den Schaden von der Bank ersetzt. Das kann aber bis zu sechs Wochen dauern.

Warum sind die Täter so schwer zu fassen? Sie werden doch gefilmt.

Lesen Sie auf rosenheim24:

Skimming-Täter dingfest gemacht

"Ich war doch noch nie in Mexiko"

Neue Skimming-Fälle in Rosenheim

Die Banden kommen fast ausnahmslos aus dem Ausland, in der Regel aus Rumänien, wo sich regelrechte Skimming-Clans gebildet haben. Die meist recht jungen Kerle, die in Deutschland die Automaten manipulieren, befinden sich in der Hierarchie übrigens ganz unten, werden mit Kleingeld abgespeist. Dafür kassieren die Hintermänner in Bukarest groß ab. Wenn ein Bankkunde beim Studieren seiner Kontoauszüge den Betrug bemerkt, sind die Täter meist schon über alle Berge. Das Filmmaterial der Überwachungskameras in den Vorschalterräumen wird nicht laufend ausgewertet, sondern nur dann, wenn es einen Anlass gibt. Meist sind die Täter unter ihren Kapuzen darauf nicht gut zu erkennen. Sie halten sich auch nie dort auf, wo sie "skimmen". So war es auch im Rosenheimer Fall: Die Bande wohnte bei einem Rumänen in Landshut. Eine Faustregel ist auch: "Skimmer" haben ihr Werkzeug nie dabei, wenn sie einreisen, um bei Kontrollen nicht aufzufallen. Die Tastaturfelder und Kartenschlitze werden gesondert ins Land geschafft - meist per Bus.

Kann man die Automaten nicht schützen?

Kripo-Experten sind mit den Banken in ständigem Kontakt, um die Geldautomaten aufzurüsten und möglichst betrugssicher zu machen. Aber bislang gilt: Auf jedes neue Modell finden die Banden eine Antwort.

Wie gelang der Polizei der Fang in Rosenheim?

Es war kein Glückstreffer, sondern das Produkt aus harter Arbeit, Erfahrung und Spürsinn. Die vier Rumänen (25 bis 45 Jahren alt) hatten vor ihrer "Rosenheimer" Zeit in Regensburg, Erding, Ergoldsbach, Landshut und Lappersdorf Daten "gezapft". In Rosenheim bedienten sie sich nicht nur am Ludwigsplatz, sondern spähten auch Geldautomaten am Schloßberg und in Westerndorf St. Peter aus. Am 14. Juni fiel aufmerksamen Zivilfahndern ein verdächtiger Wagen auf der B 15 auf. Sie observierten die Männer, am nächsten Tag klickten, erneut auf der B 15 bei Rott (vermutlich wollten die Rumänen nach Landshut zurück), die Handschellen. Zuvor hatte das Quartett den Geldautomaten am Schloßberg "bearbeitet".

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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