Der Wolf darf erst mal bleiben

Bayrischzell/München - Der Wolf in Oberbayern darf über den Winter bleiben. In den nächsten Monaten solle es weitere Gespräche geben, auch um über den Schutz für die Almwirtschaft zu beraten, hieß es nach einer ersten Gesprächsrunde in Bayrischzell.

Seit Dezember 2009 ist das etwa dreijährige männliche Tier im Mangfallgebirge (Kreis Miesbach) unterwegs. Weil der Wolf strengem Artenschutz unterliegt, darf er nicht abgeschossen werden. Sogar Umsiedeln oder Vergrämen ist nicht erlaubt. Dazu müssten schwerwiegende Sicherheitsbedenken vorliegen, sagte der Präsident des Landesamtes für Umwelt, Albert Göttle, nach dem Krisengespräch. Dieser Wolf aber benehme sich ganz normal. Und solange er das tut, hat er praktisch ein gesetzlich verbürgtes Aufenthaltsrecht.

Der Bayrischzeller Bürgermeister Helmut Limbrunner (Freie Wähler) kann sich mit dem Tier nicht recht anfreunden. „Wir sind der Meinung, dass der Wolf hier bei uns keine Lebensberechtigung hat. Wir sind ja eine Kulturlandschaft und kein Wildzoo“, sagte er am Freitag. Und: „Die Schafe haben auch eine Lebensberechtigung.“

Göttle sagte hingegen: „Unsere Fachleute gehen davon aus, dass wir mit dem Zuzug von Wölfen rechnen dürfen oder müssen.“ Schließlich wird auch der junge Wolf nicht alleine bleiben wollen. „Die normale Erfahrung wäre, dass so ein Rüde versucht, ein Rudel zu gründen.“ Und: „Das Verhalten von mehreren Wölfen wäre anders als das eines einzelnen Wolfes.“

Nun wollen die Landwirte bis zum Sommer überlegen, wie sie ihre Schafe schützen. „Wir sind sehr froh, dass die Almbauern da mitmachen wollen“, sagte der Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern, Jakob Opperer nach dem Treffen in Bayrischzell. Hütehunde wären eine Möglichkeit, auch könnten die Tiere nachts näher zusammengetrieben werden. Ähnliche Erfahrungen gibt es schon in der Lausitz, berichtet der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Hubert Weiger. „Was sicherlich nicht geht ist, dass wir an allen Ecken und Enden neue Zäune aufbauen.“ Göttle kündigte an, der Managementplan werde weiterentwickelt. Die Schäden und Befürchtungen der Menschen dürften nicht kleingeredet werden. Weiger sagt: „Wir hoffen als deutsche Naturschützer nur, dass es diesem Wolf nicht so geht wie dem Bären Bruno, der dann ausgestopft im Museum gelandet ist.“

Sabine Dobel

Interview: „Der Abschuss wäre die Ultima ratio“

Zum Wolf ein Gespräch mit dem Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU).

Droht dem Wolf jetzt der Abschuss?

Nein, das wäre die Ultima ratio. Wir haben die Situation grundlegend analysiert und festgestellt, dass sich der Wolf anders verhalten hat als zunächst angenommen. Ursprünglich waren die Fachleute nur von einzelnen Übergriffen auf das Nutzvieh ausgegangen. Doch im letzten Jahr hat der Wolf 30 Schafe gerissen, zum Teil drei bis vier auf einmal. Dazu kommen noch 15 Wildtiere. Er hat auch keine besondere Scheu vor Menschen, denn der Riss eines Hirschkalbs beispielsweise geschah in Nähe von Häusern.

Was schließen Sie daraus?

Diese Situation ist jetzt neu zu bewerten. Wenn das so weiter geht, wäre zu überlegen, ob der Wolf umgesiedelt werden kann. Die letzte Möglichkeit wäre vielleicht der Abschuss, der bei der Regierung von Oberbayern beantragt werden müsste. Wegen des hohen Schutzcharakters wäre so ein Antrag aber nicht ohne Weiteres genehmigungsfähig. Die Sicherheit des Menschen muss natürlich Vorrang haben, das ist mir als Landrat ganz wichtig. Ich hoffe aber, dass sich die Situation im Winter beruhigt – jetzt, da die Weidetiere im Stall sind.

Ist der Wolf für den Menschen gefährlich?

Es gibt diese Befürchtungen, aber es besteht keine Gefahr, das zeigen alle Erfahrungen. In 50 Jahren gab es in Europa nur fünf Übergriffen von kranken oder tollwütigen Wölfen, wofür es hier keine Anzeichen gibt. Wir nehmen aber die Beunruhigung in der Bevölkerung sehr ernst. Dem Bayrischzeller Bürgermeister Limbrunner wurde angeboten, eine Bürgerversammlung nur zum Wolf zu veranstalten. Er hat das Angebot sehr begrüßt und will es im Gemeinderat beraten.

Was ist dran an den Gerüchten, es gebe einen zweiten Wolf?

Nichts. Es ist nur ein Wolf, das zeigen die DNA-Spuren.

Interview: Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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