Eine rutschige Angelegenheit...

Bayern - Glätte ist gleich Glätte? Weit gefehlt! Was Glätte mit Biergläsern im Biergarten zu tun hat und ob Sie in den nächsten Tagen ins Rutschen kommen erfahren Sie hier:

Jetzt im Winter kann man schnell mal ins Rutschen kommen, egal ob man mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist. Damit Straßendienste und die Bevölkerung darauf vorbereitet sind, warnt der Deutsche Wetterdienst in seinen amtlichen Warnungen und/oder den Warnlageberichten entsprechend vor Glätte. Doch dem aufmerksamen Leser der Warnlageberichte wird aufgefallen sein, dass Glätte nicht gleich Glätte ist. Da liest man beispielsweise "Vor allem auf Nebenstraßen und Brücken besteht Gefahr von Reifglätte." oder "Streckenweise muss mit überfrorener Nässe gerechnet werden". Doch was genau versteht man unter diesen Glätteformen und was unterscheidet sie?

Schneeglätte

Schneeglätte tritt auf, wenn eine auf Straßen und Wegen befindliche Schneedecke durch den Verkehr oder durch Fußgänger zusammengepresst wird. Besonders glatt wird es, wenn sich die Oberfläche durch den ausgeübten Druck kurzzeitig verflüssigt und anschließend erneut gefriert.

Eisglätte

Unter Eisglätte versteht man diejenige Glätte, die durch das Gefrieren von Schmelzwasser, Pfützen oder Restfeuchte entsteht, wenn diese durch das Heranführen kalter Luft oder durch die nächtliche Ausstrahlung unter den Gefrierpunkt abkühlen. Mit dem Auftreten dieser auch als "Glätte durch überfrierende/gefrierende Nässe" bekannten Gefahr rechnet man als Laie nicht unbedingt, da unmittelbar vor Eintreten des Ereignisses kein Niederschlag gefallen sein muss.

Glatteis

Besonders tückisch ist das Glatteis. Es kann auf zweierlei Art entstehen: So gefriert unterkühlter Regen oder Sprühregen (Wasser kann, wenn Kristallisationskeime fehlen, durchaus auch bei unter 0 °C noch flüssig sein) beim Auftreffen auf Gegenstände - also beispielsweise die Fahrbahn - spontan. Umgangssprachlich wird unterkühlter Regen auch Eisregen genannt. Glatteis kann aber auch entstehen, wenn nicht unterkühlte Regentropfen auf einen nach einer länger andauernden Frostperiode noch gefrorenen Boden fallen. Daher spricht man auch von gefrierendem Regen bzw. in den Medien oftmals von "Blitzeis". Egal, auf welche Art das Glatteis entsteht - selbst Winterreifen finden nur schlecht Halt und auch als Fußgänger ist das ein ganz schönes "Geeiere".

Reifglätte

Betrachtet man die Reifglätte, muss man die Sache ein wenig wissenschaftlicher angehen: Wenn die Temperatur eines Objektes, beispielsweise die der Straßenoberfläche, unter den sogenannten Taupunkt (Temperatur, bei der ein Gleichgewicht aus Kondensation und Verdunstung herrscht) sinkt, dann kann sich der in der Luft befindliche Wasserdampf auf dem Gegenstand niederschlagen. Physikalisch gesehen handelt es sich dabei um Kondensation, bei der ein Feuchtetransport von der Luft zur Oberfläche stattfindet. Das passiert zum Beispiel, wenn sich die Straße schneller abkühlt als die Luft oder wenn nach einer längeren Zeit mit kalter Witterung die Temperatur des Straßenbelags noch unter 0 °C liegt und feuchtwarme Luft herangeführt wird. In diesem Fall liegt der Taupunkt der heranwehenden feuchten Luft höher als die Belagstemperatur.

Die Menge und Geschwindigkeit, mit der sich die Feuchtigkeit auf der Straße niederschlägt, hängt einerseits von der Differenz zwischen Belagstemperatur und Taupunkt der Luft und andererseits vom absoluten Feuchtegehalt der Luft selbst ab. Am meisten Kondenswasser bildet sich, wenn die Straße kalt und die Luft sehr warm und feucht ist. Das können Sie auch praktisch im Biergarten beobachten, wenn das Bierglas an einem schwül-heißen Sommertag von außen anläuft. Bei Taupunktstemperaturen unter -5 °C ist die absolute Menge an Wasserdampf in der Luft gering und es steht nur wenig Feuchtigkeit für die Kondensation zur Verfügung. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Reifglättegefahr mit tieferen Temperaturen abnimmt.

Oft ist die Temperaturdifferenz zwischen Straßenoberfläche und dem Taupunkt der Luft recht gering, sodass die Kondensation langsam vor sich geht und es teils mehrere Stunden dauert, bis sich auf der Straße eine spürbare Menge an Feuchtigkeit angesammelt hat. Sinkt die Fahrbahntemperatur unter den Gefrierpunkt ab, so entstehen an der Oberfläche Eiskristalle - es hat sich Reif gebildet.

Werden diese Eiskristalle wie oben schon beschrieben durch den Verkehr zusammengedrückt, vorübergehend zum Schmelzen gebracht und gefrieren anschließend wieder, bildet sich Eisglätte. Reifglätte tritt am häufigsten auf Brücken auf, da diese viel größeren Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht unterliegen - sie kühlen sich wegen der fehlenden Untergrundwärme viel schneller ab als daran anschließende Straßenstücke. Dadurch sinkt die Brückenbelagstemperatur häufiger und schneller unter den Taupunkt und es kondensiert mehr Feuchtigkeit als in der Umgebung. Aufgrund ihrer geringeren Wärmekapazität lässt sich dieses Phänomen bei Stahlbrücken besser beobachten als bei Brücken aus Beton. Befindet sich die Brücke in der Nähe eines Gewässers (z.B. Brücke über einen Fluss), dann ist sie noch glätteanfälliger. Im Gegenzug sind Brücken nach einer längeren Frostperiode aber auch die ersten Stellen, wo keine Glätte mehr auftritt, da sie keinen kalten Untergrund haben.

Die Aussichten für die nächsten Tage

Auch in den nächsten Tagen muss gebietsweise mit Glätte gerechnet werden, denn teilweise kommt es am  Dienstag und auch in der Nacht zum Mittwoch zu weiteren Schneefällen. In den anderen Gebieten besteht zumindest weiterhin die Gefahr von Glätte durch Altschnee, gefrorene Nässe oder vereinzelt auch durch Reif. Also fahren Sie vorsichtig - wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt!

Die Glätte-Warnkarte

Pressemitteilung Deutscher Wetterdienst

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser