Wanderer drohen Bergrettung mit Klage - Sprecher der Bergwacht Bayern im Interview

Ampenberger: Einsatzleiter entscheidet, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten

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Bayern - Zwei deutsche Schneeschuhwanderer drohen der Tannheimer Bergrettung aus Tirol mit einer Klage. rosenheim24.de hat sich mit Roland Ampenberger (Sprecher der Bergwacht Bayern) unterhalten und um seine Einschätzung des Falls gebeten.

Anfang Februar gingen zwei Deutsche in Zöblen zum Schneeschuhwandern und verirrten sich. Die Bergrettung Tannheim musste die beiden Männer retten. Knapp zwei Monate nach dem Einsatz, wollen genau diese beiden Geretteten die Bergrettung nun verklagen, denn die Einsatzkosten von 2.261 Euro seien viel zu hoch. Zudem sei ein Großeinsatz überhaupt nicht nötig gewesen.

In einem Gespräch mit der Redaktion äußerte sich bereits Sebastian Nachbar von der Bergwacht Ruhpolding zu dem Fall. Ihm sei so ein Fall bisher noch nie untergekommen. Aber Nachbar verstehe die Entscheidung der Bergrettung Tannheim, dass sie mit mehr als zwei Rettern losgezogen sind, um die beiden Deutschen zu retten.

Das sagt die Bergwacht Bayern zu der angedrohten Klage

Roland Ampenberger: Pressesprecher der Bergwacht Bayern

Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern, erläutert in einem Interview mit rosenheim24.de, dass auch ihm kein Fall bekannt sei, in dem sogar mit einer Klage wegen einer zu hohen Rechnung gedroht werde. Natürlich käme es oftmals vor, dass es Rückfragen zu einer Rechnung gebe, aber diese würden sich in der Regel immer problemlos klären lassen. 

Seiner Meinung nach gebe es zwei Punkte, die die Bergwacht Tannheim nun so stutzig mache: Zunächst sei dies die Anmaßung der deutschen Wanderer darüber zu urteilen, welche Maßnahmen ergriffen und wieviele Retter notwendig gewesen wären. Die Wanderer hatten der Tannheimer Bergrettung vorgeworfen, dass zwei Retter - mit einer Taschenlampe ausgestattet - durchaus ausgereicht hätten, um sie aufzuspüren.Der zweite Punkt sei dann, dass die Deutschen der Bergrettung jetzt sogar mit einer Klage drohen

Auch er, genauso wie Nachbar, könne die Entscheidung der Bergrettung Tannheim nachvollziehen, dass mit mehr als zwei Personen auf die Suche nach den Deutschen gegangen worden war. Laut Ampenberger müsse der Einsatzleiter immer anhand des Meldebildes, also was die zu Rettenden angegeben haben, entscheiden, wie man vorgehen muss, "um die größtmögliche Sicherheit für den Patient und die Einsatzkräfte zu gewährleisten".

Wann muss ein Wanderer den Einsatz zahlen?

Wie auch schon Nachbar von der Bergwacht Ruhpolding erklärte, müsse zunächst unterschieden werden, ob ein zu rettender Wanderer verletzt sei oder nicht. Bei einem medizinischen Notfall würden die Krankenkassen dafür aufkommen. Habe man sich allerdings nicht verletzt, dann müssen man den Einsatz selbst bezahlen, erläutert auch Ampenberger. 

Versicherung für DAV-Mitglieder

Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV) erklärte im Gespräch mit rosenheim24.de, dass bei der Mitgliedschaft beim DAV eine entsprechende Versicherung mitinbegriffen sei. Das bedeute, dass sie im Falle eines Rettungseinsatzes, der nicht durch einen medizinischen Notfall ausgelöst wurde, die Kosten nicht zahlen müssen. Diese Versicherung gelte weltweit, außer bei Expeditionen oder Pauschalreisen und auch nur bei Bergsporteinsätzen. 

Selbst wenn man einen Rettungseinsatz im Ausland auslöse und die Krankenkasse einen Teil übernehme, hafte dann ebenso die Versicherung des DAV, so Bucher. Allerdings greife diese Versicherung im Allgemeinen laut dem Subsidiaritätsprinzip nur dann, wenn die Kosten durch eine andere Stelle nicht erstattet werden.

ics

Quelle: rosenheim24.de

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