Debatte bei "Jetzt red i"

Waldkraiburg: Mit Kopftuch, aber ohne Job?

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Nurseda Cabuk (links) und Sertap Akbal haben bei "Jetzt red i" eine Debatte angestoßen
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Waldkraiburg - Sertap Akbal und Nurseda Cabuk haben bei "Jetzt red i" in Waldkraiburg eine Debatte angestoßen: Bekommen Muslime mit Kopftuch keinen Job?

Finden muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, nur schwer einen Job? Die Geschichten, die Nurseda Cabuk und Sertap Akbal am Mittwochabend in der BR-Sendung "Jetzt red i" in Waldkraiburg erzählt haben, legen diese Vermutung nahe. Beide Frauen suchen vergeblich nach einer Anstellung, ihr Kopftuch ist in den Augen einiger potenzieller Arbeitgeber offenbar ein Hindernis.

Keine Chance in einem kirchlichen Kindergarten?

Nurseda Cabuk hat 2005 eine Ausbildung zur Kinderpflegerin abgeschlossen. "Danach habe ich mich in allen Kindertagesstätten in Waldkraiburg beworben, habe aber leider nur absagen bekommen. Ich wurde nicht mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen", erzählte Cabuk bei "Jetzt red i". "Ich vermute, dass ich wegen meiner Religionszugehörigkeit keine Stelle bekomme." Bis auf den städtischen Kindergarten befänden sich alle Kindertagesstätten der Stadt in kirchlicher Trägerschaft, in den Augen Cabuks ein weiteres Hindernis. Auf Nachfrage von "Jetzt red i"-Moderator Roman Roell sagte Cabuk, dass ihr der Pfarrer sogar gesagt habe, dass sie wegen ihres Glaubens nicht eingestellt werde.

Mittlerweile hat Cabuk zwei Kinder bekommen und - um nahe an ihrem erlernten Beruf dranzubleiben - eine Ausbildung zu einer Kursleiterin für das Eltern-Kind-Programm gemacht. Einmal in der Woche gibt Cabuk Kurse im Waldkraiburger Kulturbildungszentrum KuBiWa. Eine Stelle als Kinderpflegerin hat Cabuk dennoch bislang nicht gefunden.

Wie soll man das Kopftuch den Kunden erklären?

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Sertap Akbal, gerlernte pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, hat Ähnliches erlebt. "Bevor ich Kopftuch getragen habe, habe ich in der Apotheke gearbeitet." Wegen ihrer drei Kinder war Akbal seitdem acht Jahre in Elternzeit, möchte nun aber in ihren Beruf zurückkehren. "Ich habe jetzt angefangen, mich überall im Landkreis zu bewerben", erzählte Akbal bei "Jetzt red i". Inzwischen trägt Akbal Kopftuch, und genau das scheint einigen Arbeitgebern nicht recht zu sein. "Es haben mir manche Arbeitgeber sogar gesagt, sie können mich nicht einstellen, weil ich Kopftuch trage. Sie könnten den Kunden nicht jedes Mal erklären, wieso ich Kopftuch trage."

Auch als Bürokauffrau hätte sich Akbal beworben. Da sei ihr gesagt worden, man habe noch nie mit einer Dame zu tun gehabt, die Kopftuch trägt, und wisse nicht, wie man damit umgehen solle. "Telefonisch krieg ich fast eine Zusage, ich soll sofort kommen. Und wie ich dann dort bin, sieht alles ganz anders aus. Der Blick - das merkt man sofort", schilderte Akbal. Eines ist für die junge Frau klar: "Ich möchte zurück in mein Berufsleben. Ich möchte nicht mein ganzes Leben lang, nur weil ich Kopftuch trage, Hausfrau bleiben."

"Religionszugehörigkeit darf keine Rolle spielen"

Das Verhalten der Arbeitgeber war - in den meisten Fällen - nicht korrekt, wie Michael Höhenberger, Amtschef im Bayerischen Sozialministerium, mit Verweis auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz erklärte. "Es gibt einen Grundsatz, und ich glaube, den müssen wir uns alle in Zukunft noch mehr vergegenwärtigen: Religionszugehörigkeit darf bei der Vergabe von Arbeitsplätzen grundsätzlich keine Rolle spielen." Eine Ausnahme sind lediglich kirchliche Arbeitgeber, da dürfe Religionszugehörigkeit eine Rolle spielen. Er kenne aber auch viele kirchliche Einrichtungen, die auch Muslime mit Kopftuch einstellen, so Höhenberger.

Rein theoretisch könnten Cabuk und Akbal wohl sogar juristisch gegen ihre Benachteiligung vorgehen. "Wenn hier gegen geltendes Recht verstoßen wird, dann gibt es auch den Rechtsweg und vielleicht die Hilfe eines Rechtsanwalts", erläuterte Höhenberger, der aber die Hoffnung äußerte, dass es gar nicht soweit kommen müsse. Der Amtschef des Sozialministeriums ermutigte Cabuk und Akbal, sich weiter zu bewerben.

Zum Abschluss ein Versprechen des Amtschefs

BR-Moderator Andreas Bönte kritisierte, dass es zu wenig Information über den Islam gebe. "Es gibt immer noch wahnsinnige Vorbehalte", so Bönte. Auf die Frage des BR-Moderators, ob man bei der Information nachlegen müsse, sagte Höhenberger: "Wir werden das in unserer Zuständigkeit, was die Kinderbetreuung angeht, auch tun, das verspreche ich Ihnen."

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Quelle: innsalzach24.de

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