Sexuelle Belästigungen durch Asylbewerber?

Hlatky: "Mir ist in Rosenheim kein Fall bekannt"

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Rosenheim/Wasserburg - Sexuelle Belästigungen durch Asylbewerber? Nur ein Vorurteil? Wir haben bei denjenigen nachgefragt, die täglich mit Flüchtlingen arbeiten.

Immer wieder wird auch von unseren Usern behauptet, dass die Zahl sexueller Belästigungen und Übergriffe durch Asylbewerber zugenommen habe. Im Juli gab es in unserer Region mutmaßlich drei Fälle, die derzeit von der Polizei untersucht werden.

Wie reagieren die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit auf diese Behauptung und wie schätzen sie die Situation ein. Unsere Redaktion hat bei Christian Hlatky von der Sozialen Stadt und Bürgerstiftung Rosenheim und Roman Lebedev von der Asylsozialberatung der Caritas nachgefragt.

"Wir versuchen auf solche Fälle zu reagieren"

Das Problem der Belästigungen ist Roman Lebedev, der für die Asylbewerber im Wasserburger Raum zuständig ist, bekannt. "Wir versuchen auf solche Fälle zu reagieren", so der Caritas-Mitarbeiter. Spezielle Workshops für Asylbewerber, die über das Frauenbild in Deutschland und richtige Verhaltensweisen im Umgang mit dem anderen Geschlecht aufklären, gebe es jedoch nicht. Probleme treten laut Lebedev vor allem bei denjenigen Flüchtlingen auf, die noch nicht lange in Deutschland sind.

Richtiges Verhalten vorleben im Paten-Projekt

In Rosenheim setzt man auf das Paten-Projekt: "Wir versuchen den Flüchtlingen mit unseren ehrenamtlichen Paten vorzuleben, wie man sich in unserer Gesellschaft verhält. Wir begleiten sie nicht nur bei Behördengängen oder zum Arzt, sondern verbringen auch viel Zeit im Alltag mit ihnen. Das klappt ganz gut", erklärt Christian Hlatky.

Rund 130 Paten kümmern sich derzeit bei der Bürgerstiftung um die Asylbewerber in Rosenheim, darunter auch viele Frauen, so Hlatky. Ihm sei kein einziger Fall eines sexuellen Übergriffs in Rosenheim bekannt.

"Menschen ohne Perspektive sind anfälliger für Dummheiten"

Allerdings weiß Hlatky, dass in anderen Kulturen mit Frauen anders umgegangen wird. Von Nebenfrauen oder Gewalt in der Partnerschaft habe er auch bei Rosenheimer Flüchtlingen mitbekommen, dies sei in ihren Ursprungsgesellschaften über viele Generationen so vorgelebt worden. "Nur wenn die Asylbewerber viel Kontakt zur deutschen Bevölkerung bekommen, können sie lernen, wie wir leben", glaubt Hlatky.

Dass 180 junge Leute in Turnhallen untergebracht werden, wie derzeit in Raubling, sei ein Problem. "Sie leben in solchen Massenunterkünften ohne Privatsphäre, Bett an Bett, ohne Geld, können so keine normalen Beziehungen führen, wie wir es kennen. Hinzu kommt die Perspektivlosigkeit und Ungewissheit, was morgen passiert."

Durch diese Unterbringungsformen schaffe man hausgemachte Probleme und genau das Bild, das die Politik sich wünsche, behauptet Hlatky, nämlich Überforderung der Helfer. "Dass Menschen ohne Perspektive anfälliger sind für Dummheiten und leichter die Kontrolle verlieren, ist erklärbar, auch wenn ich das damit nicht rechtfertigen will. Es ist dann leicht vom undankbaren Flüchtling zu reden."

Dezentrale Unterkünfte und das Patenprojekt sind für Christian Hlatky der Schlüssel zur Integration. Nur durch die Möglichkeit sofort arbeiten zu dürfen und schnell Deutsch zu lernen, könnten die Asylbewerber auch den richtigen Umgang in unserer Gesellschaft lernen. Ängste vor den fremden, dunkelhäutigen Männern auf der Straße könnten so abgebaut werden.

Abschließend gibt Hlatky zu bedenken, dass es auch eine Frage der Wahrnehmung ist. "Mich würden mal die Quoten im Vergleich interessieren, etwa wie viele betrunkene Einheimische auf dem Rosenheimer Herbstfest oder nachts am Wochenende Frauen belästigen."

mg

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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