"Naturwissenschaftlicher Unterricht muss mit Naturbeobachtung beginnen"

Münchner Uni baut Forschungsstation in Berchtesgaden

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Neue Forschungs- und Lehrstation
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Berchtesgaden - Berchtesgaden bekommt eine Forschungs- und Lehrstation. Aber was hat es damit auf sich und warum wählt die TUM den Standort Berchtesgaden?

Die neue TUM Forschungs- und Lehrstation

Finanziert durch die TUM Universitätsstiftung die im Jahr 2010 gegründet wurde, entsteht auf der Gemarkung Eck in der Nähe der Rossfeldstraße ein Neubauprojekt der Technischen Universität München. "Wir wollen die positive Erfahrung mit dem Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, nunmehr mit einer neuen Forschungs- und Lehrstation fortsetzen", so die TUM. Und ergänzt: Die „TUM Forschungs- und Lehrstation“ wird sich schwerpunktmäßig der Umwelt- und Ökosystemforschung widmen und neue Wege in der naturwissenschaftlichen Pädagogik erproben."

Die Neubauplanung hat der renommierte Holzbauarchitekt Hermann Kaufmann erstellt, der selbst Professor an der TUM ist. Neben wissenschaftlichen Einrichtungen zur Klimaforschung wird die Hochschulexklave für themenbezogene Studien genutzt, an denen auch Studierende, ihre Dozenten sowie internationale Fachexperten mitwirken

Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum

Auch das Schülerforschungszentrum wird zukünftig mit der TUM zusammenarbeiten. Denn: Es ist auch geplant, ein von der TUM entwickeltes Lehrprogramm zu erproben, das auf das Lernen in den MINT-Fächern im alpinen Raum abgestellt ist. Durch die Zusammenarbeit mit dem Berchtesgadener Schülerforschungszentrum erwartet sich die TUM School of Education neue Erkenntnisse im sogenannten Expeditionary Teaching

Dabei sind insbesondere Lehramtsstudierende gefragt, die mit naturwissenschaftlich interessierten Schülern neuartige, auch mit Naturerkundungen verbundene Unterrichtskonzepte erproben, die dann wissenschaftlich validiert werden.

Der naturwissenschaftliche Unterricht muss mit der Naturbeobachtung beginnen, nicht mit Formeln aus dem Lehrbuch“, so Professor Wolfgang A. Herrmann, der das Projekt maßgeblich initiiert hat. „Die Entscheidung für das Berchtesgadener Land war wesentlich von der Existenz des Schülerforschungszentrums getrieben. Mittlerweile nehmen rund 10.000 Schulkinder jährlich an den dessen Kursen und Programmen teil und als internationale Universität wollen wir hier regionale Schwerpunkte setzen. Außerdem reizt natürlich auch die Nähe zum Nationalpark Berchtesgaden“ .

Lange Forschungstradition

Die TUM setzt schon seit langem auf Forschungen an unterschiedlichen Regionalstandorten. Sie betreibt zum Beispiel folgende Einrichtungen:

  • Wettzell (Landkreis Cham): Geodätische Satelliten-Fundamentalstation, die weltweit mit Observatorien verbunden ist
  • Iffeldorf (Landkreis Weilheim-Schongau): An den Osterseen befindet sich die Limnologische Lehr- und Forschungsstation der TUM
  • Obernach am Walchensee (Landkreis Garmisch Partenkirchen): Hier befindet sich das Oskar von Miller-Institut für Wasserbau
  • Burghausen (Landkreis Altötting):  In einem ehemaligen Zisterzienserkloster hat die Universität soeben ihr internationales TUM Akademiezentrum Raitenhaslach eröffnet
  • Straubing: Hier liegt der Fokus auf dem Themenkomplex der nachwachsenden Rohstoffe. 

Platz für bis zu 40 Personen

Die neue Forschungs- und Lehrstation am Rossfeld bietet Platz für bis zu 40 Personen und erweitert das Arbeitsspektrum der TUM, sowohl in der Pädagogik als auch in der Forschung. Dieses Modell ist deutschlandweit das erste seiner Art. 

In der naturwissenschaftlichen Forschung soll Berchtesgaden einen Fokus auf Interdisziplinarität setzen“, so Präsident Prof. Herrmann.

Generell ist die Umwelt- und Ökosystemforschung an der TUM in mehreren Fakultäten stark vertreten. So werden die in der Atmosphäre, Biosphäre und Pedosphäre ablaufenden Prozesse untersucht und bilden die Grundlage für die Entwicklung langfristig angelegter Managementkonzepte für forstliche, agrarische, aquatische und urbane Ökosysteme.

Schwerpunkte bilden dabei:

  • die strukturelle Komplexität und Variabilität natürlicher und genutzter Systeme
  • die Erfassung der biologischen Vielfalt und ihrer Funktionalitäten
  • die Auswirkungen veränderter Umweltbedingungen auf Ökosysteme

Der Naturraum Berchtesgaden hat aufgrund der Forschungsoptionen in alpinen Gebirgsökosystemen eine enorme Bedeutung für die umweltorientierten Professuren mehrerer TUM-Fakultäten. Er wird zum Einen als Kristallisationspunkt für Ökosystemforschung aufgrund der ungestörten Naturprozesse angesehen. Außerdem gilt er als Schatzkiste für Umweltmonitoring aufgrund der extrem guten Datengrundlage wie zum Beispiel Standortinformationen, Klimastationen und langfristige Beobachtungen.

Der erste Forschungsbericht des Nationalparks, über die Theoretische Topoklimatologie von G. Enders aus dem Jahre 1979 stammte aus der Forstwissenschaft, die heute ebenfalls bei der TUM ist. 

Die aktuellen Forschungsprojekte reichen von der Standortsicherung im Kalkalpin, dem Borkenkäfermonitoring über die dritte Waldinventur im Nationalpark bis hin zu Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Rasen und Bergwälder.

Das Landratsamt Berchtesgadener Land, hat als Genehmigungsbehörde bereits die Genehmigung zum Bau erteilt.

Quelle: BGland24.de

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