Die Sanierung der Kehlsteinwege hat begonnen

"Sicherheit und Schutz der Beschäftigten und der Umwelt sind das Wichtigste"

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Die Sanierung der Kehlsteinwege hat begonnen
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Berchtesgaden - Die Sanierung der Kehlsteinwege hat begonnen. Als Erstes wird derzeit die Humusschicht am Waldrand entfernt. Dieses Bankett ist nicht so belastet wie die Wege selber und kann separat entsorgt werden. Dann aber geht es an die eigentliche Sanierung:

Die Sanierungsmaßnahmen an den Kehlsteinwegen haben begonnen. Der Bayerische Staatsforst hat während eines Pressegespräches über die aktuellen Arbeiten berichtet:

"Das Wichtigste bei den Sanierungsmaßnahmen, und zwar sowohl Ziel als auch Aufgabe, sind die Sicherheit und der Schutz der Beschäftigten und der Umwelt", so Christian Baumann (Koordinator für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei den Sanierungsmaßnahmen der Kehlsteinwege. 

Und ergänzt: "Es gibt umfangreiche gesetzliche Auflagen, seitens des Landratsamtes Berchtesgadener Land sowie weiterer Ämter. Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) sind als starke Giftstoffe klassifiziert und als eindeutig krebserregend eingestuft worden. Schon im Vorfeld haben wir genauestens überlegt, wie wir die Giftstoffe ausbauen können, um die Personen vor Ort und natürlich auch die Natur so schützen zu können, dass es zu keinerlei Beeinträchtigungen kommt."

Darum wird saniert

"Früher wurden bedenkenlos viele Materialien verbaut, die heute als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Dazu gehören die PAK Stoffe beim Straßenbau, genau wie beim Bau der früheren Eisenbahnschwellen, was vielen Leuten überhaupt nicht bewusst ist. Aber man kann sich immer nur so vor Giftstoffen schützen, wie der Wissenstand der Technik ist. Damals hat man nicht gewusst, wie gefährlich die Stoffe sind", so Christian Baumann. 

Und ergänzt: "Solange die Straßendecke komplett unbeschädigt ist, ist das Material auch relativ unproblematisch. Aber je nach dem, wie lange die Wege schon existieren, wächst natürlich die Gefahr. Die Straßen sind Witterungseinflüssen ausgesetzt wie zum Beispiel Regen, Schnee, Lawinen und anderen großen Belastungen. Bricht die obere Decke des Straßenbelages durch diese Belastungen, dann besteht die Gefahr, dass die Giftstoffe  ausgewaschen werden und ins Grundwasser gelangen

Neben der Gefahr für das Grundwasser, ist aber auch das Einatmen der Giftstoffe äußerst schädlich und gefährlich. Deshalb bezeichnen wir diese Arbeiten auch als langfristige Maßnahmen zum Schutze unserer Umwelt."

So wird gearbeitet

Bereits seit Anfang Juli sind die Kehlsteinwege bis auf eine Ausnahme großflächig abgesperrt. Die Absperrung wurde deshalb so großzügig gewählt, damit Ausflügler nicht auf einmal mitten auf der Baustelle stehen, nur weil sie vielleicht vor ein paar Tagen dort noch wandern oder radeln konnten

Bei den Sanierungsmaßnahmen kommen insgesamt drei Arbeitsteams zum Einsatz. Dabei wird versucht sicherzustellen, dass so wenig Beschäftigte wie möglich mit dem Material in Berührung kommen. "Die Arbeitsteams bearbeiten das Gebiet nach einem vorgegebenen Arbeitsplan. Das Material wird mit einem Bagger ausgebaut. Der Baggerführer sitzt währenddessen in einem klimatisierten Innenraum. 

Das Material wird dann mit einem kleineren Bagger abgefahren und zur Sammelstelle gebracht. Es gibt lediglich einen Handarbeiter vor Ort, der die Ausgrabung betreut. Dieser trägt einen Chemikalienschutzanzug, eine Atemschutzmaske und entsprechende Gummistiefel", so Baumann. Und ergänzt: "Die Schutzkleidung ist für die Arbeit in Schwarzbereichen genehmigt, sie ist staubpartikeldicht und trotzdem atmungsaktiv".

Der Unterschied zwischen Schwarz- und Weißbereichen

Bei Baustellen wird zwischen Weiß- und Schwarzbereichen unterschieden: "Als 'Weißbereiche' werden die Areale bezeichnet, in denen man ohne spezielle Schutzkleidung arbeiten kann", so erklärt Bauingenieur Christian Baumann. Und erklärt: "Kommt man aber in kontaminiertes Gebiet, dann spricht man von 'Schwarzbereichen'. Hier dürfen nur Beschäftigte mit entsprechenden Schutzanzügen arbeiten und ansonsten hat dort niemand etwas zu suchen. Das gilt auch für Besucher".

Derzeit wird übrigens noch nicht im Schwarzbereich gearbeitet, da vorab noch diverse Sanitäteinrichtungen wie Duschen, Umkleideeinrichtungen, etc. aufgestellt werden.

Der Abbau der Giftstoffe

Damit sichergestellt ist, dass alle Vorgaben eingehalten und alle Giftstoffe sachgemäß entfernt werden, ist die ganze Zeit ein Sachverständiger vor Ort. Dieser entscheidet wie tief die Bagger graben müssen. Die krebserregenden Gifte sind besonders stark in der rund fünf bis acht Zentimeter dicken Teerschicht vorhanden. Auch der Abtransport der Giftstoffe wird genauestens von dem Sachverständigen nach Paragraph 18 des Bundesbodenschutzgesetzes überwacht.

Die Kehlsteinwege wurden in der sogenannten "Makadam-Bauweise" hergestellt. Dabei werden insgesamt drei unterschiedliche Schichten aus Schotter, heißem Teer und dem feinkörnigeren Oberflächenmaterial verarbeitet. Bis weit in die 50er Jahre wurde diese Bauweise üblicherweise für den Straßenbau verwendet. Sind die Giftstoffe entfernt, werden die Wege wieder mit Sand und Kies aufgebaut.

Gesundheitsüberwachung der Mitarbeiter

Zum Schutz der Gesundheit, müssen alle Mitarbeiter, die in kontaminierten Bereichen arbeiten vorher zu einer arbeitsmedizinischen Untersuchung. Diese stellt einerseits sicher, dass der Mitarbeiter gesund und in der Lage ist, zum Beispiel mit einer Atemschutzmaske zu arbeiten. Andererseits werden aber auch vorher Blutbild, Gesamtzustand, Lungenfunktion etc. geprüft, um bei eventuellen Beschwerden während oder nach den Sanierungsmaßnahmen Vergleichswerte zu haben.

Außerdem bekommt jeder Mitarbeiter eine spezielle Sicherheitsunterweisung für Arbeiten im Schwarzbereich. Die Deutsche Arbeitsschutzgesetzgebung schreibt hier drin vor, wie in kontaminierten Bereichen gearbeitet werden muss. Anweisungen zu Arbeiten in Steilbereichen bei bei Arbeiten am Berg, werden dort ebenfalls aufgeführt.

Der Abtransport der Giftstoffe

Die Humus- und Wurzelschichten die als Erstes abgetragen werden, sind laut Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten zwar mit Giftstoffen  belastet, aber kein gefährlicher Abfall, der speziell gelagert werden muss. Weitaus problematischer hingegen ist der Steinkohlenteer, der in der zweiten Stufe abgebaut wird. Dieser muss bis zum Abtransport auf eine spezielle Enddeponie an Sammelplätzen mit einer Plane abgedeckt werden. Die Sammelplätze sind sowohl zum Erdreich als auch zu den Seiten so ausgelegt, dass ein Ausweichen der Giftstoffe ins Erdreich nicht möglich ist. Nach oben schützt eine Plane vor Umweltschädigungen. 

Bildergalerie: Es wird bereits fleißig gebaggert bei der Sanierung der Kehlsteinwege

Anschließend wird das abgetragene Material als Deponieersatzbaustoff auf eine zugelassene Mülldeponie eines Landkreises in Bayern transportiert, die vor der Schließung steht. Die Entsorgung von Hausmüll ist dort abgeschlossen und das Material von den Kehlsteinwegen wird hier als Deponieersatzbaustoff zur Verfüllung kontrolliert eingebaut. Wo genau das Material von den Kehlsteinwegen hinkommt, ist über einen Einzelentsorgungsnachweis nachvollziehbar. 

Aufgrund ihrer Eigenschaften als Hausmülldeponie ist das Gelände so abgeschlossen und abgedichtet, dass nichts ins Grundwasser sickern kann. Überwacht wird dieser Vorgang von der Gewerbeaufsicht, dem Landratsamt, der Berufsgenossenschaft und dem Bayerischen Landesamt für Umweltschutz.

Dauer der Arbeiten

Bis die Wege komplett saniert sind, wird es einige Wochen. "Wir werden vermutlich bis in den Herbst hinein brauchen, bis alles kontaminierte Material sicher entfernt und entsorgt ist", so Dr. Müller im Gespräch mit BGLand24.de.

Quelle: BGland24.de

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