Koalition von Tierschützern und Jägern

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von links nach rechts: Ludwig Fegg, Initiator der Unterschriftenaktion; Tessy Lödermann, Vizepräsidentin Tierschutzbund, Landesverband Bayern Staatsminister; Helmut Brunner; Edwin Burtscher, Vorsitzender "Wildwacht Allgäu"; Prof. Dr. Ernst Fink und Stefan Schopf, Jagdagenda 21; Hinten: MdL Thomas Dechant (FDP)

Berchtesgaden - Eine Aktion von Tierschützern und Jägern soll das heimische Wild retten: Mit über 20.000 Unterschriften fordern sie einen neuen Umgang mit Wildtieren.

Einer außergewöhnlichen Koalition sah sich Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gestern im Bayerischen Landtag gegenüber. Tierschützer und Jäger überreichten ihm gemeinsam 20.482 Unterschriften, mit denen ein neuer Umgang mit den Wildtieren gefordert wird.

"Schlechte Zeiten für das Wild erfordern neue Bündnisse, wie wir sie beim Widerstand gegen den Abschuss von Rotwild in den Wintergattern bereits im Frühjahr erfolgreich praktiziert haben", stellte Tessy Lödermann, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern fest. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn in Bayerns Wäldern das Tierschutzrecht ständig missachtet."

Der Berchtesgadener Jäger Ludwig Fegg, der die Unterschriftenaktion ins Leben gerufen hatte, forderte eine Rückkehr zu einem vernünftigen Umgang mit den frei lebenden Tieren, da diese unter dem einseitigen Motto "Wald vor Wild" in Bayern leider zu Schädlingen degradiert seien. "Wir müssen dem Wild, unter Berücksichtigung waldbaulicher Aspekte die Lebensräume bieten, die ihm zustehen. Reh, Hirsch und Gams gehören zu Bayern, wie die Wälder, Berge und Seen", so Fegg.

"Was wir brauchen, ist eine ideologiefreie, wissenschaftlich begründete Neubewertung des Totschlagslogans "Wald vor Wild", forderte Stefan Schopf, Vorsitzender der Jagdagenda 21.

Die Vertreter des Tierschutzes und der Jagdagenda 21 forderten Minister Brunner auf, Missstände in den Staatsforsten endlich zur Kenntnis zu nehmen und abzuschaffen: So führten die Aufhebung von Schonzeiten, Nachtabschüsse und ganz besonders die Futterhaufenjagd (Kirrung) zu erhöhten, hausgemachten Wildschäden. Dies belege ein wissenschaftliches Gutachten von Dr. Peter Meile, das im Rahmen der Bergwaldoffensive erstellt worden ist.

Des weiteren forderte das Bündnis die artgerechte Notzeitfütterung des Wildes, um dem Verbiss oder der Schälung von Bäumen vorzubeugen und die Abschaffung des Forstlichen Gutachtens, das landläufig als "Verbissgutachten" bezeichnet wird. Dieses entbehre jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen und diene nur dazu, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, die Wälder in Bayern wären durch zu viele Rehe, Hirsche und Gämsen in ihrem Fortbestand gefährdet.

Staatsminister Helmut Brunner meinte: "Für mich gilt: Nicht was verbissen ist, sondern was durchkommt, ist für den Wald entscheidend."

 Pressemitteilung: Deutscher Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V.

Quelle: rosenheim24.de

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