Nach knapp 30 Jahren geht Dr. Bernhard Zenke in Ruhestand

Bernhard Zenke: "Das Auge an der Schneedecke"

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Im Kreis von Landrat Wolfgang Berthaler und den Bürgermeistern des Inntals wurde Dr. Bernhard Zenke in den Ruhestand verabschiedet.
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Oberaudorf - Im Rahmen der diesjährigen Tagung der Lawinenkommission verabschiedete sich der Leiter der Bayerischen Lawinenzentrale aus dem aktiven Dienst. Rückblick auf 30 Jahre Tätigkeit: 

Über eine Tatsache waren sich alle Teilnehmer der diesjährigen Tagung der Rosenheimer Lawinenkommission einig. Der milde Winter 2013/2014 bedeutete vergleichsweise wenig Arbeit für die ehrenamtlichen Mitglieder der heimischen Organisationen. Die grundlegende Bedeutung der Lawinenkommissionen in Aschau, Brannenburg, Kiefersfelden und Oberaudorf sei jedoch in Hinblick auf tragende Rolle des Tourismus in der Region nach wie vor sehr groß, betonte der Gastgeber und Bürgermeister der Gemeinde Oberaudorf am Dienstag. Besonders die immer beliebter werdenden Sportarten "Freeride" und Snowboarden abseits präparierter Pisten riefen die Gemeinden stärker in die Verantwortung, die betroffenen Gebiete und auch die Sportler selbst mit geeigneten Maßnahmen zu schützen.

Lawinenwarndienst Bayern mit zentraler Rolle

Einen großen, wenn nicht den größten Beitrag zur Sicherheit der Sportler am Berg, leiste dabei der Bayerische Lawinenwarndienst nach seiner Gründung vor über 50 Jahren nach dem verheerenden Lawinenabgang auf der Zugspitze, der damals zehn Tote und viele weitere Verletzte forderte. Laut Landrat Wolfgang Berthaler konnte die Kommissionen so mit Unterstützung des Dienstes und der sich ständig verbessernden Technik die meisten größeren Unglücke seither verhindern. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistete der Leiter des Warndienstes, Dr. Bernhard Zenke, der in seinen knapp 30 Jahren im Dienst einige entscheidende Impulse geben konnte.

"Das Auge an der Schneedecke"

In seiner Retrospektive "30 Jahre Lawinenwarndienst – Rückblick und Vorschau" berichtete Dr. Bernhard Zenke im Anschluss an die aufgrund des milden Winters kurz gehaltenen Erfahrungsberichte der Lawinenkommissionen, Bergwachten und der Polizei dann über sein Wirken in der Organisation.

Obwohl man traditionell einen schneearmen Winter eher mit mehr Lawinen in Verbindung bringe, sei Bayern in der vergangenen Saison verschont geblieben, so Dr. Bernhard Zenke. So habe sich die Verteilung bei den Gefahrenstufen 2013/14 häufiger im Bereich 1 und 2 abgespielt, erklärte der Leiter des Lawinenwarndienstes. Lediglich an zwei Tagen im März wurde die Meldestufe 4 erreicht. Der Dienst verzeichnete im gesamten Winter insgesamt einen tödlichen Unfall.

In Anbetracht der angespannten Situation im Jahr 2011/12 komme Zenke jedoch zweifellos zu dem Schluss, dass auch in Zukunft weiter starke Schwankungen bei der Stärke der Schneefälle und der damit einhergehenden Lawinengefahr stattfinden werden. Besonders für die tieferliegenden Bereiche und die dortigen Straßen bedeute das eine unveränderte Bedrohungslage, so Zenke weiter.

In seinem anschließenden Rückblick auf die letzten 28 Jahre im Dienst des Lawinenwarndienstes widmete sich Dr. Bernhard Zenke besonders dem technischen Fortschritt, den man mittlerweile zu verzeichnen habe. Angefangen beim ersten Computer zum Preis von damals 50.000 DM, über den ersten Online-Auftritt im Jahr 1998 bis hin zum flächendeckenden Mess-Netz am Alpenrand mit 17 Stationen und der Möglichkeit für private Nutzer, auch mobil auf die Daten zugreifen zu können, berichtete Zenke über den digitalen Fortschritt beim Lawinenwarndienst.

Besonders stolz präsentierte Zenke die neueste Errungenschaft des Dienstes. Ein Netzwerk aus hochauflösenden Kameras, die im 10-Minuten-Rythmus Bilder von markanten Aussichtspunkten in der Bergwelt anfertigten. Die Aufnahmen können unter www.foto-webcam.eu angesehen und auch abgerufen werden. Neben der Technik dürfe man aber keinesfalls die ehrenamtlichen Mitarbeiter vergessen. Ein umfangreiches Beobachter-Netzwerk, "die Augen an der Schneedecke" bildeten mit den Tests und Proben vor Ort die Grundlage für die qualitativ gute Arbeit des Lawinenwarndienstes, so Zenke abschließend.

Von seiner Tätigkeit als Leiter des Lawinenwarndienstes tritt Dr. Bernhard Zenke jetzt in zwei Wochen zurück und begibt sich nach 28 Jahren beim Bayerischen Lawinenwarndienst in den Ruhestand. 

Sachstandsbericht des vergangenen Winters aus den Gemeinden

In Aschau im Bereich der zuständigen Gebiete der Kommission rund um die Kampenwand fanden im Winter 2013/14 insgesamt drei Lawinensprengungen statt. Mitte März 2014 war es zusätzlich zu starken Schneefällen gekommen, der Skibetrieb war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits eingestellt. Gleiches gilt für die Kommission, die für den Bereich Oberaudorf und Kiefersfelden zuständig ist. Darüber hinaus konnten auf dem Sudelfeld an den bekannten Stellen nur leichte Gleitschneelawinen beobachtet werden. Die Schneefallgrenze lag dort an den meisten Tagen über 1.000 Metern. Bei Brannenburg, genauer in den Bereichen des Wendelstein, fiel der Skibetrieb im vergangenen Winter gar komplett aus, insgesamt 20 Sicherheitssprengungen durch den Betreiber der Liftanlagen am Wendelstein waren hier zu verzeichnen. Alle Kommissionen konnten keine Unfälle, die auf abgehende Lawinen zurückzuführen waren, feststellen.

Quelle: rosenheim24.de

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