Vom Betrugsopfer zum Straftäter

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - 2008 hatten zwei Betrüger mehrere Opfer mit großartigen Renditeversprechungen geprellt - darunter auch Polizisten. Ein Beamter stand nun in dieser Sache selbst vor Gericht.

Wie jedes Schneeballsystem brach auch dieses zusammen und ließ im Raum Rosenheim viele Enttäuschte, Geprellte und Verzweifelte zurück.

Die zwei Betrüger sitzen inzwischen im Gefängnis, eine weitere pikante Note bekam die Geschichte aber, als sich herausstellte, dass unter den Betrogenen fünf Beamte der Polizeidirektion Rosenheim waren. Solche Kunden waren für die Betrüger damals ein besonderer Beleg für ihre Vertrauenswürdigkeit.

Vor Gericht stand nun ein Polizeibeamter, der 2008 verzweifelt versuchte, die 16.000 Euro, die er investiert hatte, zu retten. Er ist der große Verlierer der Betrugsgeschichte. Nicht nur dass die 16.000 Euro weg sind - zudem wurde er wegen des Verrates von Dienstgeheimnissen und der versuchten Strafvereitelung zu neun Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, und einer 4000- Euro-Geldstrafe verurteilt.

Wie viele andere Geleimte bedrängte er die beiden Gauner - sofern diese überhaupt erreichbar waren - die Einlagen zurückzuzahlen. Aus Sorge um sein Kapital kontrollierte der Verkehrspolizist unbefugterweise das interne Infosystem seiner Kripo-Kollegen, um herauszufinden, ob bereits ermittelt wurde. Als Anfang Juni 2008 tatsächlich ein Verfahren eröffnet wurde, informierte er die Beschuldigten über die Tatsache.

Weit gefehlt. Es war nicht nur sein Geld weg; die Betrüger berichteten in ihren Vernehmungen auch darüber, dass sie von ihm einen Tipp bekommen hätten. Der ermittelnde Beamte sagte aus, die Betrüger hätten damit Zeit gehabt, belastende Akten und Nachweise über den Verbleib des Geldes beiseite zu schaffen.

Der 40-jährige Beamte beteuerte, er habe lediglich im Vorfeld gedroht, dass so ein Betrug strafrechtliche Konsequenzen haben könnte - um zu seinem Geld zu kommen. Allerdings konnte man ihm den mehrfachen Zugriff auf den Polizeicomputer nachweisen. Zudem fanden sich E-Mails an die Betrüger, in denen die Tatsache der einsetzenden Strafverfolgung bestätigt wurde.

Diese belastenden Belege listete die Staatsanwaltschaft auf und hielt den Beamten damit des Verrates von Dienstgeheimnissen und der versuchten Strafvereitelung für überführt. Ihr Antrag: neun Monate Gefängnis, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald von Koskull, verwies darauf, dass diese Infos keinesfalls Dienstgeheimnisse gewesen sein könnten, weil im Vorfeld bereits eine Vielzahl von Geschädigten als Zeugen einvernommen worden sei. Die Aussagen der angeblichen Hauptbelastungszeugen aus den polizeilichen Einvernahmen hatten ihre damaligen Aussagen nun im Zeugenstand völlig anders erklärt und seien heute als Entlastungszeugen zu sehen. Er beantragte Freispruch für seinen Mandanten.

Im eindringlichen Schlusswort versuchte der Angeklagte nochmals darzulegen, dass die Ermittlungen gegen ihn nicht objektiv und ausschließlich im Hinblick auf belastende Momente geführt worden seien. Richter Christian Merkel sprach ihn dennoch schuldig im Sinne der Anklage. Zu schlüssig erschienen ihm die belastenden Argumente. Zu konstruiert die Argumente des Angeklagten. Auch die rechtlichen Einwände der Verteidigung wies er zurück. Eine Geldbuße von 4000 Euro wird den Schmerz für den Polizeibeamten noch vertiefen. Darüber hinaus muss er nun noch die Entscheidung der Disziplinarbehörde fürchten.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser