Kein Platz für Sozialromantik

Ohne Hilfe würden viele Verurteilte ihre Bewährungszeit nicht straffrei überstehen. Sie müssten dann wieder zurük ins Gefängnis. Foto dpa

Rosenheim/Landkreis - Die Hechtseestraße 5 ist Anlaufstelle für etwa 1000 Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Rosenheim. Die Bewährungshilfe kümmert sich um Straftäter.

Menschen, zu denen der Strafrichter nach dem Urteil sagt: "Sie haben sich binnen drei Tagen nach Rechtskraft des Urteils dort zu melden", machen sich dann auf den Weg in das Büro der Bewährungshilfe.

Zwölf Mitarbeiter, ausnahmslos diplomierte Sozialpädagogen, bemühen sich darum, verurteilten Straftätern zurück in ein geregeltes, und insbesondere straffreies Leben zu helfen. Um die 100 Probanden betreut jeder der Vollzeitangestellten.

Ein Drittel davon wurde vorzeitig aus der Haft entlassen und braucht deshalb Hilfen, um ein normales, bürgerliches Leben aufzunehmen. Die anderen wurden zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Allen aber droht das Gefängnis, wenn sie die Auflagen des Gerichts nicht erfüllen. Der weitaus überwiegende Teil der Straftäter stand wegen Eigentumsdelikten vor Gericht. Darauf folgen Gewalttäter und an dritter Stelle sind es Drogendelikte, die zu der Verurteilung geführt haben.

So wie Günther R. (Name geändert), der haarscharf an einer Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt war. Auch in seiner Bewährungszeit hatte er - wie immer in seinem Leben - geschlampt. Seine gemeinnützigen Arbeiten, die ihm der Richter auferlegt hatte, interessierten ihn nicht. Alles was vor 11 Uhr stattfand, war ihm zu früh.

Bis ihn sein Bewährungshelfer beim Richter meldete. Bevor der nämlich die Bewährung widerruft, zitiert er den Verurteilten zu einer Anhörung, um die Gründe für das Fehlverhalten zu werten. Günther R. hatte keine Entschuldigungen, erzählte nur von seinen Schwierigkeiten aufzustehen. Richter und Bewährunghelfer beschlossen, ihm eine letzte Chance zu geben. Allerdings mit der zusätzlichen Maßgabe, sich einmal wöchentlich um Punkt 8 Uhr bei seinem Bewährungshelfer zu melden. Ansonsten würde er umgehend hinter Gitter kommen.

Und es funktionierte. R. schaffte es, in der Früh aufzustehen, er kam regelmäßig zu seinen Arbeitsauflagen. Am Ende fand er sich in einen neuen Lebensrhythmus ein, bewarb sich um einen Job, bekam ihn und ist seither straffrei geblieben.

Die meisten ihrer Klienten, so Diplom-Pädagogin Helga Kamhuber-Probst, nehmen die Hilfen gerne an. Kamhuber-Probst leitet die Bewährungshelfer-Behörde für den Landgerichtsbezirk Traunstein. "Bei der Arbeit mit unseren Klienten gilt es, Vertrauen aufzubauen und dennoch Distanz zu wahren. Das ist nicht immer leicht, weil oft auch erschütternde Schicksale dabei sind."

Doch Mitleid würde diesen Menschen nicht helfen. Häufig müssten sie die einfachsten Verrichtungen und Kontakte erst lernen. "Das funktioniert aber nur, wenn man sie anleitet, nicht wenn man ihnen diese Tätigkeiten abnimmt."

Dass sich der Aufwand lohnt, berichtet Kammhuber-Probst am aktuellen Beispiel eines vielfach vorbestraften Klienten, der sich nach Jahren der Sucht in seiner, von der Bewährungshilfe vermittelten, neuen Arbeitsstelle neu orientiert hat. Nun hat man ihm dort, obwohl weit über 20 Jahre alt, eine Lehre angeboten, die er engagiert antrat um so mit erlerntem Beruf einer positiven Zukunft entgegensehen zu können.

Die Statistik bestätigt den Erfolg der Betreuungsarbeit: Fast 70 Prozent der Erwachsenen und nahezu 60 Prozent der Jugendlichen stehen die Bewährungszeit durch, ohne dass die Reststrafe vollzogen werden muss.

Auch die Richter am Amtsgericht Rosenheim äußern sich zufrieden über die Arbeit der Bewährungshilfe. Strafrichter Heinrich Loeber betont: "Dass die Gesellschaft mit einem gewissen Maß an Kriminalität leben muss, ist eine Tatsache. Dass dieses Maß nicht zu groß wird, ist fraglos auch ein Erfolg der Bewährungshelfer."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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