Die Biber sind weg

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Plitsch oder Platsch? So genau wusste man das nie. Dieses Bild stammt vom Frühjahr, inzwischen sind die beiden kräftig gewachsen und haben in der gewonnenen Freiheit Überlebenschancen.

Rosenheim - Es war alles gut geplant, doch Plitsch und Platsch, die beiden Biber von der Landesgartenschau, haben dem Bund Naturschutz einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Am Tag, als sie nach England reisen sollten, waren sie spurlos verschwunden. Bis heute sind sie nicht mehr aufgetaucht.

"Als wenn sie es geahnt hätten", meint Ursula Fees vom Bund Naturschutz. Sie hatte die beiden Nager noch zwei Tage vorher auf dem Monitor gesehen. Als der Bund Naturschutz sie abtransportieren wollte, waren sie unauffindbar.

Hat es eine Befreiungsaktion gegeben, weil jemand nicht damit einverstanden war, dass Plitsch und Platsch nach England auswandern sollten? Gerhard Schwab, Biberbeauftragter für Südbayern, kann eine solche Frage verstehen, denn an seinem Vorschlag, die Biber sollten im "Wildwood Discovery Park" eine neue Heimat finden, hatte es durchaus Kritik gegeben. Doch der Biberbetreuer ist überzeugt, dass die Biber auf natürliche Weise das Gehege verlassen haben, durch eine Röhre, die sie selbst gegraben haben.

Ursula Fees erklärt, das Mangfallhochwasser in diesem Sommer habe offenbar dazu geführt, dass, unbemerkt von den Betreuern, eine der Durchgrabesicherungen unter Wasser, die den Lebensbereich von Plitsch und Platsch begrenzten, unterspült wurden. So hätten sie den Weg in die Freiheit gefundend. Als das Fehlen der beiden bemerkt wurde, hat Gerhard Schwab seinen Dackel in alle Gänge geschickt, doch auch dieser konnte die beiden nicht auftreiben.

Das Reservat in England war das nächstgelegene mit freien Kapazitäten und wäre aus Schwabs Sicht die beste Lösung für den Verbleib der Tiere gewesen, trotz der langen Fahrt. Die Biber stammten aus Niederbayern, wo sich Mutter und Vater in einem Straßengraben verirrt hatten. Von einem Feld auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Reviers holten sie sich jeden Abend Zuckerrüben - gefährlich nicht nur für die Biber selbst, sondern auch für Auto- und Mopedfahrer. Die Tiere wurden eingefangen und in einem Gehege gehalten. Dort brachte das Weibchen im Sommer letzten Jahres drei Junge zur Welt, darunter "Plitsch und Platsch".

Sie sind jetzt 14 Monate alt, groß genug, um im Freien zu überleben, sich zu ernähren und Bäume zu fällen.

Wo sie ein Revier gefunden haben, werde sich nicht feststellen lassen, meint Schwab. Biber suchen sich dort einen Platz, wo noch keine Artgenossen siedeln. Identifizierbar sind sie jedoch nicht einmal durch Experten. Gerhard Schwab hat sich viel um die beiden gekümmert. Doch selbst er würde sie nicht wiedererkennen: "Es sei denn, ich sehe zwei Biber im Gelände, rufe ,Plitsch' und ,Platsch' und die zwei winken zurück."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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