Bittere Erfahrung mit eigenem Gemüseanbau

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Der Stolz auf die eigene Ernte wich schnell dem blanken Grausen. Eine Rosenheimer Hobby-Gärtnerin entsorgte ihre Zucchinistaude, nachdem sie aufgrund zu bitterer Früchte eine Vergiftung bekommen hatte.

Rosenheim - Ein Ehepaar hat sich mit seinen im Garten angebauten Zucchini vergiftet. "Das ist nicht ungewöhnlich", sagen Experten.

Schuld sind die in kürbisartigen Gewächsen enthaltenen Bitterstoffe. Verbraucher sollten bitter schmeckende Gurken, Zucchini oder Kürbisse daher besser auf dem Kompost entsorgen als in der Küche zuzubereiten.

Seit jeher zieht das Rosenheimer Ehepaar sein Gemüse im eigenen Garten. Rund um das Haus gedeihen neben Beeren und Obst auch Bohnen, Kohlrabi und Salate.

Auch Zucchini hat die begeisterte Hobby-Gärtnerin angebaut. Damit hätte sie nun sich und ihren Mann beinahe vergiftet. Die gedünsteten Zucchinifrüchte hätten zwar recht bitter geschmeckt, das gibt die Rosenheimerin im Nachhinein offen zu, aber - weil selbst gezogen - hätten sie sie tapfer gegessen. "Als Gärtner ist man eben stolz auf seine Ernte", rechtfertigt die Rosenheimerin ihr Tun.

Dennoch hätte das Paar besser auf die hauseigene Mahlzeit verzichtet. Bald nach dem Verzehr stellten sich nämlich üble Bauchschmerzen und Erbrechen ein, was die beiden zunächst als "Bauchgrippe" abtaten. Als dann aber blutiger Stuhl und bösartige Bauchkrämpfe hinzukamen, suchten sie umgehend den Hausarzt auf.

Heute geht es den beiden zwar wieder gut, Experten sind sich allerdings einig: Das Paar hätte die Zucchini niemals essen dürfen. Harald Lorenz vom Landratsamt Rosenheim: "Wenn man die Bitterstoffe schmeckt, dann sollte man die Zucchini oder Gurken sofort wegwerfen!" Früher sei es übrigens nichts Ungewöhnliches gewesen, dass Gurken oder Zucchini bitter schmeckten. "Die Älteren erinnern sich sicher daran, dass man vor 50 Jahren die Salatgurken nicht von der Blütenseite her schälen sollte, weil dann die Gurke bitter schmecken würde. Dabei handelte es sich - wenn auch in geringerem Maße als bei dem Rosenheimer Paar nun passiert - um eben diese Bitterstoffe", so Lorenz.

Moderne Kürbissorten, zu denen Gurken und Kürbisse gehören, würden diese Stoffe nicht mehr enthalten, erklärt Gerhard Radlmayr von der Staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan. "Die Forschung der vergangenen Jahre ging dahin, die Bitterstoffe aus den Pflanzen heraus zu züchten." Hobby-Gärtner, die jedes Jahr ein Packerl frischer Samen kaufen würden, hätten keinerlei Gefahren zu befürchten.

Kritischer werde es dagegen, wenn altes Saatgut verwendet oder Zierkürbisse in der Nähe der Zucchini angebaut würden. Dadurch nämlich entstünden sogenannte Hybridpflanzen. Harald Lorenz: "Zierkürbisse etwa enthalten sehr viele dieser Bitterstoffe. Und Bienen unterscheiden nicht zwischen den einzelnen Pflanzen und Grundstücksgrenzen." So könnte es passieren, dass die Zierkürbisse vom Nachbarsgarten die Gurken oder Zucchini im eigenen ungenießbar machten.

Das Rosenheimer Ehepaar hat seine Lehren aus dem Vorfall gezogen. Auch wenn das Wegwerfen der eigenen Ernte noch bitterer sein mag als deren Geschmack auf der Zunge, werden sie in Zukunft mehr auf die Qualität ihrer hauseigenen Gemüse achten. Nur noch im Supermarkt einzukaufen, wo die Waren garantiert unbedenklich sind, wollen sie dennoch nicht: "Nichts geht über unseren Gemüsegarten!"

au/zip/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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