Es bleibt noch viel zu tun

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Männer durften auch kommen, aber beim Festabend "100 Jahre Internationaler Frauentag" im Rathaus beherrschten Frauen das Bild; vorne links Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, neben ihr Dr. Hanne Schaffer.

Rosenheim – „Schwestern von gestern?“. Der Titel für die Feier im Rathaus zum Thema „100 Jahre Frauentag“ war provokant.

"Das regt zu Diskussionen an", sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrem Grußwort. Diskussionen gab es reichlich. Die rund 150 Gäste, überwiegend Frauen, nutzten nach einem Rückblick auf 100 Jahre Frauenbewegung von Gastrednerin Dr. Hanne Schaffer, Soziologieprofessorin an der Stiftungsfachhochschule München, beim gemütlichen Zusammensein im Foyer des Rathauses die Zeit für Gespräche. Einig waren sich alle: Es hat sich schon viel getan in Richtung Gleichberechtigung und Frauenrechte, doch es bleibt noch viel zu tun, um wahre Gleichstellung zu erreichen.

In Führungspositionen immer noch rar

Die Forderungen "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren immer wieder zu hören. "Frauen sind die Zukunft", ist sich die Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sicher. 51 Prozent der Hochschulabsolventen sind Frauen, und "hinsichtlich der politischen Partizipation von Frauen könnte man fast meinen, die Gleichstellung von Mann und Frau sei erreicht", vor allem mit Blick auf Rosenheim und das Umland, wo Frauen EU-Abgeordnete, Bundestagsabgeordnete, Landtags- und Bezirkstagsabgeordnete, Oberbürgermeisterin und stellvertretende Landrätin stellen.

Doch in Führungspositionen in der Wirtschaft sind Frauen auch in der Region noch immer rar. Allerdings liege dies nicht nur an dem Patriarchat der Firmenchefs, sondern auch an den Frauen, die noch immer geschlechterspezifische Berufe und Studiengänge wählen, meinte Bauer. Umfragen zufolge würde zudem nur ein Viertel der Frauen den Sprung in die Führungsetage als erstrebenswert ansehen; 73 Prozent würden zugunsten der Kinder auf volle Berufstätigkeit verzichten. Fazit Bauers: "Bevor wir über Quoten sprechen, müssen wir über Lebensentwicklung sprechen".

Lebensentwicklung war schon 1830 ein Thema für Frauen, wie Dr. Schaffer in ihrem Rückblick aus dem Leitartikel der "Femme libre" zitierte: "Wir werden frei geboren, wie der Mann, und die Hälfte des Menschengeschlechts darf nicht ungerechterweise der anderen unterworfen sein."

Der erste Internationale Frauentag fand 1911 in Berlin statt. Themenschwerpunkt war das Wahlrecht für Frauen, das nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs schließlich am 12. November 1918 gesetzlich verankert wurde. Wenngleich oftmals nicht als politische Akteurinnen beliebt, änderte sich nach und nach Wesentliches für das weibliche Geschlecht.

Frauenrechte als Gratmesser

Seit 1921 wird der Internationale Frauentag weltweit jährlich am 8. März begangen - während der Herrschaft der Nationalsozialisten konnte der Frauentag nur heimlich gefeiert werden. In den 1980er-Jahren demonstrieren die Frauen weltweit für die Gleichberechtigung, für Abrüstung und Entspannung und in Deutschland zudem gegen die Stationierung von Atomraketen auf deutschem Boden.

"Durch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten kam es zumindest für die Frauen im Osten auch zu einigen Verlusten vorher geltender Rechts- und Schutzbestimmungen. Es gibt keine betriebliche Frauenförderung mehr, der bezahlte Hausarbeitstag wurde abgeschafft, die außerhäusliche Kinderbetreuung reduziert", informierte Schaffer.

Allerdings seien trotz einer weiblichen Erwerbsquote von bis zu 90 Prozent in der DDR nur 20 Prozent der Frauen in mittlere und obere Leitungspositionen gelangt. In den höchsten Partei-, Wissenschafts- und Wirtschaftsgremien habe der Frauenanteil sogar nur zwei bis drei Prozent betragen.

Hauptmotto der Frauenbewegung der 90er-Jahre war: "Frauenrechte sind Menschenrechte!" Noch heute gelte, was der philosophische Denker Charles Fourier bereits im 19. Jahrhundert formuliert hat: "Der Zustand einer Gesellschaft bemisst sich an der Stellung der Frauen." Frauenrechte seien bis heute ein Gratmesser für den erreichten Zivilisationsstand", so Schaffer.

An den Internationalen Frauentag wird in Rosenheim seit 17 Jahren mit einem bunten Programm über mehrere Wochen hinweg erinnert. Organisatorinnen sind neben der Gleichstellungsstelle der Stadt, deren Leiterin Martina Wildenburg durch den Abend führte, insgesamt 18 Organisationen, Verbände und Frauengruppen. Musikalisch umrahmt wurde der Festabend von der Rosenheimer Harfinistin Maria Graf.

csi/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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