Blühen wieder rosige Zeiten für Radler?

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Lieferautos dürfen morgens und abends die Fußgängerzone befahren, Radfahrer müssen absteigen. Das soll sich ändern, wenn es nach dem Arbeitskreis zur Förderung des Fahrradverkehrs geht.

Rosenheim - Rosige Zeiten für Radler? Rosenheim will an die Zeiten des Modellprojekts „Fahrradfreundliche Stadt“ anknüpfen und den Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr wieder steigern.

Zur Diskussion steht unter anderem, das Radfahren in der Fußgängerzone zu erlauben, und zwar nachts und während der Lieferzeiten, wenn auch Autos zugelassen sind.

Fünf Jahre lang hatte ein externes Fachbüro im Auftrag des Umweltbundesamtes in den 80er-Jahren das Modellprojekt „Fahrradfreundliche Stadt“ betreut und alle möglichen Ideen ausprobiert, um den Leuten auf den Sattel zu helfen. Der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr stieg damals von 11 auf 25 Prozent. Inzwischen ist er wieder gesunken, auf 20 Prozent. Dieser Anteil ist im Vergleich mit anderen Städten zwar relativ hoch, liegt aber nach Überzeugung der Verwaltung deutlich unter dem, was mit aktiver Radverkehrsförderung erreichbar wäre.

Der Arbeitskreis zur Förderung des Fahrradverkehrs, bestehend aus Stadträten, Mitgliedern der Verwaltung und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs hat Vorschläge erarbeitet, über die der Verkehrsausschuss noch einzeln beraten wird. Im Ansatz zeigte sich aber schon bei der Vorstellung, dass quer durch die Fraktionen eine Front verläuft zwischen Fahrrad- und Autofahrern. Vor allem das Befahren der Fußgängerzone dürfte zum Reizthema werden. Erste ablehnende Stimmen wies Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zurück: „Den Konsum von Alkohol im Mangfallpark erlauben, aber den Fahrradfahrern die Abkürzung nicht gönnen. Merkwürdige Zeiten.“

Folgende Forderungen hat der Arbeitskreis aufgestellt:

  • Mehr Radwege und Verbesserungen von Radwegen an Hauptverkehrsstraßen, unter anderem in der Kufsteiner Straße, Äußeren Münchener und Innsbrucker Straße. Wegen der besseren Sichtverhältnisse an Kreuzungen und Einmündungen vermehrt Angebotsstreifen und Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau.
  • Verbesserungen an weiteren Abschnitten der Radwege entlang der Mangfall.
  • Bau einer neuen Fußgänger- und Radfahrerbrücke in der Nähe des Bahnhofs, nachdem das Radfahren in der neuen Unterführung nicht gestattet ist. Bei der Rahmenplanung für das Bahngelände ist eine Brücke in Verlängerung der Münchener Straße schon vorgesehen.
  • Eine neue Verbindung entlang der Bahngleise vom Innradweg zum Mangfallradweg entlang der Brückenstraße, unter der Innsbrucker Straße hindurch, dann auf der Trasse eines stillgelegten Industriegleises über die Mangfall. Eine Vorplanung wurde bereits erstellt. Untersuchung weiterer neuer Radwegeverbindungen entlang der Bahngleise, zum Beispiel nach Kolbermoor.
  • Freigabe von noch mehr Einbahnstraßen für den Fahrradverkehr in Gegenrichtung.
  • Damit der Radverkehr die Innenstadt ohne Umwege durchqueren kann, Freigabe der Fußgängerzonen von 18 oder 19 Uhr abends bis 10 Uhr morgens.
  • Nachrüsten der städtischen Ampelanlagen mit Radverkehrssignalen. Bei der Neuanlage oder beim Umbau von signalgeregelten Knoten Möglichkeiten zum direkten oder indirekten Linksabbiegen für Radfahrer einplanen.
  • Mehr aufgeweitete Aufstellbereiche wie am Knoten Wittelsbacherstraße/Aventinstraße.
  • Verbesserung der Radverkehrsführung an Baustellen. Bei vielen Baustellen wird standardmäßig das Schild „Radfahrer absteigen“ aufgestellt, völlig unabhängig davon, ob dies tatsächlich notwendig ist. Bauherren, Bauunternehmen und Veranstalter bei der Einrichtung von Baustellen und Veranstaltungsbereichen durch die Straßenverkehrsbehörde gezielt für die Belange des Radverkehrs sensibilisieren, um Einschränkungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.
  • Radfahrstreifen und Radwege künftig bei der Straßenreinigung und beim Winterdienst mit höherer Priorität behandeln.
  • Bei den städtischen Gebäuden Fahrradständer nach und nach durch bessere ersetzen. Der Arbeitskreis stellt fest: „Eine Informationsbroschüre und ein Empfehlungsschreiben der Oberbürgermeisterin an die städtischen Gesellschaften zu diesem Thema haben bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg gezeigt.“
  • Die Qualität von privat aufgestellten Fahrradständern durch Einzelhandel und Gastronomie über die Sondernutzungssatzung beeinflussen.
  • Am Bahnhof die Fahrradstation durch einen Neubau in günstiger Lage zu den Bahnsteigen ersetzen. Es gibt bereits eine Vorplanung.
  • Die Wegweisung wesentlich verbessern und bis Ende 2011 abschließen.
  • Mit Anbietern über Fahrradverleih am Bahnhof, an der Touristinformation oder am Rathaus verhandeln.
  • Elektrofahrräder durch die Einrichtung von Ladestationen fördern.
  • Um eine die Vorreiterrolle der Stadt beim Thema Elektromobilität zu dokumentieren, Beschaffung von Elektrofahrrädern als Dienstfahrräder für Bürgermeister und Dezernenten.
  • Spezielle Radverkehrszählungen, Einrichten mehrerer Dauerzählstellen, unter anderem am Mangfall- und Innradweg.. Die Öffentlichkeit soll durch regelmäßige Bekanntgaben im Stadtrat und zusätzliche Veröffentlichung interessanter Einzelergebnisse über die Entwicklung des Radverkehrsaufkommens informiert werden.
  • Jährlich 150.000 Euro im Haushalt bereitstellen.

Zur Begründung führt der Arbeitskreis an, adverkehrsanteile von 30 Prozent und mehr würden nur in Städten erreicht, die über einen längeren Zeitraum eine konsequente Radverkehrsförderung betreiben und gleichzeitig einschränkende Maßnahmen gegenüber dem Kfz-Verkehr umsetzen.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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