Mit "Blüten" eingekauft

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Rosenheim - Die Fälschungen, mit denen zwei Neapolitaner in Geschäften und in einem Supermarkt einkauften, waren laut Gutachten durchaus zur Täuschung im Zahlungsverkehr geeignet.

Trotzdem wurden die beiden Ganoven erwischt und mussten sich nun vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber wegen gemeinsamer Geldfälschung verantworten.

Wie der Schwindel tatsächlich aufflog, wurde in der Verhandlung nicht hinterfragt. Etwas seltsam an der Sache erscheint, dass bei den beiden Italienern außer den drei gefälschten 100-Euro-Scheinen kein weiteres Falschgeld gefunden wurde. Mit den drei falschen Hundertern kauften sie Kleinigkeiten wie Zahnpasta, ein Glas Nutella oder billige Kopfschmerztabletten. Klar - sie wollten echtes Wechselgeld erhalten. Aber wer fährt schon mit "nur drei Blüten" von Neapel nach Deutschland, um dort einzukaufen?

Um eventuell eine zeitaufwendige Beweisaufnahme mit mehreren Zeugen zu vermeiden, stellte das Gericht den beiden Angeklagten im Falle eines Geständnisses eine Strafmaßobergrenze in Aussicht. Die Hauptverhandlung wurde unterbrochen, damit die beiden Verteidiger mit ihren Mandanten das Pro und Contra erörtern konnten.

Ansehnliche Vorstrafenliste

Die Vorstrafenlisten der beiden Angeklagten waren unterschiedlich. Die deutsche Liste enthielt bei beiden Angeklagten keinen Eintrag; hingegen wies die italienische für einen der Angeklagten mehrere Einträge wie Diebstahl, Körperverletzung, Raubüberfall, Diebstahl in Mittäterschaft sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte aus. Einige der Strafen mussten im Knast abgesessen werden, eine der angeführten Haftstrafen durfte nach italienischem Recht sogar zu Hause abgesessen werden. Diese Variante von Abbüßen einer Freiheitsstrafe rief beim Gericht ein leichtes Schmunzeln hervor.

Nach längerem Hin und Her konnte die Hauptverhandlung fortgesetzt werden. Die beiden Angeklagten ließen über ihre Verteidiger erklären, dass sie bereit seien, ein volles Geständnis abzulegen. Der Angeklagte mit der ansehnlichen Vorstrafenliste ließ das Gericht auch wissen, dass er alle drei Einkäufe und Bezahlung mit dem Falschgeld allein getätigt habe, während der Kollege im Auto sitzengeblieben war.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die beiden Verteidiger der Angeklagten gingen in ihren jeweiligen Plädoyers davon aus, dass es sich um einen minder schweren Fall der Geldfälschung handle.

Entsprechend glimpflich fiel das Urteil aus. Wegen gemeinschaftlich begangener Geldfälschung verurteilte das Gericht den bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Angeklagten wegen Mittäterschaft zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ferner hat er 1000 Euro in monatlichen Raten an eine karitative Einrichtung zu zahlen. Der bestehende Haftbefehl wurde aufgehoben.

Anders beim zweiten Angeklagten: Aufgrund seiner Vorstrafenliste einschließlich Knasterfahrung konnte das Gericht keine positiven Ansätze erkennen, die eine Aussetzung der verhängten Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung gerechtfertigt hätten. Demgemäß wurde Haftfortdauer angeordnet.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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