Mit "Blüten" im Bordell bezahlt

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Rosenheim - Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick sind die Geldscheine, die der Sachverständige des Falschgelddezernates vorlegte, nicht von echten zu unterscheiden.

Wenn diese "Blüten" im schummerigen Licht eines Bordells den Besitzer wechseln, sind sie als Falsifikat kaum zu erkennen.

Das hat sich auch ein Rumäne überlegt, der sich jetzt vor dem Schöffengericht in Rosenheim zu verantworten hatte, als er mit Falschgeld im Wert von 3400 Euro nach Deutschland einreiste. Er besuchte Mitte August in Rosenheim eines der einschlägigen Etablissements und bezahlte Liebesdienst und Getränke per mitgebrachtem Falschgeld. Darüber hinaus ließ er sich noch zehn Hunderter in kleine Scheine wechseln. Da der Wirtin die Sache nicht ganz geheuer vorkam, legte sie in den folgenden Tagen einen der Scheine in einen "Falschgeldtester", der aber den Schein problemlos akzeptierte. Erst als sie das Geld zur Bank brachte, musste sie feststellen, dass sie hereingelegt worden war.

Eine Woche später wurde der 38-jährige Rumäne, der als Beruf "Kraftfahrer" angab, an einer Autobahnraststätte bei Würzburg kontrolliert. Dabei entdeckten die Beamten bei ihm 18 falsche 100-Euro-Scheine. Den Rest hatte er offensichtlich schon in Umlauf gebracht. Weil Falschgeldmeldungen zentral in München bei einem Dezernat zusammengeführt werden, konnte umgehend eine Verbindung mit dem "Falschgeld für Liebesdienst" in Rosenheim hergestellt werden. Nach anfänglichen Ausreden bei der Polizei war der Rumäne zu einem umfassenden Geständnis bereit.

Vor Gericht schilderte er, unter welchen Umständen er das Falschgeld erhalten hatte. Er selber stammt aus einem Ort unmittelbar an der Grenze zu Bulgarien. Von einem Bulgaren, der ständig mit der Fähre zwischen den Ländern hin und her pendelte, habe er die "Blüten" erhalten.

Das bestätigte der Gutachter. Die Scheine seien bekanntermaßen aus bulgarischer Produktion: "Da gibt es Betriebe, die drucken tagsüber ganz normal Prospekte und nachts Falschgeld." Sogar die Hologramme seien zwischenzeitig - mit Hilfe von Geräten aus Taiwan - problemlos nachzubilden. Einzig die Zahl 100 rechts unten, die beim Kippen die Farbe verändert, sei von den Fälschern bislang noch nicht nachzubilden. "Achten sie bei 50- und 100-Euro-Scheinen auf die Farbwechselfunktion. Ändert sich nichts, ist es Falschgeld", so der Experte.

Wirtin im Glück: Wechselgeld noch da

Seit Einführung des Euros seien alleine in Bayern 77000 Ermittlungsverfahren wegen Falschgeld eingeleitet worden. Das gibt einen Eindruck davon, wie groß der Schaden durch die Falschgeldkriminalität ist. Glücklich war die Wirtin des Nachtlokals. Der Täter hatte das echte Geld noch bei sich. Weil andere Betrogene nicht ausfindig gemacht werden konnten, wird sie ihr Geld wieder zurückbekommen.

Der Ermittlungsbeamte notierte sich alle Angaben des Angeklagten. Sollte damit ein Fahndungserfolg erzielt werden können, so würde sich das im Strafmaß günstig auswirken. Deshalb wurde das Verfahren ausgesetzt, um den Beamten des bayerischen Landeskriminalamtes Gelegenheit zu geben, die Informationen zu überprüfen.

Zwei Wochen später bestätigte der Ermittler, dass die Angaben des Angeklagten hilfreich und stichhaltig waren. Das bewog die Staatsanwaltschaft, das Strafmaß mit zwei Jahren Haft so zu beantragen, dass sie noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Dem schloss sich der Verteidiger, Rechtsanwalt Klaus Spiegel, an und so urteilte auch das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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